Sonntag, 31. Juli 2016

|Wanderlust| Südtirol - Kronplatz mit Messner Mountain Museum "Corones"

An diesem Montag brach unsere hälftige Reisegruppe zum Kronplatz auf. Das liegt Richtung Bruneck und ist ca. 70 bis 80 km von Seis am Schlern entfernt. Die andere Hälfte der Reisegruppe verbrachte den Tag auf der Dachterrasse und am Pool.

Die Fahrt bis St. Vigil verlief problemlos. In St. Vigil fanden wir umgehend einen Wegweiser mit der Aufschrift "MMM Corones". Leider hörte die Beschilderung danach auf. Auf das Navi konnten wir uns in diesem Fall leider auch nicht verlassen, da das Museum sich irgendwo auf dem Berg befindet und naturgemäß keine Adresse hat. Also zuerst auf gut Glück durch St. Vigil hindurch und ein Stückchen weiter geradeaus, um festzustellen, dass irgendwas nicht stimmte, denn der Weg führte zunächst leicht ansteigend dahin, dann aber wieder bergab, was nicht richtig sein konnte. Zurück in St. Vigil parkten wir an der großen, nur im Winter geöffneten Liftanlage und orientierten uns zu Fuß und auf einer Karte. So fanden wir heraus, dass wir zum Museum nach Verlassen von St. Vigil rechts abbiegen mussten, um auf den Furkelpass zu fahren. An besagter Abzweigung fehlt jedoch ein weiteres Schild Richtung MMM Corones. Das sollte Reinhold Messner ganz dringend aufstellen! Mittlerweile war ich Profi im kurvig bergan fahren und wir erreichten problemlos den Furkelpass inklusive zugehöriger Liftanlage. Mit dieser auch im Sommer geöffneten Bergbahn muss man bis zum Kronplatz hochfahren und dort befindet sich in direkter Nähe zur Bergstation das Museum. Als Bonus gibt es an der Talstation einen gutaussehenden Liftboy ;-)

Messner Mountain Museum "Corones"

Das Museum kostet 8 Euro Eintritt und ist wesentlich kleiner als z.B. das Messner Museum auf Sigmundskron. Es widmet sich der Geschichte des Alpinismus und ist architektonisch sehr besonders, das es von einer der bekanntesten zeitgenössischen Architektinnen, der kürzlich verstorbenen Zaha Hadid, geplant wurde. Es befindet sich quasi *im* Berg und nur verschiedene "Röhren" sowie eine Aussichtsplattform ragen aus dem Berg hinaus. Schon allein aufgrund der Architektur lohnt sich meiner Meinung nach ein Besuch dieses Museums.

Im Inneren befinden sich viele traditionelle und auch moderne Gemälde, alpines Zubehör wie z.B. Messners Bergschuhe und - was ich besonders interessant fand - eine große Weltkarte, auf der alle großen Ereignisse und Namen des Alpinismus verzeichnet sind. Hier gibt es z.B. auch Infos zu den Huber Buam oder David Lama (Memo an mich selbst: endlich eines der Bücher von David Lama lesen). Ich kann das Museum allen, die an der Geschichte der Berge interessiert sind, empfehlen. Auch wenn man kein passionierter Museumsbesucher ist, sollte einem dieses Museum gefallen, denn es erschlägt einen nicht mit zu vielen Ausstellungsstücken und man schafft den Rundgang auch bei aufmerksamem Lesen in ca. einer Stunde.

Blick ins Tal mit Gleitschirmflieger 

Wofür sich die Reise zum Kronplatz (ein ansonsten typischer Ort mit Skigebietscharakter: viele Lifte, viel Gastronomie) auf alle Fälle lohnt: den genialen Rundblick, den man von dort oben hat. Das ist auch der Hintergrund, warum Reinhold Messner das letzte Museum seiner Museumsreihe dort oben errichtet hat: man kann nach allen Seiten und bis nach Österreich gucken.

Glocke mit Aussichtsplattform

Mittig auf dem Kronplatz befindet sich eine Glocke, deren Plattform man betreten kann und von wo aus man nach allen Seiten schauen kann. Auf dem zugehörigen "Ring" sind die Namen der umliegenden Berge verzeichnet.

Die schneebedeckten Ötztaler Alpen im Hintergrund
Hohe Geisel und Seekofel mit dem "Ring" um die Glocke im Vordergrund

Mein Satz des Tages kam von einem Rentnerehepaar auf dem Gipfel: "Alles sehr kommerziell hier! Aber nicht wegen des Museums sondern der Skifahrer!" Wenn man als Tourist irgendwo hinfährt, sollte man immer damit rechnen, dass man auch andere Touristen trifft. Ansonsten sollte man vielleicht lieber zu Hause bleiben...


Yak auf dem Kronplatz

Zurück in Seis war es *sehr* warm, und wir verbrachten ein bisschen Zeit am Pool und auf der Dachterrasse, wobei ich die Dachterrasse stark bevorzugte.

Zum Abendessen gab es Pfannkuchen mit Gemüse und Briekäse (plus Béchamel), Seitan mit grünem Spargel und Apfelküchle (eine meiner all-time-favourite Süßspeisen).

Anschließend haben wir einen Spaziergang zur Umlaufbahn unternommen. Das dortige Gebäude wurde seit 2013 komplett neugebaut. Es befindet sich mittlerweile eine Art Einkaufszentrum (hauptsächlich Sportgeschäfte) darin.

Samstag, 30. Juli 2016

|Leseliebe| "Sweet Little Lies" von Jill Shalvis


„Sweet Little Lies“

Jill Shalvis
A Heartbreaker Boy Novel (#1)
Chick Lit
Englisch
Kindle
4 Sterne

Prue arbeitet als Kapitän(in) auf einem Boot in der San Fancisco Bay und ist relativ neu in einen familiären Gebäudekomplex in San Francisco eingezogen. Im Laufe der Geschichte erfährt der geneigte Leser, dass es kein Zufall war, dass sie sich ausgerechnet diese Nachbarschaft ausgesucht hat. Von den anderen Hausbewohnern wird sie gut in die Hausgemeinschaft aufgenommen (der erfahrene Chick-Lit-Leser spürt hier bereits künftige Paarungen auf), aber ein bestimmter Hausbewohner hinterlässt einen besonders tiefen Eindruck bei Prue: Finn O'Riley, der Inhaber des gleichnamigen Pubs "O'Riley's" und wahr gewordener Traum aller Chick-Lit-Leser (groß, gutaussehend, Sixpack - wobei hier mittlerweile die Tendenz zum Eightpack zu gehen scheint - und mit speziellen Fähigkeiten in gewissen Situationen ausgestattet). Zwischen den beiden sprühen von Anfang an die Funken, aber natürlich gibt es auf dem Weg zum "Happily Ever After" das ein oder andere Hindernis zu überwinden.

Die erste Hälfte dieses Buches hat mir wirklich super gut gefallen. Das lag zum einen an den skurrilen, liebenswerten Nebendarstellern wie dem undefinierbaren Hund von Prue, den älteren Nachbarinnen, die sich immer wieder gerne einen halbnackten Kerl anschauen, oder dem Obdachlosen aus der Nachbarschaft. Zum anderen bin ich ein großer Fan des witzigen, flapsigen Schreibstils von Jill Shalvis. In dem Zusammenhang möchte ich besonders die Kapitelüberschriften in diesem Buch anmerken. So heißt z.B. das Kapitel 1 #KeepCalmAndRideAUnicorn". Auf diese Art und Weise wurde jedes Kapitel mit einem eigenen Hashtag versehen.

Ab der zweiten Hälfte des Buches wurde es leider etwa zäh für mich, denn Prue war nervtötenderweise nicht bereit, ihr großes Geheimnis zu offenbaren, was natürlich dazu geführt hat, dass es mit jedem verstreichenden Tag noch schwerer wurde, damit herauszurücken. Das ging mir irgendwann auf die Nerven. Das Ende hat sich deshalb auch etwas gezogen, weshalb ich lange mit mir selbst debatiert habe, ob ich nur 3 oder 3,5 Sterne anstatt 4 vergeben soll. Aber irgendwie hat mir der erste Teil doch so gut gefallen, dass es insgesamt zu 4 Sternen gereicht hat. Mit einem zugedrückten Auge, wie Guido bei "Shopping Queen" sagen würde.

Dir Grundidee für diese neue Reihe finde ich gut, vor allem da mir die ganzen anderen potentiellen Hauptdarsteller für einen eigenen Band ebenfalls sympathisch sind. Ich hoffe sehr, dass z.B. Prues im Rollstuhl sitzender Chef ebenfalls eine separate Geschichte bekommt.

Leider werden die Bücher von Jill Shalvis nicht ins Deutsche übersetzt.

Freitag, 29. Juli 2016

|Wanderlust| Südtirol - Wanderung um Langkofel und Plattkofel

Sonntags stand die mit Abstand längste und anstrengendste Wanderung auf dem Programm. Der Plan war, Langkofel und Plattkofel komplett zu umwandern.

Einer der zu umkreisenden Berge
Um die Idee zu dieser Wanderung zu erklären, muss ich ein bisschen weiter ausholen, denn schuld ist der Hectooor! Im Gegensatz zu mir waren nicht alle Mitglieder unserer Reisegruppe von Anfang an von dieser Wanderroute begeistert. Aber dann kam das Viertelfinale bei der EURO 2016 zwischen Italien und Deutschland und jemand hat sich ganz weit aus dem Fenster gelehnt: "Wenn Deutschland dieses Elfmeterschießen gewinnt, dann wandere ich um Langkofel und Plattkofel!" Dieses Versprechen musste - Hector sei dank - auch eingelöst werden. Allerdings fanden wir im Vergleich zur ursprünglichen Route, die mit einem einstündigen extrem steilen Aufstieg begonnen hätte, eine etwas gemäßigtere Variante, die sich als zwar lang aber machbar herausstellte.

Äußerst kompliziert gestaltete sich die Anfahrt zum Sellajoch, dem Start der Wanderung. Zunächst hatten wir ein chaotisches Tankerlebnis... In Südtirol sind Tankstellen keine kleinen Supermärkte wie in Deutschland, weshalb an Sonntagen nur Tanken mit Tankautomat möglich ist. Ich habe bislang ausschließlich in den USA mit einem Tankautomat getankt (und da ist das total easy peasy). Erschwerend kam hier hinzu, dass die Beschilderung völlig unzureichend war, was dazu führte, dass eine Horde hilfloser Touristen an der Tankstelle herumstand. Dicht hinter meinem Auto parkte plötzlich ein einheimisches Auto äußerst schwungvoll ein. Ein Italiener mittleren Alters stieg aus und begann laut und wild gestikulierend auf uns einzureden. Ich stoppte ihn und erklärte ihm auf Englisch, dass wir nur Englisch oder Deutsch sprechen. Damit konnte er überhaupt nichts anfangen. Entnervt stürmte er zurück zu seinem Auto, motzte mit seinem Beifahrer und fuhr mit einem Affenzahn davon. Keine Ahnung, was diese Aktion sollte. Mag sein, dass wir Touristen die Tankstelle seit knapp fünf Minuten "blockiert" hatten, aber von jemand in dem Alter erwarte ich schon, dass er zumindest bruchstückhaft Englisch spricht. Südeuropäer aber auch wir Mitteleuropäer können uns uns in der Hinsicht eine große Scheibe von den Skandinaviern abschneiden. Da spricht jeder fast fließend Englisch. Nachdem wir das Tanken mit Hilfe einer Gruppe bayrischer Motorradfahrer geschafft hatten (der Trick: man muss erst an einem zentralen Automaten bezahlen, der in unserem Fall meilenweit von unserer Zapfsäule entfernt war), fuhren wir weiter zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, dem Sellajoch, aber ein paar hundert Meter vor dem Parkplatz gab es plötzlich Stau und es ging überhaupt nichts mehr. Zum Glück hielten wir durch und die Schlange bewegte sich doch wieder voran. Der Grund für den Stau war ein auf dem Sellajoch stattfindendes Trachten-/ Musikantentreffen. Mein Tipp: vielleicht eher unter der Woche und nicht am Wochenende das Sellajoch anfahren.

Blick auf die schneebedeckte Marmolada

Wunderschöne Bergwelt

Den Einstieg zu unserer Wanderung fanden wir problemlos. Zu Beginn waren außer uns relativ viele weitere Wanderer (teilweise eher in Spaziergangsausrüstung) unterwegs. Je weiter sich der Weg hinzog, desto einsamer wurde es. Wir entschieden uns, die Route rechtsherum um Langkofel und Plattkofel zu gehen. Die Aussicht war die meiste Zeit grandios. Relativ zu Beginn kamen wir an der Hütte "Piz de Sella" vorbei. Anschließend bogen wir versehentlich auf die Markierung 526B ab, weshalb die Route ca. eine Stunde länge war. Wunderschön war der 360°-Blick, den wir unterwegs auf die Seiser Alm inklusive Schlern hatten. Weniger abenteuerlich als es ursprünglich aussah, gestaltete sich die Überquerung einer Geröllhalde.

Steine im Gebirge (und kleine, fotografische Spielerei)

Auch ein paar Radfahrer waren unterwegs. Aber bei weitem nicht so viele wie auf der Straße zum Sellajoch.

Die Geröllhalde

Atemberaubende Landschaft

Die Natur bahnt sich überall den Weg.

Genialer Rundblick auf die Seiser Alm. Im Hintergrund: der Schlern. 

Nach der steilsten Steigung der gesamten Strecke kamen wir oben auf der neugebauten Plattkofelhütte an, wo wir gemütlich einkehren wollten. Eingekehrt sind wir auch, aber leider weit entfernt von gemütlich, denn als wir dort ankamen, war keine Sonne mehr zu sehen und es windete nicht unerheblich. Da drinnen kein freier Tisch zu finden war, entschlossen wir uns, es doch draußen zu versuchen, da der von uns ausgewählte Tisch einigermaßen windgeschützt aussah. Das entpuppte sich als Fehleinschätzung, und ich fror erbärmlich. Nicht nur wegen des Windes, sondern auch da mir im Anschluss an eine körperliche Anstrengung immer kalt wird. Ich habe trotzdem so gut es geht versucht, meinen Kaiserschmarren zu genießen...

Kaiserschmarren in der Kälte

Nach dem Zwischenstopp in der Plattkofelhütte vergingen noch einmal ca. 1 Stunde und 50 Minuten, so dass wir insgesamt mit Pausen ca. sechs Stunden unterwegs waren. Hierbei starteten und endeten wir auf 2.160 m. Zwischendrin ging es runter auf 1.950 m und hoch auf 2.360 m. Eine wirklich tolle Wanderung, die ich jedem empfehlen kann, der einigermaßen geübt und trainiert ist. Die Beschilderung ist - wie meist in Südtirol - super, wobei man das bei dieser Wanderung die meiste Zeit nicht wirklich braucht, denn man kann sich größtenteils einfach an Langkofel und Plattkofel orientieren, da man die beiden umrunden muss.

Irgendwie muss ich bei diesem Bild an "Herr der Ringe" denken...

Abends war Gala-Dinner angesagt. Es gab sehr leckeres Gemüse im Teigmantel mit süß-saurer Sauce (eindeutig OHNE Glutamat), Flädlessuppe, Sorbet (mit Sekt, hat aber sogar mir geschmeckt), Penne mit Tomatensauce und zum Nachtisch Eis, wobei ich hier anmerken muss, dass im Originalmenü weder die Suppe noch die Penne und das Desert enthalten waren.

An diesem Abend was es zum ersten Mal warm genug, um draußen zu sitzen, weshalb wir auf einen Cocktail in einem anderen Hotel eingekehrt sind.  

Donnerstag, 28. Juli 2016

|Leseliebe| "Hard to Handle" von Jessica Lemmon



„Hard to Handle“

Jessica Lemmon
Chick Lit
Englisch
Kindle
4 Sterne

Mit diesem Buch ist mir etwas passiert, was ich gar nicht leiden kann: ich habe den perfekten Zeitpunkt für das Schreiben meiner Rezension verpasst. Argh. Ich habe das Buch bereits vor "Aprikosenküsse" im Urlaub beendet, was bedeutet, dass ich seither zwei Bücher ausgelesen und mit einem weiteren angefangen habe. Somit ist der Abstand zu dem Buch zu groß, als dass ich ohne erneuten Blick auf meinen Kindle eine Zusammenfassung schreiben könnte.

Dieses Buch ist Teil der "Love in the Balance"-Serie, aus der ich bereits "The Millionaire Affair" gelesen habe. In diesem Band geht es um Sadie und Aiden, die sich auf der Hochzeit von Sadies bester Freundin und Aidens Cousin wiedersehen. Sadie und Aiden hatten einst einen vielversprechenden Start, aber dann fühlte sich Aiden gezwungen, die beginnende Beziehung abzuwürgen, da er sich voll und ganz auf seine schwerkranke (und zwischenzeitlich verstorbene) Mutter konzentrieren wollte. Da er bei Beendigung der Affäre nicht sonderlich diplomatisch vorgegangen war, zeigt sich Sadie wenig angetan von dem erneuten Aufeinandertreffen. Blöderweise verschwindet Aiden nach der Hochzeit nicht direkt aus ihrem Leben, denn er arbeitet mittlerweile als Geschäftsführer bei einem Motorradzubehörhändler, der zu Sadies wichtigsten Kunden gehört.

Natürlich haben beide Hauptcharaktere wieder viel schlimmes in ihrer Vergangenheit erlebt, weshalb es kein leichtes wird, die latente Beziehungsunfähigkeit zu überwinden. Soweit, so bekannt. Trotzdem gelingt es Jessica Lemmon - wie auch in den beiden anderen Romanen von ihr, die ich bereits gelesen habe - einen unterhaltsamen Roman auf die Beine zu stellen. Besonders gut gefallen haben mir hier die eher ungewöhnlichen Berufe der Hauptdarsteller (Außendienstmitarbeiterin im Vertrieb und bereits einmal gescheiteter Unternehmer, der sich nunmehr im Motorradbusiness versucht) und die für mich bekanntermaßen alles entscheidende Tatsache, dass die beiden als Paar gut harmonieren.

Ich werde definitiv am Ball beleiben und weitere Geschichten aus der Feder von Jessica Lemmon lesen. Leider eine weitere Autorin, die noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde.


Mittwoch, 27. Juli 2016

|Wanderlust| Südtirol - Grödner Tal und Seiser Alm

Da wir für den nächsten Tag eine große Tour geplant hatten, war an unserem dritten Urlaubstag "relaxen" angesagt. Da von uns noch niemand von der Grödner Seite aus auf der Seiser Alm gewesen war, fuhren wir mit dem Auto nach St. Ulrich (neben Wolkenstein und Santa Christina eine der drei großen Ortschaften im Grödner Tal) und nahmen die dortige Umlaufbahn auf die Seiser Alm. Bereits beim Kaufen der Tickets fiel mir eine schwedische Klischee-Familie ins Auge: groß, blond, sportlich, in Laufklamotten und mit Gadgets aus dem Langlaufbereich (u.a. eine Gürteltasche mit "Falun"-Aufschrift). Hach, ich wäre auch gerne von Natur aus so sportlich wie der durchschnittliche Skandinavier... Der Sohn im Teenageralter hat nicht mehr mit dem Rest der Familie in die Gondel gepasst und ist deshalb in unserer Kabine gelandet. War bestimmt sein Traum: mit vier Frauen auf den Berg fahren ;-) Oben ist uns die Familie noch einmal begegnet: joggend! Die haben bestimmt für den Winter trainiert.


Blick auf Langkofel und Plattkofel

Oben angekommen unternahmen wir eine spaziergangsähnliche Wanderung mit perfektem Blick auf Langkofel und Plattkofel. So schön! Die Landschaft in den Dolomiten ist wirklich durch nichts zu überbieten. Unsere Welt kann so wunderschön sein. In gewisser Weise hilft mir dieser Gedanke in der aktuellen politischen Weltlage, denn man muss immer bedenken, dass dieser heute so idyllisch und perfekt wirkende Landstrich bis in die 60er Jahre von Terror geprägt war. Bleibt also zu hoffen, dass bis in 30 Jahren jemand in Afghanistan im Gebirge sitzt und denkt, was für eine Idylle...


Blumenwiese auf der Seiser Alm

Unterwegs fanden wir die aus dem "ZDF-Fernsehgarten" bekannte überdimensionale Bank. Natürlich mussten wir raufklettern. Überraschenderweise gelang mir das relativ problemlos. 


Radfahrer vor Langkofel und Plattkofel. Sieht aus wie eine Werbung aus einem Sportkatalog.


Margarete

Anschließend sind wir in der Sanon-Hütte eingekehrt. Die Hütte ist seit diesem Urlaub meine Lieblingshütte, denn die Aussicht auf den Langkofel und Plattkofel ist einfach unschlagbar und auch das Essen ist super lecker. Und die anderen Gäste sind auch nicht zu verachten. Aber dazu in meinem Bericht zum letzten Urlaubstag mehr...


Auf der Sanon-Hütte


Blick auf Langkofel und Plattkofel

Blick von der Terrasse der Sanon-Hütte aus

Esel auf der Seiser Alm <3 

Bevor wir mit dem Auto nach Seis zurückgefahren sind, haben wir Zwischenstopps in Santa Christina und in Wolkenstein eingelegt. Nach einer leicht (*husthust*) chaotischen Suche fanden wir auch die Sasslong, die Piste, auf der jährlich kurz vor Weihnachten ein Super G und eine Abfahrt ausgetragen werden. Im letzten Jahr mit dem besten Ergebnis EVER im Super G: drei Norweger auf dem Podium. 


Blumenpracht im Val Gardena

Im Zielraum

Durch Zufall fanden wir auch noch die "Mega-Krippe", eine von Grödner Schnitzern gebaute Krippe mit Figuren in Lebensgröße. Sehr beeindruckend. 

Apropos Schnitzkunst, wir haben in St. Ulrich in einem großen Geschäft angehalten, in dem vor allem weihnachtliche, geschnitzte Produkte verkauft werden. Ich habe mir eine kleine Madonna mit Jesus und Josef gekauft, die perfekt zu meiner aus Israel importierten Mini-Krippe passt. 


Schnitzkunst aus dem Grödner Tal
Ein absolutes Highlight auf der Rückfahrt war ein Interview bei Radio Tirol. Die Anneliese (man hätte meinen können, es wäre Anke Engelke als Anneliese von "Wolfgang & Anneliese" gewesen, so schräg war der Auftritt...) hat einen der beiden Sänger der "Pseirer Spatzen" interviewt. So a schöne Musi. Und dr Vatter, auch so a fescher Ma. Mei, mit seiner Steirischen... 

Mein Spruch des Tages kam jedoch nicht aus diesem Interview sondern wurde auf der Sanon-Hütte von einer Frau mittleren Alters zu ihrem (Schwieger-)Vater gesagt: "Dann nimmst halt ein Radler, das bringt dich schon nicht um!!!"

Beim Abendessen lautete das Motto "Tiroler Abend". Für mich gab es Schlutzkrapfen mit Spinat- und Pilzfüllung, Gemüsestrudel in sehr streng riechender Käsesauce sowie 1 1/2 Portionen Pfirsichstrudel. Der Kellner meinte es gut mit M. und mir und brachte uns Nachschlag...

Dienstag, 26. Juli 2016

|Wanderlust| Südtirol - Wanderung Rund um Laranz

An unserem zweiten Urlaubstag haben wir uns für eine einfache Wanderung mit Beginn und Ende in Seis entschieden. Wenn man seinen Urlaub in Seis, Kastelruth oder Völs verbringt, hat man immer die Wahl, ob man "unten" wandern möchte (so wie wir an diesem Tag), oder ob man auf die Seiser Alm mit der Umlaufbahn hochfährt und von dort startet.

Der Schlern mit Seis im Vordergrund

Die eigentlich nicht allzu anspruchsvolle Wanderung katapultierte uns sofort "von null auf hundert", denn als erstes galt es den knackigen Anstieg zum romantischen Kirchlein St. Valentin zu bewältigen.

St. Valentin bei Seis am Schlern
Blume am Wegesrand
Anschließend wandert man auf dem Wanderweg mit der Markierung 5 bzw. 5A auf dem Rundweg Laranz. Zunächst am Berg entlang, immer mit Blick auf den Schlern. So ein wunderschöner Ausblick. Da kann man gar nicht glauben (um die Worte vom Eberhofer Franz zu gebrauchen), was sonst für grausame Dinge auf dieser Welt geschehen. Danach geht es durch den Wald bis zur Königswarte, einem Aussichtspunkt, von dem man einen schönen Ausblick über das Eisacktal hat (inklusive Autobahn). Die Abzweigung zum "Pilzeweg" haben wir aufgrund der missverständlichen Beschreibung im Reiseführer nicht gefunden, was ich bedauere, denn ich hätte die überdimensionalen Pilze gerne gesehen und wäre auf den Spuren von Südtirols Pilzsammler Nr. 1, Christof Innerhofer, gewandelt.

Durch den Wald
Mittlerweile befindet man sich auf dem Wanderweg mit der Markierung Nr. 5 Richtung St. Oswald. Schwierig wurde es für uns ab der Beschreibung "nach dem Trockhof zweigt man rechts auf einen nicht bezeichneten Feldweg ab". Den Feldweg haben wir problemlos gefunden (da ausgeschildert), allerdings führte der uns mitten in eine Wiese. Wir versuchten uns einen sinnvollen Weg zu bahnen, standen aber plötzlich völlig hilflos an einem steilen Abhang an einer weiteren Wiese. Zum Glück entdeckten wir im Hintergrund die Ruine Aichach und wussten somit, dass wir kurz vor dem Pflegerhof standen. Also half es nichts, wir mussten irgendwie die steile Wiese hinuntersteigen. Das haben wir zum Glück unfallfrei geschafft.

Blick von der Königswarte

Steinmännchen
Der Pflegerhof gehört zu meinen Lieblingsplätzen in Südtirol. Die Gärtnerei verkauft eigene Produkte wie Tee, Kräutersalz, Samen etc. Die Anbauflächen kann man ebenfalls anschauen. Als Kind wollte ich immer eine Gärtnerei besitzen. Der Pflegerhof wäre mein Traumanwesen.

Ruine Aichach am Pflegerhof

Blick vom Pflegerhof
Im Anschluss führt die Rundwanderung am Vigiler Heubadl und der Malenger Mühle vorbei, immer der Markierung 7A folgend. Wir entschlossen uns, im Vigiler Heubadl in der Buschenschenke einzukehren. Wir waren die einzigen Gäste - ein etwas merkwürdiges Gefühl. Die Bedienung durch den jungen Wirt war prompt, jedoch hatte er kein Fanta vorrätig, weshalb wir alle drei auf Cola umstiegen. Scherzhaft machten wir uns vor Lieferung des Colas darüber Gedanken, ob das wohl eine gute Idee war, um vor lachen zusammenzubrechen, als das Cola ankam: Ablaufdatum 2014... Wir haben trotzdem ausgetrunken und überlebt. Sogar Trinkgeld haben wir gegeben. Der junge Mann war hin und weg von meinen 50 Cent... Wäre er Amerikaner gewesen, hätte er "awesome" ausgerufen.

Als wir im Anschluss an der Malenger Mühe (historische Mühle inklusive Getreideausstellung) vorbeikamen, erinnerte mich die ganze Situation an eine Buchreihe: die Krimis um den chaotischen Polizisten Kreuthner und den verfrorenen Kommissar Wallner von Andreas Föhr. Ich fühlte mich original in das Mangfalltal mit der übelsten Spelunke aller Zeiten, der Mangfallmühle, versetzt. Genauso muss es dort aussehen!

Nach einem steilen Anstieg kamen wir wenig später zurück in Seis an.

Das abendliche Essenmotto war mein persönlicher "worst case": Fischmenü. Ich musste auf die Ergänzungskarte ausweichen und entschied mich für einen sehr leckeren Pfifferlingsknödel. Im Hauptgang blieb ich bei der offiziellen, vegetarischen Alternative: ganze Zwiebel im Blätterteig. Klar, ich mag keine Zwiebeln, aber ich habe mich trotzdem bewusst dafür entschieden. Schließlich konnte ich den leckeren Blätterteig problemlos "abkratzen". Zum Nachtisch gab es eine super leckere Marillentorte, die für das Fischmenü entschädigt hat.


Montag, 25. Juli 2016

|Leseliebe| "Aprikosenküsse" von Claudia Winter


"Aprikosenküsse"

Claudia Winter
Chick Lit
Deutsch 
4 Sterne

Die Foodjournalistin Hanna führt ein von ihrem Job geprägtes Leben und ist für ihre spitze Feder bekannt. Eines Tages schießt sie jedoch über das Ziel hinaus und eine ihrer Kritiken wird zur "Rezension mit Todesfolge". Durch einen dummen Zufall kommt Hanna in den Besitz der zugehörigen Urne und muss sich auf den Weg nach Italien machen, um die Urne ihrem rechtmäßigen Besitzer, dem Enkel der Verstorbenen, zurückzubringen. Fabrizio trauert nicht nur um seine Oma, sondern wird von dieser posthum auch vor eine große Aufgabe gestellt, denn sie hat in ihrem Testament verfügt, dass er das Familiengut nur erben wird, wenn er binnen eines Jahres heiratet. Ansonsten geht das komplette Erbe an seinen Bruder, der bereits Pläne schmiedet, Fabrizios geliebte Aprikosenplantage zu verkaufen.

Wenn man meine Beschreibung des Inhalts durchgelesen hat, kommt man vermutlich von selbst auf die größte Schwäche des Buches: die vielen Zufälle, die nötig sind, um die Geschichte auf den Weg zu bringen. Das war mir persönlich zu viel, um glaubwürdig zu sein.

Davon abgesehen, hat mich dieses Buch ganz wunderbar unterhalten. Ich hatte es mir als Urlaubsliteratur ausgesucht, nachdem es als Tipp für den Sommer auf dem Blog von Primeballerina vorgestellt worden war. Okay, die Toskana ist nicht Südtirol, aber zumindest liegt beides in Italien... Womit wir auch zu einer der größten Stärken dieses Buches kommen: Claudia Winter gelingt es ganz wunderbar, den Leser nach Italien zu versetzen. Man kann das alte Gut, die Aprikosenhaine und das leckere, italienische Essen bildlich vor sich sehen.

Auch Hanna mochte ich trotz ihres leicht neurotischen Verhaltens gerne. Das gleiche gilt für den manchmal etwas melancholischen und ernsten Fabrizio. Als Paar haben die beiden für mich super funktioniert. So vorhersehbar sich ihre Geschichte auf den ersten Blick anhört, so abseits meiner Erwartungen ist sie in den Details tatsächlich verlaufen.

Abschließend möchte ich noch die Köchin des Landguts und ihre Leidenschaft für Schundromane erwähnen, mit der sie versucht, Hanna anzustecken. Die Auszüge aus besagten Heftchen wurden wirklich perfekt in den Roman eingebaut.

Für alle, die nach einem kurzweiligen Buch für den Strand, die Berge oder Balkonien suchen: eine klare Empfehlung.

Die älteren Bücher, die Claudia Winter unter dem Pseudonym Carolin Wunsch im Selbstverlag veröffentlicht hat, kann ich hingegen niemandem ans Herz legen. Ich habe mir "Ausgerechnet Soufflé" heruntergeladen, bin aber überhaupt nicht in das Buch reingekommen, da sich mir dessen Zielsetzung nicht erschlossen hat, weshalb ich etwas gemacht habe, was äußerst selten vorkommt: ich habe das Buch abgebrochen. Da warte ich lieber auf den neuen Roman "Glückssterne" von Claudia Winter, der im Oktober herauskommen wird.


Sonntag, 24. Juli 2016

|Wanderlust| Südtirol - Gärten von Schloß Trauttmansdorff und Ultental

Die Gärten von Schloß Trauttmansdorff bei Meran
Da die Wettervorhersage steigende Temperaturen prophezeite, was es eine bewusste Entscheidung, am ersten Tag in Südtirol nach Meran zu fahren. Man muss einfach bedenken, dass es in Seis aufgrund der Höhe kühler ist als in Meran, das zusätzlich weiter südlich liegt und deshalb ein mediterranes Klima aufweist, das an das "echte" Italien erinnert.

Wunderschöne Farben
Es war die absolut richtige Entscheidung, denn das Wetter war perfekt: warm, aber nicht zu drückend.  Die Anlage ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert: Waldgärten (Miniaturwälder aus Amerika und Asien), Sonnengärten (Mediterranes Flair), Wasser- und Terrassengärten (Europäische Gartenkunst) und Landschaften Südtirols (Tradition und Naturerlebnis für Kinder).

Lavendel mit Biene
Dahlien-Feld

Die Farbenvielfalt ist einfach unbeschreiblich. Da kann keine Landesgartenschau mithalten. Besonders gut gefallen hat mir der relativ neue "Garten für Verliebte", der interaktiv gestaltet wurde. Man kann sich z.B. symbolisch von schlechten Gedanken befreien. Und keine Angst, man muss keinen Partner dabei haben, um diesen Garten betreten zu dürfen. Steht sogar ausdrücklich in der Beschreibung.

Skulpturen im "Garten der Verliebten"

Noch eine Skulptur im "Garten der Verliebten" - nix für prüde Amerikaner ;-)
Für die gesamte Anlage muss man ein bisschen Zeit und Kondition mitbringen. Die Laufwege sind nicht zu unterschätzen, vor allem da es zur Aussichtsplattform "Matteo Thun'scher Gucker" z.B. auch bergauf geht.


Matteo Thun'scher Gucker

Papagei in der Voliere
Die Gärten sind (ggf. bedingt) auch für Kinder geeignet, denn es gibt nicht nur Pflanzen sondern auch Tiere zu sehen (Aras, Gebirgslori, Hühner...). Auch Sissi-Liebhaber kommen auf ihre Kosten, denn die Kaiserin war auf Schloß Trauttmansdorff zu Gast und man kann auf ihren Spuren wandeln. Besonders interessant fand ich eine Tafel, auf der Sissis Aufenthaltsorte über mehrere Jahre aufgelistet waren. Daraus war ersichtlich, dass sie ein sehr unstetes Leben geführt hat. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, sie habe sich auf der Flucht befunden.

Eine nachdenkliche Sissi auf dem Balkon
Sehr interessant und gut gemacht finde ich auch die im Schloß befindliche Ausstellung zum Thema "Tourismus". Quasi eine Erläuterung "wie die Touristen in die Berge kamen" und wie sie die Bergwelt verändert haben. Hierbei sind mir besonders die Warnungen der katholischen Kirche vor den Fremden und dem damit einhergehenden Moralverlust sowie ein schreckliches Bauprojekt namens "Meran 2000", das zum Glück nie verwirklicht wurde, im Gedächtnis geblieben.

Küchenpersonal in einem großen Hotel-Puppenhaus
Eine Art Kugelbahn, die man als Besucher selbst bedienen darf. Hier zu sehen: zwei der bekanntesten Südtiroler Reinhold Messner und Norbert Rier von den "Kastelruther Spatzen"
Zum Abschluss des Tages haben wir einen Abstecher ins Ultental unternommen. Das Ultental ist kaum touristisch erschlossen und deshalb sehr ursprünglich. Eine ganz andere Welt als die Seiser Alm oder das Grödner Tal. Für Touristen wirklich nur geeignet, wenn man absolute Ruhe und Abgeschiedenheit sucht. Falls sich die Weltgeschichte weiterhin so katastrophal entwickelt, werde ich mir eine einsame Almhütte im Ultental kaufen und auswandern... Falls sich jemand fragt, warum ich das Ultental kenne: es ist der Heimatort des Südtiroler Skifahrers Dominik Paris.

Die Südtiroler Version des Endes der Welt: das Ultental
Zum Abendessen gab es für mich Pfannkuchen mit Gemüse, Kartoffelhamburger auf Bohnengemüse und Obstsalat. Auf das streng riechende Käsebuffet habe ich verzichtet.

Abends war es richtig kalt. Wir haben uns trotzdem einen Teil des Konzerts der Musikkapelle Seis angehört.