Donnerstag, 25. August 2016

Lesemonat August - "Love and Confess" von Colleen Hoover


"Love & Confess"

Colleen Hoover
New Adult
Deutsch
3 Sterne (von 5 Sternen)

Nachdem "Zurück ins Leben geliebt" ein voller Erfolg für mich war, dachte ich mir, ich könnte mit den weiteren New Adult Romanen von Colleen Hoover nichts falsch machen. Weitgefehlt... 

Auburn ist vor kurzem nach Texas gezogen. Warum sie das gemacht hat, obwohl sie die Umgebung und ihren neuen Job dort hasst, erfährt man im Laufe des Buches und kann aus Spoiler-Gründen nicht vorweggenommen werden. Als sie auf den jungen Künstler Owen trifft, gibt es endlich wieder einen Lichtblick in ihrem Leben. Leider nur für kurze Zeit, denn ihre Liebe hat keine Chance, so lange Auburn nicht riskieren möchte, das zu verlieren, was ihr wichtiger ist als eine neue Liebe...

Es nicht einfach, für dieses Buch eine sinnige Inhaltsangabe zu schreiben, denn die Autorin arbeitet wie gewohnt mit diversen dunklen Geheimnissen in der Vergangenheit ihrer Hauptpersonen, die erst im Laufe des Buches zum Vorschein kommen. Da ich hier keinesfalls den Überraschungseffekt zerstören möchte, muss ich mich bei meiner Zusammenfassung kurz fassen.

Das Thema "dunkle Geheimnisse" führt mich direkt zu einem Kritikpunkt, denn genau diese Schatten der Vergangenheit münden am Ende des Buches in eine Kette von Zufällen und schicksalhaften Begegnungen, die ich als Leser beim besten Willen nicht mehr als realistisch ansehen konnte. Hätte es Colleen Hoover bei einer Auswirkung auf das Leben der Hauptdarsteller belassen, hätte ich das akzeptieren können, aber als sie in den letzten Kapiteln noch einen und noch einen drauf gesetzt hat, war es für mich vorbei. Das war viel zu unglaubwürdig.

Da die große Auflösung erst am Ende des Buches stattfindet, hätte mich das nicht daran hindern sollen, 90% der Seiten zuvor als Lesevergnügen zu empfinden. Leider war das nicht so, denn ich habe mich von Anfang an in der Atmosphäre des Buches unwohl gefühlt. Ich habe Schwierigkeiten, hier die richtigen Worte zu finden, denn mir ist bewusst, dass es in gewisser Weise mein persönliches Problem ist, das ich nicht auf Colleen Hoover schieben kann, denn wenn es ihr darum ging, eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen, dann ist ihr das wunderbar gelungen. Von daher kann es durchaus sein, dass sie mich mit dieser Geschichte auf dem falschen Fuß erwischt hat.

Wahrscheinlich bin ich mit unpassenden Erwartungen an dieses Buch herangegangen. Wie in meinem Post über "Zurück ins Leben geliebt" geschrieben, habe ich folgenden Plot erwartet: "Auburn, ein Kontrollfreak, trifft auf Owen, einen Künstler." Also etwas nach dem Motto "Gegensätze ziehen sich an". Die Zusammenfassung habe ich mir nicht aus den Fingern gesogen sondern tatsächlich in der Art recherchiert. Bekommen habe ich zwei Protagonisten, denen das Schicksal übel mitgespielt hat. Die sich beide in einer ausweglosen Situation befinden, da sie sich für andere aufgeopfert haben. Einen Teil meiner negativen Gefühle zu "Love and Confess" schreibe ich also mir selbst zu.

Trotzdem denke ich, dass es in der Geschichte weitere Unstimmigkeiten gibt, die mich mit einem unguten Gefühl zurückgelassen haben. Z.B. die vereinzelt stattfindenden Liebesszenen, die zu Zeitpunkten passiert sind, die sich für mich völlig falsch angefühlt haben. Wenn man relativ unerfahren ist, kurz vorher ein negatives Erlebnis mit einem anderen Mann hatte, kann man sich dann vorbehaltlos auf jemanden einlassen? Ich denke nicht.

Ich hoffe, ich konnte einigermaßen deutlich machen, warum ich dieses Buch nicht mochte. Das ist mir, glaube ich, noch nie passiert, dass ich bei einer Geschichte von Anfang an ein schwierig zu definierendes ungutes Gefühl hatte. Normalerweise krankt es an unsympathischen Protagonisten oder langweiligem Geschreibsel. Nicht jedoch an einer negativen Schwingung im Hintergrund. Deshalb würde mich brennend interessieren, ob es noch jemandem so mit diesem Buch ergangen ist? Ob noch jemand so stark zwischen "gefällt mir" und "kaum zu ertragen" bei den Büchern von Colleen Hoover schwankt?

Trotzdem möchte ich nicht verschweigen, dass mir auch etwas gut gefallen hat: die Kunstwerke von Owen, die im Buch abgebildet sind. Das fand ich zum einen eine originelle Idee, zum anderen wurde es auch gut umgesetzt. Damit kann ich mehr anfangen als mit Liedtexten.

Ich hoffe, das nächste Buch, zu dem ich greife, wird besser zu mir passen. "Love & Confess" gehört leider zu den Printausgaben, bei denen ich es bereue, dass ich sie nicht als E-Book gekauft habe. So könnte ich es einfach in meinen berüchtigten Ordner "Schrott" verschieben...

Montag, 22. August 2016

Lesemonat August - "Fünf am Meer" von Emma Sternberg


"Fünf am Meer" 

Emma Sternberg
Chick Lit
Deutsch
3,5 Sterne

Linn erwischt ihren Freund in flagranti. Nicht genug, dass damit ihre vermeintlich große Liebe Geschichte ist, sie verliert im gleichen Augenblick auch ihre Lieblingskollegin, denn diese ist die Affaire von Linns Freund, ihren Job, denn Linn ist in der Firma ihrer künftigen Schwiegereltern angestellt, und ihre einzige Familie, denn Linn ist Vollwaise. Mehr Unglück auf einmal geht kaum. Wie ein Silberstreif am Horizont erscheint da ein Erbermittler aus den USA, der Linn die freudige Nachricht überbringt, dass sie von einer ihr bislang unbekannten Verwandten ein Haus in den Hamptons geerbt haben soll. Da Linn aktuell nichts in Deutschland hält, besteigt sie den nächsten Flieger nach New York, um die Immobilie in Augenschein zu nehmen. Dabei stellt sie fest, dass sie nicht nur ein Haus sondern auch eine Senioren-WG geerbt hat.

Das Cover dieses Buches dürfte den meisten buchinteressierten Menschen bekannt sein, denn es wird nicht nur in jeder Buchhandlung prominent präsentiert, man kann es auch im Supermarkt und Zeitschriftenladen kaufen. Ich selbst habe das Buch von meiner Mutter ausgeliehen bekommen. Ich hätte es mir wohl eher nicht gekauft, denn ich habe die beiden früher erschienenen Romane der Autorin gelesen und war von diesen nur semi-begeistert. Als Lektüre für "zwischendurch" kam mir das Buch trotzdem gelegen.

Als erstes ist mir die recht gemächliche Erzählweise aufgefallen. Es passiert meist nicht viel und so dauert es z.B. bis zur Mitte des Buches, bis der erste potentielle neue Mann in Linns Leben auftaucht. Ich muss zugeben, dass ich zwischenzeitlich sogar den Klappentext noch einmal durchgelesen habe, da ich mir nicht sicher war, ob es in dem Roman überhaupt eine Liebesgeschichte geben wird. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Klappentext bezüglich dieses potentiellen Lovers irreführend ist.

Vielmehr als das Liebesleben von Linn steht in diesem Buch die Vergangenheit ihrer Erbtante Dorothy im Mittelpunkt. Als Leser begleitet man Linn dabei, wie sie ihre verstorbene, unbekannte Tante kennenlernt und das eine oder andere Geheimnis aus deren Vergangenheit aufdeckt. Das lässt einen als Leser nicht gerade vor Spannung an den Nägeln kauen, ist aber trotz aller Vorhersehbarkeit gut gemacht. An die Komplexität von Anne Gesthuysens letztem Roman kommt es trotz einiger Parallelen nicht heran.

Was mir von "Fünf am Meer" am meisten im Gedächtnis bleiben wird, sind die Landschaftsbeschreibungen der "Hamptons". Ich war schon vor diesem Buch fasziniert von den "Hamptons", denn nach all den Bildern, die ich von diesem Landstrich gesehen habe, möchte ich bei meinem nächsten New York Besuch unbedingt einen Abstecher dorthin machen. Dank der bereits oben erwähnten langsamen Erzählweise kommen die Landschaftsbeschreibungen gut zur Geltung und das Flair dieses Landstrichs wird an den Leser weitergegeben.

Die fünf Senioren, auf die Linn im Zuge ihres Erbes trifft, werden leicht schrullig geschildert, wie man es auch aus anderen Büchern dieses Genres kennt. Das führt bei mir persönlich dazu, dass ich mich an den typischen Freitag-Abend-ARD-Wohlfühlfilm erinnert fühle.

Bei manchen Erzählsträngen der Autorin hatte ich den Eindruck, dass sie nicht wirklich zu Ende erzählt werden. Z.B. unternimmt Linn große Anstrengungen, um das geerbte Haus wieder in eine Pension zu verwandeln. Das Thema bleibt gegen Ende gänzlich unerwähnt - so als hätte Linn selbst diesen Plan völlig vergessen. Entweder arbeitet man hier bereits auf einen zweiten Teil hin oder der Plot des Buches war zunächst anders geplant, als er tatsächlich ausgeführt wurde.

Unten auf Seite 383 steht m.E. ein Wort zu viel: "..., die ich in meinem Übereifer sofort gleich abgespeichert habe." Ich denke, da hätte entweder "sofort" oder "gleich" genügt.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass, wer leichte Literatur für zwischendurch sucht, mit diesem Buch gut bedient ist.

Samstag, 20. August 2016

Lesemonat August - "Zurück ins Leben geliebt" von Colleen Hoover | Zusammenfassung aller Bücher der Autorin

"Zurück ins Leben geliebt" 

Colleen Hoover
New Adult
Englisch
4 Sterne

Im Leben von Krankenschwester Tate stehen große Veränderungen an. Sie zieht zu ihrem Bruder nach San Francisco, um ein Studium zu beginnen. Am Tag des Umzugs stellt sich ihr ein unerwartetes Hindernis in den Weg: der völlig betrunkene Nachbar und Pilotenkollege ihres Bruders sitzt vor der Wohnungstür ihrer neuen Bleibe und bewegt sich keinen Zentimeter zur Seite. Nicht gerade der perfekte Start in eine lebenslange Freundschaft. Tate kann trotzdem nicht verhehlen, dass sie vom geheimnisvollen Miles fasziniert ist. Als er ihr ein Arrangement à la "friends with benefits" anbietet, ist sie bereit, sich an seine Regeln zu halten: keine Fragen zu seiner Vergangenheit und keine gemeinsame Zukunft. Trotzdem ahnt sie von Anfang an, dass es ihr nicht leicht fallen wird, sich diesen Regeln zu beugen.

Ich habe bislang ein Buch von Colleen Hoover gelesen: "Slammed", der erste Band aus der "Layken und Will"-Reihe. Ich fand das Buch nicht schlecht, mir kam am Ende nur zu deutlich eine gewisse "wahre Liebe wartet"-Missionierung durch, weshalb ich die anderen Bände der Serie nicht gelesen habe. Als ich herausgefunden habe, dass Colleen Hoover nicht nur Bücher im "Young Adult"-Genre schreibt sondern auch im "New Adult"-Bereich aktiv ist, habe ich mich entschlossen, ihr eine neue Chance zu geben.

Falls sich jemand fragt, was die Unterschiede zwischen diesen beiden Genres sind, bei "Young Adult" handelt es sich um Bücher, die für Jugendliche geschrieben wurden und entsprechend unschuldig formuliert sind. Mehr als Küssen ist nicht. "New Adult" hingegen ist wesentlich offensiver - also nix mehr mit "wahre Liebe wartet". Außerdem kann es durchaus sein, dass man eine größere Anzahl an "four-letter-words" (wie "f-u-c-k") findet.

"Zurück ins Leben geliebt" hat mich gut unterhalten. Die Geschichte ist abwechselnd in aktuelle Kapitel, die aus der Sicht von Tate erzählt werden, und Blicke in die Vergangenheit, die Miles Blickpunkt wiedergeben, gegliedert. Das fand ich sehr abwechslungsreich. Auch wenn ich von Anfang an eine grobe Ahnung hatte, was Miles Problem sein könnte, war dieser Teil trotzdem nicht vorhersehbar und folglich bis zum Ende spannend. An manchen Stellen hatte ich ein bisschen Angst, dass die Geschichte für mich kippen könnte, denn ich mag es gar nicht, wenn sich eine Protagonistin in Abhängigkeit zu ihrem Partner begibt. Manchmal wird in Jugendbüchern viel zu leichtfertig mit Themen wie "psychischer Missbrauch" umgegangen. Das ist für mich häufig ein schmaler Grat zwischen ernsthafter Aufarbeitung dieser Thematik und einem lapidaren "wahre Liebe ist unzerstörbar". Hier hat Colleen Hoover zum Glück immer die Kurve bekommen.

Da mir dieses Buch gut gefallen hat, habe ich mich mit allen bislang erschienen Büchern der Autorin beschäftigt und werde eine Übersicht über die englischen und deutschen Ausgaben anfügen. Bevor ich diese Übersicht zeige, möchte ich kurz anmerken, dass Colleen Hoover eine sehr interessante Autorengeschichte hat, denn ihr erstes Buch ("Weil ich Layken liebe") hat sie als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter geschrieben. Aufgrund des positiven Feedbacks, das sie für dieses Geschenk bekommen hat, entschloss sie sich zu Veröffentlichung als E-Book im Selbstverlag. Das war so erfolgreich, dass echte Verleger auf sie aufmerksam wurden und so begann ihr märchenhafter Aufstieg zur Bestsellerautorin.

"Slammed"-Series | Layken & Will 

1) "Slammed" | "Weil ich Layken liebe"
2) "Point of Retreat" | "Weil ich Will liebe"
3) "This Girl" | "Weil wir uns lieben"
Außerdem gibt es eine Kurzgeschichte mit dem Titel "A Father's Kiss".

Diese Reihe ordne ich in den Bereich "Young Adult" (also eher harmlos) ein. Layken zieht mit ihrer Rest-Familie in eine neue Stadt und lernt den Nachbarn Will kennen und lieben. Es entwickelt sich eine klassische "verbotene Liebe", die sich durch dunkle Punkte in Wills Vergangenheit verschärft. 

"Hopeless"-Series | Sky & Dean 

1) "Hopeless" | "Hope Forever"
2) "Losing Hope" | "Looking for Hope"

Eine Novelle namens "Finding Cinderella" ergänzt die Reihe, die ich laut meiner Recherche ebenfalls als "Young Adult" zugehörig bezeichnen würde. Warum im deutschen die englischen Originaltitel durch andere (!) englische Titel ersetzt wurden, wissen die Götter. Band 1 wird aus der Sicht von Sky geschildert, Band 2 aus der Sicht von Dean. Das hat für mich immer einen faden Beigeschmack, denn es klingt nach Geldmacherei.


Die nachfolgenden Bücher gehören nicht zu einer Reihe sondern sind "stand-alone". Gibt es dafür eigentlich einen deutschen Ausdruck? Alleinstehende Bücher?!

"Maybe Someday" | "Maybe Someday"

Sydney & Ridge schreiben zusammen Songs und kommen sich so näher.
Das Buch werde ich mir kaufen. Es gehört in das Genre "New Adult".

"Ugly Love" | "Zurück ins Leben geliebt" 

Siehe oben, bereits gelesen und rezensiert. 

"Never Never" 

Eine Kooperation mit Tarryn Fisher. Bislang nicht auf Deutsch erschienen.

"Confess" | "Love and Confess" 

Auburn, ein Kontrollfreak, trifft auf Owen, einen Künstler. Wahrscheinlich hat hier der deutsche Verlag "love" hinzugefügt, damit potentielle Leser, die mit dem Wort "confess" nichts anfangen können, zumindest ein Wort verstehen... Das Buch nenne ich seit dieser Woche mein Eigentum.

"November Nine" 

Fallon & Ben treffen sich jedes Jahr am 09.11. Nach meiner Recherche noch nicht in deutscher Sprache erschienen.

"It Ends With Us" 

Lily steht plötzlich zwischen ihrer aktuellen Liebe Ryle und ihrer ersten, großen Liebe Atlas.
Brandaktuell aus dem August 2016. Folglich gibt es bislang keine deutsche Übersetzung.

Donnerstag, 18. August 2016

Freilichtspiele in Schwäbisch Hall

Die Freilichtspiele in Schwäbisch Hall sind für mich so etwas wie ein Traditionsevent. Wenn man in seiner Heimatstadt solch eine kulturelle Veranstaltung vor Ort hat, muss man das auch nutzen, finde ich. Ich wurde bereits in Kindertagen an die Freilichtspiele herangeführt, denn es gibt nicht nur die Stücke für Erwachsene auf der "großen" Treppe sondern auch jedes Jahr ein Theaterstück speziell für Kinder. Ich erinnere mich an Aufführungen von "Pippi Langstrumpf" oder "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer".

St. Michael und die Treppe

Der Spielort der Freilichtspiele ist etwas ganz besonderes, denn die Aufführungen finden nicht auf einer normalen Theaterbühne statt sondern auf den Stufen der Kirche zu St. Michael in Schwäbisch Hall. Das stellt die Akteure vor besondere Herausforderungen, denn diese müssen während des Theaterstücks ständig die Stufen auf und ab turnen. Das fordert nicht nur einiges an Kondition sondern auch Geschick, denn wie schnell gerät man auf den Stufen ins Stolpern. Vor allem da die meisten Stücke nicht nur ein gemächliches hin und her Schreiten sondern auch Rennen oder gar Kampfszenen beinhalten.

Der Marktplatz

Ich habe versucht zu rekapitulieren, welche Stücke ich in der Vergangenheit besucht habe und welche Momente mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Intendanten und Regisseure unter meinen Lesern sollten hier aufmerksam mitlesen, so zeigt es doch, welche Szenen sich beim Zuschauer einprägen.

1996 | 1997: "Im weißen Rössl" 

Ganz ehrlich, ich hätte nicht mehr gewusst, dass diese Operette mein erstes Stück auf der großen Treppe gewesen ist. Es war eine eher traditionelle Inszenierung (im Gegensatz zu der überzeichneten Version vor ein paar Jahren, die auf viel Kritik gestoßen ist). Mein Lieblingsmoment: als der Kaiser aus dem Rücken des Publikums vom Rathaus her eingezogen ist. Das war sehr erhaben.

1997: "Der Besuch der alten Dame" 

Hier streikt mein Gedächtnis ein bisschen, was vor allem daran liegt, dass ich hier fast zeitgleich eine ganz hervorragende Schüleraufführung gesehen habe. Gehört zu meinen Lieblingstheaterstücken.

1998 | 1999: "Der Glöckner von Notre-Dame" 

Zusammen mit "Jedermann" wahrscheinlich das perfekte Stück für diesen Spielort. Man bekommt "Notre-Dame" (= St. Michael) quasi kostenlos als Bühnenbild mitgeliefert. Ich werde nie vergessen, wie der Glöckner hoch oben an der Kirche am Zugseil der Glocke hing.

1998: "Nathan der Weise" 

Hier habe ich kein spezielles Highlight, aber ich mochte das Stück sehr. Traurig aber wahr, die "Ringparabel"ist mittlerweile aktueller denn je...

1999: "Die Jungfrau von Orleans"

Ich war mir kurz unsicher, ob ich dieses Stück wirklich gesehen habe. Aber dann fiel es mir ein, wie könnte ich die echten Schafe auf der Treppe vergessen!

1999 | 2000: "Cyrano - Das Musical"

Hier erinnere ich mich vor allem an meine Begleitung, denn ich hatte eine ehemalige Brieffreundin dabei. Es war schön zu sehen, wie sich jemand, der nicht mit den Freilichstpielen aufgewachsen ist, für den Ort und die spezielle Atmosphäre begeistert.

Das Rathaus

2000 | 2001: "Jedermann"

Das Stück, mit dem die Freilichtspiele in Schwäbisch Hall quasi geboren wurden. Ein Klassiker, den man in Schwäbisch Hall gesehen haben muss.

2000 Globe Theater: "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" 

Das war damals etwas ganz besonderes, denn 2000 war die erste Spielzeit im neugebauten Globe Theater. Da ich Shakespeare sehr gerne mag, hat mir auch diese Zusammenfassung seiner Werke super gefallen.

2001 | 2002: "Jesus Christ Superstar" 

Meine Mutter war ein riesiger Fan der ersten Aufführung von "Jesus Christ Superstar" auf der Treppe in der 90er Jahren mit dem damals groß in Mode kommenden Musicalstar Uwe Kröger. Sie war sehr enttäuscht vom "neuen" Jesus Christ, denn der war eher schmächtig und blieb für ihren Geschmack zu blass. Ich selbst bin nicht der größte Musicalfan und "Jesus Christ Superstar" gehört rein musikalisch definitiv nicht zu meinen Favoriten. (Außerdem muss ich automatisch an die Kür von Berezhnaya & Shliakov denken. Aber das ist eine andere Geschichte...). Ich glaube, ich bin damals nur mit, um meine Mutter zu begleiten...

2001: "D'Artagnan und die 3 Musketiere" 

Definitiv eine der größten Herausforderungen, die die Treppe je an ihre Schauspieler gestellt hat. Die Kampf- und Fechtszenen haben sich für immer bei mir eingeprägt.

2001 Globe Theater: "Romeo & Julia" 

Meine absolute Lieblingsaufführung, der ich je in einem Theater beigewohnt habe. Zum einen weil ich das Stück liebe. Für mich eine der schönsten Geschichten, die je erzählt wurde. Zum anderen waren Romeo und Julia hier genial besetzt. Vor allem der "Romeo" in Gestalt von Otto Beckmann war wirklich anbetungswürdig. Außerdem war eine Freundin von mir als Statistin dabei. Sie wusste nicht, dass ich in der ersten Reihe bei der Premiere im Publikum sitzen würde. Die Überraschung war groß. Auch werde ich nie den Moment vergessen, als sie einen Vorhang schließen musste, dieser sich aber als äußerst widerspenstig zeigte und sich erst nach größter Anstrengung zuziehen ließ.

2002: "Kasimir & Karolin" 

Ich mochte das Stück, kann mich aber partout an kein Highlight erinnern. Außer das oben erwähnte Freundin wieder als Statistin dabei war.

2003: "Der Name der Rose"

Ich mag den Film, das Buch gehört jedoch zu einem der wenigen Bücher, die ich jemals abgebrochen habe. Ich bin aufgrund der ausufernden historischen Schilderungen nie in die Geschichte hineingekommen. Das Theaterstück gefiel mir genauso gut wie der Film. Nicht nur wegen der einprägsamsten Szene, als sich der junge Mönchsgehilfe vorne auf der Bühne ausgezogen hat. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es sich hierbei um den "Romeo" aus dem Jahr 2001 gehandelt hat. Meine Statisten-Freundin und ich waren hin und weg. Der Otto...

2004 | 2005 | 2006: "Die Comedian Harmonists" 

Hier muss ich ein bisschen in meiner Erinnerung kramen, denn das Theaterstück wird durch den gleichnamigen Film überlagert. Irgendwie habe ich automatisch Heino Ferch vor Augen, wenn ich an die "Comedian Harmonists" denke... Und "Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück..." im Ohr. So schön traurig. 

2011 | 2012 | 2013: "Summer of Love - eine Revue über die wilden 60er" 

Diese Revue ist eine meiner Favoriten. Sie wurde speziell für die Freilichstpiele komponiert. Es geht um eine Gruppe Jugendlicher, die in den 60er Jahren in Schwäbisch Hall aufwächst. Sie kommen mit den amerikanischen GIs der nahegelegenen Kaserne in Kontakt, versuchen der Enge der Kleinstadt zu entfliehen etc. Mir haben sowohl die Geschichte als auch die Lieder super gefallen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Moment, als ein schwarzer, amerikanischer GI auf einem Militärjeep unten an der Treppe entlang gefahren wird, während er auf dem Jeep steht und singt. Das war wirklich cool.

2011 | 2012 Globe Theater: "Boston Princess. Die Kennedys - ein amerikanischer Alptraum" 

Hier habe ich die Karten meiner Mutter zum Geburtstag geschenkt. Wir waren beide begeistert, denn das Stück war richtig schön bitterböse. Zu Schulzeiten war ich großer Fan der Kennedys. Das hat sich gelegt, nachdem ich "Owen Meany" von John Irving gelesen hatte. In "Boston Princess" kommt zumindest Robert Kennedy ganz ordentlich weg, während JFK als ziemlicher Trottel dargestellt wird.

2015 Globe Theater: "Männer" - eine Revue über das starke Geschlecht

Dieses Stück war ein Highlight, denn im Prinzip bestand es ausschließlich aus bekannten Liedern. Die wurden aber so gekonnt in Zusammenhang gebracht, dass man die verschiedenen Männertypen, die die Schauspieler repräsentieren sollten, perfekt erkennen konnte ("der Pantoffelheld", "der Aufreißer" etc.). Ein unvergesslich witziger Abend bei schweißtreibenden Temperaturen.

2016: "The Stairways to Heaven" - eine Revue über die 70er und 80er Jahre 

Das ist die Aufführung, die ich am vergangenen Wochenende gesehen habe. Alle meine amerikanischen Freunde wären amüsiert gewesen, denn die Aufführung startete mit dem Lied, das die Mauer zum Einsturz gebracht hat: "Looking for Freedom" von David Hasselhoff. Uns Deutschen wird ja eine seltsame Leidenschaft für dieses Lied nachgesagt. Ich muss zugeben, dass mir dieses Lied als Kind auch gefallen hat.

Das Bühnenbild war wie immer bei den Freilichtspielen eher reduziert und bestand aus einer silbernen Auflage auf den Stufen, die zum Leuchten gebracht werden konnte und aus einer ebenfalls silbernen Mauer, vor der die Schauspieler durch verschiedene Wegweiser die unterschiedlichen Ereignisse angezeigt haben (z.B. RAF oder das Wappen der Stadt Schwäbisch Hall).

Das Stück spielt in den Jahren 1972 bis 1989. Es geht um vier junge Menschen, deren Leben durch einen "Engel in Ausbildung" positiv beeinflusst werden soll (quasi das Gesellenstück, um ein echter Engel zu werden). Eine Protagonistin avisiert zur Karriere-Bankerin (wir sind schließlich in Schwäbisch Hall - da darf ein im Chor geschmettertes "Auf diese Steine können sie bauen!" nicht fehlen), ihr Angebeteter dealt mit Drogen und ist Musiker im Gewand eines Alt-Hippies, der Nerd wandert in die USA aus und entdeckt neben Steve Jobs auch seine Liebe zu Männern und die Punkerin verliebt sich in einen Jungen aus dem Osten. Trotz himmlischer Hilfe schlittern die vier ungelenk durchs Leben und bringen ihren Schutzengel zur Verzweiflung.

Das ganze wird mit historischen Ereignissen verwoben. So engagiert sich die Punkerin bei den "Grünen" und findet sich auf deren Gründungsparteitag in Sindelfingen wieder - gemeinsam mit Winfried, Jutta, Petra und Joschka. Hier fällt einer der stärksten Sätze ("Winfried, wenn du so weitermachst, schaffst du es bis zum Ministerpräsident!"). Auch die Toten der RAF oder Willi Brandts Kniefall werden thematisiert.

Diesen Punkt würde ich als einen der Schwachpunkte des Stückes ausmachen: manchmal schwankt es etwas unentschlossen zwischen Komödie und Tragödie hin und her und die Übergänge zwischen beidem wirken hölzern.

Die Musik der 70er und 80er Jahre steht ebenfalls im Mittelpunkt. Die Schauspieler singen live und auch eine Live-Band ist vor Ort. Die Darsteller haben mich um einiges mehr überzeugt als Andrea Berg am Tag darauf beim kurzen Umschalten von Olympia im ZDF in die ARD. Ansonsten ist vor allem die englischsprachige Musik aus den 70er und 80er Jahren so gar nicht meins, weshalb ich mit vielen Liedern nicht warm geworden bin. Mein Favorit war dann auch (peinlicherweise) "Fußball ist unser Leben".

Sehr amüsant fand ich am Anfang die Nachrichten, die vom Band kamen. Deutschlandweit: Die Mauer ist im Begriff zu fallen. Schwäbisch Hall: im evangelischen Bildungshaus sind im Kurs "Brokatengel basteln für Anfänger" noch Plätze frei.

Mein Fazit zu diesem Stück fällt durchwachsen aus. Mit den letzten drei Stücken, die ich gesehen habe und alle zu meinen persönlichen Highlights zähle, konnte "The Stairways to Heaven" nicht mithalten. Trotzdem ein kurzweiliger Abend, der seine Momente hatte.