Montag, 28. November 2016

|Leseliebe| "Annähernd Alex" von Jenn Bennett


"Annähernd Alex" 

Jenn Bennett 
Young Adult 
Deutsch 
Das Buch wurde mir von lovelybooks.de für die Teilnahme an einer Leserunde und das Verfassen einer Rezension zur Verfügung gestellt. 
5 Sterne (von 5 möglichen Sternen) 

Die 17jährige Bailey (a.k.a. "Mink") steht auf Hollywood-Blockbuster aus der großen Ära der Schwarz-Weiß-Filme. Seit einem traumatischen Erlebnis geht sie Problemen lieber aus dem Weg, anstatt sich diesen zu stellen. So verschweigt sie auch ihrem Chat-Freund und ebenfalls Filmliebhaber Alex, dass sie in seine Heimatstadt an der Westküste der USA ziehen wird, um dort bei ihrem Vater zu wohnen. 

In Kalifornien angekommen, lebt sie sich besser als erwartet bei ihrem nerdigen Vater ein. Da gerade Sommerferien sind, vermittelt der ihr einen Nebenjob in der "Höhle", einem Pseudo-Museum in dem Touristen eher abgezockt denn gebildet werden. Nach einer holprigen Anfangsphase findet sich Bailey schnell im Team ein, nur der Security-Mitarbeiter und Surfer-Boy Porter bringt sie durch seine Sticheleien regelmäßig auf die Palme. Außerdem begibt sie sich mit Hilfe einer Karte und allen Hinweisen, die sie im Laufe ihrer Chats gesammelt hat, auf die Suche nach Alex. Immer in der Hoffnung, dass es sich bei ihm tatsächlich um einen Jungen in ihrem Alter und nicht um einen glatzköpfigen Rentner, der sich im Chat als Teenager ausgegeben hat, handelt. 

Im Laufe der Zeit lernt Bailey Porter und dessen Familie besser kennen und muss feststellen, dass mehr in ihm steckt als ein oberflächlicher Surfer-Boy. Dadurch wird ihre Suche nach Alex in den Hintergrund gedrängt. Und ist es nicht sowieso viel besser, sich mit echten Freunden als mit virtuellen Bekannten zu beschäftigen?! 





 "Annähernd Alex" hat mich von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen. Das liegt zum einen daran, dass es Jenn Bennett meisterhaft gelingt, eine sommerliche Strandatmosphäre zu schaffen, die einen als Leser auch im kältesten Winter zumindest gedanklich direkt an einen kalifornischen Strand versetzt. Auch die "Höhle" wird so wunderbar skurril beschrieben, dass ich diesen Ort von Anfang an geliebt habe. Außerdem zeichnet sie all ihre Charaktere äußerst liebevoll und facettenreich, so dass man diesen gerne an die Westküste der USA folgt. Besonders gilt das natürlich für Bailey, die zentrale Figur von "Annähernd Alex". Sie ist weder die typische Außenseiterin noch ein super beliebtes It-Girl. Vielmehr ist sie auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und lernt im Laufe der Geschichte, dass sie gar nicht so "nerdig" und alleine ist, wie sie denkt. Porter ist als auf den ersten Blick eindimensionaler Nachwuchssurfer, der jedoch einiges an Tiefgang besitzt, der perfekte Gegenpart, was in spritzigen Dialogen zwischen den beiden mündet. Ans Herz gewachsen sind mir aber auch die ganzen Nebendarsteller wie Baileys neue Freundin und Arbeitskollegin Grace oder ihr Vater, von dem sie das Interesse für Themen abseits der Norm geerbt zu haben scheint. 




Der Schreibstil von Jenn Bennett ist perfekt zu einem Jugendbuch passend leicht und flüssig, weshalb man als Leser geradezu durch die Seiten fliegt, denn man möchte unbedingt wissen, wie es mit Bailey, Porter und Alex weitergeht. 

An der Stelle möchte ich auch nicht vergessen, das Cover und die Gestaltung des gesamten Buches (inklusive der Überschriften der einzelnen Kapitel, die aus Filmzitaten bestehen) lobend zu erwähnen. Der "Königskinder"-Verlag hat hier seine bekannt gute Arbeit geleistet. 

Es gibt eigentlich nur einen Punkt, der mir an dem Buch nicht gefallen hat: der Klappentext. Dieser nimmt einen entscheidenden Teil von "Annähernd Alex" vorweg und setzt daneben einen falschen Schwerpunkt, denn die Szene, die dort als zentral herausgestellt wird, ist tatsächlich nur eine von mehreren gleichwertigen Vorkommnissen. Ich würde folglich jedem künftigen Leser raten, den Klappentext links liegen zu lassen und direkt mit der Lektüre zu beginnen. So umgeht man sowohl Spoiler als auch falsche Erwartungen. 

Ansonsten kann ich dieses wundervolle Buch allen ans Herz legen, die in eine gut konstruierte und herzliche Coming-of-Age-Geschichte abtauchen möchten. Mir hat dieses Buch ein echtes Lesevergnügen bereitet. 

Ich habe ein bisschen zur Autorin recherchiert. Sie hat in der Vergangenheit hauptsächlich Romane aus dem Bereich "Chick Lit" veröffentlicht (ich vermute, deshalb fallen gewisse Szenen detailreicher aus als ansonsten in amerikanischen Jugendbüchern üblich). Es gibt jedoch auch einen weiteren Jugendroman namens "The Anatomical Shape of a Heart" (bzw. "Night Owls"), der unter dem Titel "Die Anatomie der Nacht" ebenfalls im Königskinder-Verlag erschienen ist. Das Buch werde ich mir definitiv auch kaufen. 




Sonntag, 27. November 2016

|About my week| Mein Wochenrückblick - Verletzung, Youtube und eine digitale Reise in die Vergangenheit

Nachdem jeder heute seinen Adventskranz postet, möchte auch ich nicht zurückstehen.

Wie war deine Woche?

Bis Freitag Morgen hätte ich gesagt: unspektakulär, mit Ausnahme des Mittwochs, an dem ich eher unfreiwillig mit meinem Chef in eine Weinverkostung geraten bin. (Wer mich kennt, weiß, dass ich Wein am liebsten in Form von Rotweinkuchen zu mir nehme...). Am letzten Werktag der Woche bin ich jedoch kurz nach dem Aufstehen mit meinem kleinen Zeh an einem Stuhlbein hängen geblieben. Zunächst dachte ich, es wäre nicht so schlimm und habe mich ganz normal fertig gemacht. Als ich versucht habe, Schuhe anzuziehen, wusste ich, das wird nichts, denn ich bin in keinen Schuh hineingekommen. Nicht einmal Birkenstocks hätten funktioniert. Also bin ich daheim geblieben. Mittlerweile ist der Zeh blau, und ich versuche, ihn übers Wochenende so gut es geht zu schonen. Wäre ich bei meinen Eltern daheim gewesen, hätte ich direkt mit meinem Bruder und meiner Mutter zum Orthopäden fahren können, denn T. hatte am Freitag einen Termin. Seine größte Sorge: "Das Foto machen (=Röntgen) tut aber nicht weh???" Er hat dank seiner Kindheit ein bisschen ein Ärzte-Trauma und erkennt z.B. auch im überladensten Ärztezimmer Dinge wie Desinfektionsmittel: "Aber das nimmst Du nicht bei mir?!" (Desinfektionsmittel = Blutabnehmen = tut weh).

Was ich nach meinem Erlebnis vom Freitag auf alle Fälle empfehlen kann (auch auf die Gefahr hin, dass ich wie die Bundesregierung mit ihrer Anregung zu Hamsterkäufen klinge): es ist immer gut, wenn man einen Vorrat an Nahrungsmitteln im Haus hat. Eigentlich hatte ich geplant, am Freitag groß für das Wochenende einkaufen zu gehen. Uneigentlich konnte ich das Haus nicht verlassen, hatte aber zum Glück Mehl, Zucker, Eier, Trockenhefe, Zucchini, Tomatensauce etc. im Haus und konnte mir somit u.a. Waffeln und selbst gebackenes Baguette machen.  


Die Deko steht trotz meiner Verletzung.

Hast du „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ schon gesehen und was ist dein Eindruck vom Film? Hast du darüber hinaus das gleichnamige Buch schon gelesen (Nicht das Skript)?

Nein und nein. Mein Verhältnis zu "Harry Potter" ist ein bisschen gespalten. Mir wurde die Reihe von einer Freundin empfohlen, als der Hype in Deutschland noch nicht angekommen war. Damals war gerade erst der dritte Band auf Englisch erschienen. Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt schon eine deutsche Übersetzung gab. Mir haben die Bücher gut gefallen, aber dass sie so einen Hype auslösen würden, hätte ich nie gedacht. Alle anderen Bücher habe ich bei Erscheinen auf Englisch gelesen und der Tod von Dumbledore z.B. hat mich wie so viele andere zu Tränen gerührt. Ein bisschen gekippt ist mein Verhältnis zu "Harry Potter" mit dem letzten Band. Zum einen war der nicht so düster und dramatisch wie ich nach den vorhergehenden Bänden erwartet hätte. Das fand ich enttäuschend. Meinen Eindruck nachhaltig getrübt hat der Epilog. Der war schlimmer nach dem Motto "and they lived happily ever after" als jeder kitschige "Chick Lit"-Roman. Seitdem hält sich meine Lust auf weitere "Harry Potter"-Erlebnisse in Grenzen.

Was die Filme betrifft, so habe ich nur den ersten Teil vor vielen Jahren bei einer Freundin auf DVD gesehen. Alle anderen habe ich nicht geschaut, da Filme erfahrungsgemäß nie mit den Bücher, auf denen sie basieren, mithalten können. Von daher habe ich das Schauen der Filme bislang als unnötig abgehakt.

Wobei ich in Zusammenhang mit dem neuen Film sagen muss, dass ich den doch ganz gerne sehen würde. Online sind alle so begeistert von dem Film, die Story hört sich spannend und faszinierend an und der Hauptdarsteller sieht besser aus als Daniel Radcliffe... Leider gibt es in meiner Umgebung niemand, der bereit wäre, mit mir in einen Fantasy-Film zu gehen. Irgendwie lehnen alle um mich herum Fantasy ab. Das mag Geschmacksache sein, aber was ich nicht verstehe, ist, wenn man tatsächlich sich noch nie an Fantasy (nicht nur bei Filmen, das gilt auch für Bücher) versucht hat, man dieses Genre trotzdem kategorisch ablehnt. Ich persönlich möchte die "Vampire Academy", "Starcrossed", "Sookie Stackhouse" etc. nicht missen (hell yeah, noch nicht einmal "Twilight"...).   

Was war dein Wochenhighlight?

Ich habe meine Leidenschaft für die Vlogs von Jon Olsson entdeckt. Ich kenne ihn schon länger, vermutlich durch seinen Bruder Hans, der für Schweden im alpinen Skiweltcup gestartet ist. Allerdings war ich etwas irritiert durch seinen High-Societey-Lifestyle und seine It-Girl-Freundin. Kürzlich bin ich über seine täglichen Vlogs gestolpert, habe begonnen diese zu schauen und was kann ich sagen, ich bin süchtig. Er lebt die meiste Zeit in Monaco und Marbella, aber ich liebe besonders seine Aufnahmen aus Norwegen. Die sind sooo schön. Außerdem ist er überhaupt nicht arrogant und abgehoben sondern wirklich witzig und herzlich. Und sein Kameramann Marcus (aus Bergen) ist legendär. Wenn man Glück hat, tauchen sogar die besten Skifahrer EVER in den Videos auf. Blöd ist nur, dass ich mir jetzt eine Drohne zu Weihnachten wünsche... Und ja, hätte man dieses "Internetz" zwanzig Jahre früher erfunden, wäre ich auch als Teenie ein Fan von Jon und nicht von Bibi und Tina ...ähm... Dagi geworden. Im übrigen empfehle ich allen, die mir immer im Urlaub in den Ohren liegen, dass ihr Englisch eingerostet sei, die Vlogs von Jon zu schauen, denn dessen Englisch ist hervorragend und auch super verständlich, da er kein "native speaker" ist und somit auch keinen nuscheligen texanischen Akzent oder ähnliches hat. 

Ich weiß, ich sprenge hier jeden Rahmen, aber es gab ein weiteres Highlight, das ich nicht verschweigen kann: beim Ausmisten meines Schreibtischs bei der Arbeit habe ich eine CD mit einer Datensicherung meines privaten Notebooks aus dem Jahr 2004 gefunden habe. OMG... Ich war von mir selbst beeindruckt. Ich hatte damals echt Ahnung von Photoshop. Zu schade, dass ich da nicht drangeblieben bin. Außerdem habe ich den legendären "Nussear & Forsyth"-Thread von "Figure Skating Universe" ausgegraben. Ich weiß, damit werden die meisten meiner Leser nichts anfangen können, aber das war der "most epic" Thread auf einem Message Board EVER.

Der legendäre "Nussear & Forsyth"-Thread auf Figure Skating Universe ,

So gut war ich mal in Photoshop. Das Copyright für die Fotos gehört  http://www.scratchspin.com.

Blogrückblick

Auf dem Blog gab es diese Woche zwei Rezensionen aus Genres, die in diesem Jahr bislang eher zu den selten gelesenen gehört haben: ein historischer Liebesroman und ein Sachbuch.

Freitag, 25. November 2016

|Leseliebe| "Literaturbloggerbuch" von Mara Giese

Das Literaturbloggerbuch von Mara Giese

"Literaturbloggerbuch"

Mara Giese
Sachbuch
Deutsch
Kindle
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Das "Literaturbloggerbuch" habe ich mir spontan heruntergeladen. Durch eine Blogverlinkung bin ich auf dem Blog Buzzaldrins der Autorin des Buches, Mara Giese, gelandet und habe dort gesehen, dass sie vor kurzem dieses E-Book veröffentlicht hat. Da ich sehr gerne über Hintergrundwissen zum Thema Bloggen lese, hat mich ein Buch speziell zum Thema "Bloggen über Bücher" direkt angesprochen. Für 4,99 Euro ist es ein echtes Schnäppchen, das jedoch ausschließlich als E-Book erhältlich ist. 

Mara Giese erläutert in 10 Kapiteln plus Vorwort und verschiedenen Anhängen die Grundlagen des Bloggens zum Thema Bücher. Die Aufteilung und Anordnung der einzelnen Kapitel ist logisch und strukturiert. So wird am Anfang erläutert, wie man mit dem Bloggen beginnt und z.B. den richtigen Host für seinen Blog findet. Später geht es darum, wie man Leser hinzugewinnt, den Blog für Suchmaschinen optimiert und die Lust am Bloggen behält etc. Für Themen, die nicht zu Mara Gieses Fachgebiet zählen, hat sie sich befreundete Blogger an Bord geholt, die in kleinen Interviews befragt werden. 

Obwohl es sich um ein Sachbuch handelt, was eine eher trockene Lektüre vermuten lässt, hat es mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, das "Literaturbloggerbuch" zu lesen. Wahrscheinlich ist es einfach so, dass einen Fachliteratur zu einem Hobby mehr in seinen Bann zieht als berufliche. Wobei ich an der Stelle erwähnen möchte, dass es einem der Schreibstil des "Literaturbloggerbuchs" auch einfach macht, durch die Seiten zu fliegen, denn der ist flüssig und gut verständlich. Auch braucht man sich um mögliche Rechtschreibfehler oder seltsame grammatikalische Konstruktionen keine Gedanken zu machen, denn Mara Giese kann schreiben und das Buch hat offensichtlich ein gutes Lektorat durchlaufen. Nach einigen schlechten Erfahrungen mit semi-professionellen E-Books bin ich in der Hinsicht ein gebranntes Kind und recht kritisch.

Ich kann "Das Literaturbloggerbuch" jedem, der überlegt, einen Blog zum Thema Bücher zu erstellen, ans Herz legen, denn es gibt sehr gute Denkanstöße für Dinge, die man sich vorab überlegen sollte, die man aber gerne vergisst. Ich hätte mir gewünscht, ich hätte vor Erstellung meines Blogs die Zeit gehabt, ein solches Buch zu lesen. Da es bei mir aber eine sehr spontane Idee war, die ich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt umsetzen musste (= Beginn meiner USA-Reise), fehlte es mir z.B. an der Zeit, mir in Ruhe einen Namen zu überlegen. Da hätte ich aktuell eine so viel bessere Idee... Auch hätte ich mich mehr mit der Entscheidung, ob ich meinen Blog über Blogger oder Wordpress hosten möchte, intensiver beschäftigt.

Apropos Blogger oder Wordpress, ich finde das "Literaturbloggerbuch" für Blogger, die Wordpress benutzen besser geeignet, als für solche, die Blogger als Host haben. Da Mara Giese selbst Wordpress verwendet, gibt es viele Empfehlungen, die speziell für Wordpress gelten. Als Nutzer von Blogger kann man das weniger gut umsetzen. 

Mir persönlich haben die Informationen zu den Themen Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Gewinnung von Lesern am meisten weitergeholfen.

Von mir gibt es vier Sterne für diese unterhaltsame Fachliteratur.



Montag, 21. November 2016

|Leseliebe| "Winterrosenzeit" von Ricarda Martin


"Winterrosenzeit" 

Ricarda Martin
Roman
Deutsch
Kindle
Das Buch wurde mir von lovelybooks.de für die Teilnahme an einer Leserunde und das Verfassen einer Rezension zur Verfügung gestellt.
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Es fällt mich nicht ganz leicht, "Winterrosenzeit" in ein geeignetes Genre einzuordnen. Ich würde das Buch am ehesten als historischen Liebesroman beschreiben. 

Hans-Peter wächst nach dem Zweiten Weltkrieg in ländlicher Umgebung bei seiner Mutter und seinem Stiefvater auf der Schwäbischen Alb auf. Mittlerweile studiert er in Tübingen Jura, und als er erfährt, dass die von ihm verehrten Beatles in Blackpool ein Konzert geben werden, kratzt er das nötige Kleingeld zusammen und macht sich ohne Ticket aber mit viel Zuversicht im Herzen auf den Weg nach England. 

Kurz vor dem Ziel seiner Reise trifft er auf Ginny und ihre Freunde, die ebenfalls die Beatles live in Blackpool sehen möchten. Ginny und Hans-Peter sind sofort voneinander fasziniert, denn die quirlige und offene Ginny ist so ganz anders als die Mädchen, die Hans-Peter aus Deutschland kennt. Ginny hingegen ist von Hans-Peters ernsthafter und zurückhaltender Art angetan. Die beiden setzen alle Hebel in Bewegung, um auch nach dem Konzert in Kontakt zu bleiben, obwohl ihnen klar ist, dass sie als Paar so kurz nach dem Krieg sowohl in Deutschland als auch in England auf viel Widerstand stoßen werden. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie nicht, welch weitreichende Konsequenzen ihre Verbindung hat und welche Lawine an Ereignissen sie damit lostreten... 

Ich gebe es zu, an manchen Stellen wurde für meinen Geschmack in der "Winterrosenzeit" etwas zu dick aufgetragen (oder um es zu England passend auszudrücken: es war mir ein "touch too much"). Da häufen sich die schicksalshaften Wendungen und Zufälle, und es wird auch vor Waffengewalt nicht zurückgeschreckt. Deshalb hat insbesondere das Setting in England, wonach Ginnys Familie auf einem schlossartigen Anwesen eine Rosenzucht betreibt, bei mir Assoziationen zu Rosamunde Pilcher wachgerufen. 

Trotzdem habe ich mich keine Sekunde gelangweilt und der Roman hat mich mit all seiner Dramatik in seinen Bann gezogen. Das liegt zum einen am mitreißenden und flüssigen Schreibstil von Ricarda Martin, zum anderen am spannenden historischen Hintergrund der Geschichte. Diese ist gut recherchiert und deshalb fühlt man sich als Leser direkt in die deutsche und englische Nachkriegszeit versetzt. Insbesondere der deutsche Teil hat mir sehr gut gefallen, denn da wird sowohl die dörfliche Enge auf der Schwäbischen Alb (Beatles? Brauchen wir nicht, uns reicht Rex Gildo...) als auch die beginnende Aufmüpfigkeit der viel aufgeschlosseneren Tübinger Studenten treffend beschrieben. Mich hat das Buch ein bisschen an die ZDF-Serie "Ku'damm 56" erinnert.

Folglich vergebe ich trotz der kleinen Schwächen im Aufbau der Geschichte 4 Sterne, denn ich habe mich durch "Winterrosenzeit" wunderbar unterhalten gefühlt.



Sonntag, 20. November 2016

|About my week| Mein Wochenrückblick

Ich habe mich entschlossen, diesen Blog ein bisschen persönlicher zu gestalten, weshalb ich mir überlegt habe, einen Wochenrückblick einzuführen. Vor ein paar Wochen habe ich auf Book-Walk  und Stehlblüten einen solchen Rückblick mit dem Namen "Behind the Screens" entdeckt. Da es sich dabei um eine Art Blogparade handelt, werde ich mich probeweise daran beteiligen.


Blütenpracht auf der Terrasse


Wie war Deine Woche?

Meine Woche war gut, wenn auch nicht sonderlich spektakulär. Endlich sind alle Menschen in meiner unmittelbaren Umgebung zurück aus dem Krankenhaus. Ansonsten war ich von Montag bis Freitag bei der Arbeit. Gestern war ich mit Litla Gletta shoppen und einen leckeren Burger aus Süßkartoffeln essen. Wobei shoppen eigentlich eine Übertreibung ist, denn ich habe NICHTS gekauft. Das kommt nicht allzu häufig vor. 

Wärst du gerne mit dem aktuellen Protagonisten befreundet und was zeichnet diesen besonders aus?

Die Frage ist ein bisschen kompliziert, denn ich lese gerade zwei Bücher parallel (eins habe ich "privat" begonnen, dass andere habe ich bei einer Leserunde auf lovelybooks.de gewonnen), allerdings bin ich weder bei "The Raven Boys" von Maggie Stiefvater noch bei "Annähernd Alex" von Jenn Bennett bislang über das Anfangsstadium hinausgekommen, weswegen ich die Frage nur eingeschränkt beantworten kann. Beide Hauptdarstellerinnen sind sympathisch, aber auch ein bisschen neurotisch. Von daher bin ich mir nicht sicher, ob sie mir im Laufe des Buches nicht auf die Nerven fallen werden...


Noch herrscht goldener Herbst.


Was war Dein Wochenhighlight?

Herzlich lachen musste ich am Montag, als ich mit meiner Mutter telefoniert habe. Mein kleiner, großer (auf die Körpergröße bezogen) Bruder hatte am 13.11. Geburtstag. Da er geistig behindert ist, lebt er seit einem guten Jahr in einer Außenwohngruppe. Dort hat er am Montag seinen Geburtstag nachgefeiert. Eine Betreuerin hat sich besonders viel Mühe gemacht und eine Motivtorte gebacken. Allerdings hat in derselben Woche auch eine Mitbewohnerin meines Bruders Geburtstag und die Betreuerin hat die Daten verwechselt. Deshalb hat mein Bruder jetzt zu seinem 35. Geburtstag eine BARBIE-Torte geschenkt bekommen. Mit einem Kleid aus pinkfarbenem Fondant und einem Puppenkopf oben drauf. Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke. Jedoch scheint man meinen Bruder dort schon gut zu kennen, denn eine andere Betreuerin meinte: "Das ist dem T. egal, Hauptsache, der Kuchen schmeckt!" Das denke ich auch, denn mein Bruder ist ziemlich verfressen...

Ein weiteres Highlight war gestern, als dieses Bilder auf Instagram aufgetaucht ist. Eine Freundin und ich spekulieren schon eine ganze Weile, dass da was im Busch ist (wobei uns lange nicht klar war, welcher "Attacking Viking" denn nun der Auserwählte sein wird). Ehrlich gesagt wundert es mich, dass die eidgenössischen Medien noch nicht auf den Zug aufgesprungen sind. 

Ansonsten stimme ich mich so langsam auf die kommende Wintersportsaison ein. Dafür eignet sich das folgende Video ganz hervorragend. Dieser Link geht auch an alle meine Freunde aus dem realen Leben, die sich fragen, was es mit meinem Profilbild bei einer bekannten Messenger-App auf sich hat.

Blogrückblick

Zum Abschluss noch ein kleiner Rückblick auf die Artikel, die ich diese Woche auf dem Blog veröffentlicht habe. 

Zunächst einmal wären da mit "Fall With Me" und "Forever With You" zwei Romane aus dem Bereich New Adult aus der "Wait For You"-Reihe von J. Lynn (einem Pseudonym von Jennifer L. Armentrout). "Forever With You" (die Geschichte von Stephanie und Nick) konnte mich nicht ganz überzeugen. "Fall With Me" (die Geschichte von Roxy & Reece) hingegen liefert gute Unterhaltung und Spannung. 

Eine absolute Lese- bzw. Hörempfehlung gebe ich mit meiner Rezension zu "Bühlerhöhe" von Brigitte Glaser. Selten wurden historische und politische Fakten so perfekt mit einer fiktiven, spannenden Handlung verknüpft. Man erfährt so unglaublich viel über das Nachkriegsdeutschland. Unbedingt lesen (oder hören)!

Samstag, 19. November 2016

|Leseliebe| "Forever With You" von J. Lynn (Jennifer L. Armentrout)

"Forever With You" von J. Lynn

"Forever With You" 

J. Lynn (alias Jennifer L. Armentrout)
Wait For You #6
New Adult
Englisch
Kindle
3,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Ich bin noch immer im J. Lynn-Fieber und habe mir mit "Forever With You" direkt den nächsten Teil der "Wait For You"-Reihe heruntergeladen. In diesem sechsten Band der Reihe geht es um Stephanie und Nick, die beide bereits in den vorangegangenen Bänden in Nebenrollen aufgetaucht sind. Stephanie hatte in den ersten beiden Büchern lockere Affären mit den dortigen Hauptdarstellern Cameron und Jase. Außerdem hat sie in "Be With Me" Theresa sehr geholfen. Nick wirkt in Band 4, als sich die Handlung der "Wait For You"-Reihe in und um die Bar "Mona's" verlagert, zum ersten Mal mit. 

Stephanie zieht aus beruflichen Gründen um und trifft im "Mona's" auf Nick, der dort als Barkeeper arbeitet. Die beiden spüren sofort eine gewisse Anziehung und landen zusammen im Bett. Für beide ist klar, dass es bei einem One Night Stand bleiben soll. Dann schlägt jedoch das Schicksal zu und die beiden werden durch ein völlig unerwartetes Ereignis für die Zukunft aneinander gekettet. Vorsichtig beginnen beide, die sich kaum mit echten Beziehungen auskennen, auszutesten, wie es sich wohl anfühlen würde, ein richtiges Paar zu sein.

An die oben erwähnte schicksalshafte Wendung musste ich mich zunächst gewöhnen, denn damit hatte ich nicht gerechnet, da der Klappentext von "Forever With You" keinen Hinweis darauf gibt, was ich im Nachhinein super finde. Mir hat sehr gut gefallen, dass man zwar von Stephanie schnell weiß, warum sie sich bislang nicht auf eine echte Beziehung eingelassen hat, da die Geschichte aber konsequent aus ihrer Sicht erzählt wird, erfährt man als Leser - genau wie sie selbst - erst im Laufe des Buches, was Nick belastet und so unnahbar erscheinen lässt. Das fand ich einen tollen Ansatz, denn normalerweise weiß man quasi von Anfang an, welches dunkle Schicksal beide Hauptcharaktere bedrückt. Hier hatte ich ein viel authentischeres Gefühl, denn man hat als Leser Nick quasi genauso kennengelernt wie Stephanie ihn kennengelernt hat. Diese ersten 2/3 des Buches waren meiner Meinung nach wirklich gut. 

Im letzten Drittel von "Forever With You" kam es erneut zu einer schicksalshaften Wendung, die mir jedoch überhaupt nicht gefallen hat. Irgendwie war für mich ab diesem Zeitpunkt die Luft raus, und ich habe das Buch eher widerwillig beendet. Ich kann nicht genau sagen warum, es hat mir einfach nicht gefallen. Deshalb auch nur 3,5 und keine 4 Sterne. 

Ich hoffe, diese Rezension ist nicht zu kryptisch geraten, aber ich wollte auf keinen Fall spoilern, weshalb ich die beiden wichtigen Wendungen im Buch nicht näher benannt habe.


"Forever With You" von J. Lynn

Mittwoch, 16. November 2016

|Leseliebe| "Bühlerhöhe" von Brigitte Glaser

"Bühlerhöhe" von Brigitte Glaser

"Bühlerhöhe" 

Brigitte Glaser
Roman
Deutsch
Hörbuch
5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Ich mag historische Romane. Ich mag es in vergangene Zeiten einzutauchen und zu erfahren, wie es den Menschen damals erging. Wahrscheinlich ist deswegen "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann mein liebster Klassiker (vielleicht auch, weil ich ein Referat zu diesem Buch gehalten habe, bei dem ich sogar einen Lacherfolg erzielen konnte, weil ich wohl relativ lapidar von mir gegeben habe, dass Thomas Buddenbrook nach einem Zahnarztbesuch auf offener Straße verblutet ist). Oder wenn ich an die Bücher zurückdenke, die ich vor ca. 15 Jahren gelesen und favorisiert habe, dann fällt mir sofort "Unter dem Zwillingsstern" von Tanja Kinkel ein. An der Stelle sei erwähnt, dass ich mit diesen äußerst beliebten Mittelalter-Schinken à la "Die Wanderhure" nichts anfangen kann. 

Berücksichtigt man all dies, überrascht es nicht, dass mich der Klappentext von "Bühlerhöhe" direkt angesprochen hat, denn das Buch beschäftigt sich mit der Zeit des Wirtschaftswunders. Der Leser begleitet verschiedene Personen aus allen Schichten rund um einen Besuch von Bundeskanzler Adenauer im Schwarzwälder Nobelhotel "Bühlerhöhe". Als ich ein recht günstiges Angebot für das Hörbuch entdeckt habe, konnte ich nicht widerstehen, denn ich bin immer auf der Suche nach neuen Hörbüchern für die Stunden, die ich im Auto zubringe. Ich war ein bisschen skeptisch, da das Buch von einer Frau gelesen wird, und ich generell männliche Sprecher bei Hörbüchern bevorzuge, aber von Anne Moll war ich positiv überrascht, denn sie hat eine angenehme, niemals schrille Stimme. Es gelingt ihr auch gut, die verschiedenen Dialekte (wie etwa das Schwarzwäldlerische der einfachen Zimmermädchen) oder Akzente (wie z.B. den französischen Einschlag eines der Protagonisten) nachzuahmen. 

Kanzler Adenauer möchte ein paar erholsame Tage auf der "Bühlerhöhe" im idyllischen Schwarzwald verbringen. Seine Ruhe droht jedoch gestört zu werden, denn es gibt Hinweise auf einen geplanten Anschlag, die den israelischen Geheimdienst aufschrecken. Israel baut auf den Kanzler, da er das Entschädigungsgesetz für die jüdischen Opfer des NS-Regimes durch den Bundestag peitschen muss. Dieses Geld wird von Israel dringend benötigt, um den Aufbau eines eigenen Staats vorantreiben zu können. Aus diesem Grund schickt der Geheimdienst die deutsche Jüdin Rosa Silbermann, die einst aus Deutschland in ein israelisches Kibbuz geflohen ist. Eigentlich soll sie gemeinsam mit Ari, einem ihr bislang unbekannten Mitarbeiter des israelischen Geheimdiensts, als Ehepaar auf der "Bühlerhöhe" einchecken und den Kanzler beschützen, da dessen eigener Sicherheitschef die Gefahrenlage als harmlos einschätzt. Als Ari nicht wie vereinbart auftaucht, ist sie auf sich alleine gestellt. Die Suche nach einem potentiellen Attentäter gestaltet sich schwierig, denn im Dunstkreis des Kanzlers quartieren sich einige undurchsichtige Waffenlobbyisten und Waffenschieber in dem verträumten Schwarzwaldörtchen ein, um die geplante Wiederbewaffnung der Bundeswehr voranzutreiben. Außerdem hat Rosa in der misstrauischen und äußerst neugierigen Hausdame Sophie Reisacher aus dem Elsass eine unerwartete Gegenspielerin, die ihr versucht, das Leben schwer zu machen. 

Es ist mir nicht leicht gefallen, eine passende Zusammenfassung für den Inhalt von "Bühlerhöhe" zu finden, denn dieser Roman ist sehr komplex aufgebaut und präsentiert dem Leser eine Fülle an Charakteren, die schon alleine deshalb für die Geschichte benötigt werden, um die Suche nach einem möglichen Attentäter spannend zu gestalten. Trotzdem sind diese verschiedenen Personen nie nur Mittel zum Zweck. Dafür sind sie viel zu vielschichtig und authentisch aufgebaut. Mir fällt keine noch so kleine Nebenrolle ein, die mich gelangweilt hätte. Besonders gut hat mir gefallen, dass Brigitte Glaser es schafft, so viele beeindruckende Frauenpersönlichkeiten in ihr Buch einzubauen und so den Fokus von den Männern wegzulenken, die die damals stark patriarchalisch geprägte Bundesrepublik vordergründig dominiert haben. Aus der Sicht von Rosa erfährt man z.B., wie hart es gewesen sein muss, als Opfer des NS-Regimes bereits wenige Jahre nach Kriegsende zu sehen, dass es in manchen Ecken von Deutschland aussah, als sei nie etwas geschehen. Rosa ist sowieso eine sympathische Hauptdarstellerin, mit der man ab der ersten Minute mitfiebert. Ganz anders gestaltet es sich mit der intriganten Hausdame Sophie, die sich meist so verhält, dass man sie nicht zum Freund (aber schon gar nicht zum Feind) haben möchte. Trotzdem ist sie kein eindimensional schlechter Charakter, sondern es gibt Momente, in denen man durchaus Verständnis für sie aufbringt. Sie würde sich als Biest à la Joan Collins in jede Soap wunderbar einfügen. Eine weitere wichtige Rolle spielt die verhuschte Agnes, eine Einheimische, die im nahegelegenen Hotel "Hundseck" an der Rezeption arbeitet und unter den französischen Besatzern Schlimmes erleben musste. Sie ist das Gegenstück zu den beiden eher weltgewandten Damen Rosa und Sophie, denn sie ist nie aus dem Schwarzwald herausgekommen und hat die damals übliche Gottesfürchtigkeit tief verinnerlicht. 

Mich hat die Mischung aus historischem Thriller und Kriminalfall nicht nur aufgrund des Spannungsmoments begeistert. Und spannend war es wirklich, denn als ich an einer besonders gruseligen Stelle alleine mit dem Auto durch ein Waldstück gefahren bin, habe ich kurzzeitig ernsthaft in Erwägung gezogen, auf das Radio umzusteigen. Begeistert bin ich vor allem, da mich das Buch in so vielen Bereichen zum Nachdenken angeregt hat. So mag man z.B. auch heute genügend Punkte finden, in denen die Gleichberechtigung lange nicht am Ziel angelangt ist, aber wenn man vergleicht, wie die Verhältnisse kurz nach dem zweiten Weltkrieg waren, dann erkennt man auch, wie viel sich trotzdem getan hat. Ein Mädchen wie Agnes z.B. hatte keinerlei Freiheit bei ihrer Berufswahl. Obwohl erwähnt wird, dass sie großes Talent im Umgang mit Zahlen hat, steht ihr nie im Leben der Weg zum Abitur offen, und sie muss einfach den Job ergreifen, der ihr in ihrer ländlichen Umgebung angeboten wird. Völlig egal, welche Träume, Begabungen oder Wünsche sie hat. Selbst die in einer höheren Position tätige Sophie hat nur ein großes Ziel in ihrem Leben: noch einmal zu heiraten. 

"Bühlerhöhe" hat mir auch bewusst gemacht, wie schnell die Bundesrepublik nach 1945 wieder aufgestiegen ist. Der Aufschwung kam wirklich in Rekordzeit. Ich kann mir vorstellen, dass das für Menschen wie Rosa, die unter dem NS-Regime gelitten haben, nicht leicht zu akzeptieren war. 

Daneben liefert das Buch einen sehr interessanten Blick auf die Geschichte Israels. Mir war vorher bewusst, dass Israel nach dem Zweiten Weltkriegs quasi aus dem Nichts aus dem Boden gestampft wurde und auch vom Sechstagekrieg hatte ich im Geschichtsunterricht gehört, aber wie genau dieses "in der Wüste umgeben von Feindesland einen Staat erschaffen" ausgesehen hat, war mir nicht klar. Auch hier bekommt man durch das Buch wertvolle Einblicke. Und auch ein kleines bisschen mehr Verständnis dafür, warum sich Israel heute auf bestimmte Art und Weise verhält... 

Die Geschichte des tatsächlich existierenden Hotels "Bühlerhöhe" (das sich aktuell im Leerstand befindet) hat mich ebenfalls fasziniert. Aus dessen echter Geschichte allein, ließe sich ein Roman schreiben... Wer ein bisschen Zeit übrig hat, sollte denn Namen in eine Suchmaschine eingeben. 

Von mir alle Daumen nach oben für dieses großartige Buch. Für mich ein Lesehighlight 2016.



Montag, 14. November 2016

|Leseliebe| "Fall With Me" von J. Lynn

"Fall With Me" von J. Lynn

"Fall With Me" 

J. Lynn
Wait For You #5
New Adult
Englisch
Kindle
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Die "Wait For You"-Reihe habe ich in meinem Urlaub auf Fuerteventura begonnen. Dort habe ich "Be With Me" (Band 2, den ich großartig fand) und "Trust in Me" (Band 3, den ich nicht so mochte, da ich mit Avery & Cam als Paar nicht richtig warm geworden bin) verschlungen. "Wait For You" (Band 1) habe ich mir gespart, da dieselbe Geschichte wie in Band 3 erzählt wird - nur aus einer anderen Perspektive. "Stay With Me" (Band 4) habe ich ebenfalls übersprungen, da mich die beiden Hauptcharaktere nicht ansprechen. Folglich bin ich nun bei Band 5 gelandet. 

In dieser Geschichte geht es um Roxy & Reece. Die beiden kennen sich schon seit Kindertagen und Roxy, aus deren Sichtweise das Buch geschrieben ist, war bereits als Teenager in den ein paar Jahre älteren Reece verliebt, der ihr jedoch nicht die gewünschte Beachtung geschenkt hat. Während Roxy den High-School-Abschluss gemacht und als Barkeeperin zu arbeiten begonnen hat, war Reece als Soldat im Kampfeinsatz. Nach seiner Rückkehr begann er in ihrem Heimatort als Cop zu arbeiten und die beiden liefen sich wieder regelmäßig über den Weg. Seit einer vor einem knappen Jahr gemeinsam verbrachten Nacht herrscht jedoch Funkstille zwischen den beiden, denn Reece hat Roxy mit dem Gefühl zurückgelassen, dass er diese Nacht bereut. Doch nicht nur diese Beziehungsgeschichte belastet die beiden. Reece leidet unter seinen Erlebnissen im Krieg und daran, dass er als Cop einen Jugendlichen erschießen musste, während Roxy nicht darüber hinweg kommt, dass ihr bester Highschool-Freund, seit dem er per Steinwurf attackiert wurde, in einem Pflegeheim vor sich hin vegetiert. 

Auf der einen Seite mag man sagen: typisch "New Adult", immer diese verkorksten Hauptcharaktere mit diversen Geistern der Vergangenheit, die sie verfolgen. Andererseits muss man neidlos anerkennen: J. Lynn (bzw. Jennifer L. Armentrout, denn hinter beiden Namen verbirgt sich dieselbe Autorin) hat es einfach drauf. Zwar kommt auch sie an den schlimmen Schicksalen nicht vorbei, jedoch übertreibt sie es nur selten, und die Charakterentwicklung bleibt für den Leser nachvollziehbar. In "Fall With Me" fand ich lediglich das Drama, das Roxy & Reece um die oben erwähnte erste Nacht machen, etwas unverhältnismäßig. 

Vorsichtig sollte man mit dem Klappentext umgehen, denn der ist missverständlich und lässt einen im Glauben zurück, dass Roxy und Reece sich erst annähern, als Reece Roxy in seiner Funktion als Cop beschützen muss. Das ist nicht richtig, denn die beiden kommen sich bereits vorher näher und sind auf dem besten Weg ein Paar zu werden, als sie aufgrund eines Streites wieder etwas auseinander driften. Erst an der Stelle - und da ist bereits mindestens 1/4, eher 1/3 des Buches vorbei - nimmt die kriminelle Nebenhandlung Fahrt auf und Reece muss sich auch beruflich um Roxy kümmern. Das fand ich ein bisschen schade, denn das "sie kennen und hassen sich schon lange, müssen nun aber kriminalistisch zusammenarbeiten"-Szenario gehört seit Julie James zu meinen Favoriten. 

Besagte kriminelle Nebenhandlung ist kein mega spannender, super durchdachter Grusel-Thriller, ich fand es trotzdem spannend und habe mit Roxy gelitten. Auch haben mir Roxy & Reece als Paar gut gefallen, vor allem weil sie sich auf Augenhöhe begegnet sind, und er nicht einfach nur der rettende Ritter auf dem hohen Ross war (also das, was man im Englischen so wunderbar als "knight in shining armour" bezeichnet). Schön war, dass die Charaktere aus den Vorgängerbänden kleine Gastauftritte hatten. Theresa & Jase sind hier noch immer meine absoluten Lieblinge. 

Für mich ein wirklich gelungener Vertreter aus dem Bereich "New Adult", der mich dazu bewogen hat, im Anschluss direkt "Forever With You" herunterzuladen. Deswegen liebe ich E-Books, man muss nicht erst in einen Buchladen gehen und womöglich auch noch bestellen. Stattdessen hat man sofortigen Zugriff.


"Fall With Me" von J. Lynn

Sonntag, 13. November 2016

|Leseliebe| "Frigid" von J. Lynn


"Frigid" von J. Lynn

"Frigid" 

J. Lynn
New Adult
Englisch
Kindle
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Nach meinen eher unerfreulichen letzten beiden Leseerlebnissen war ich zugegebenermaßen etwas demotiviert, als es darum ging, ein neues Buch auszusuchen. Ich wusste nicht so recht, für was ich mich entscheiden sollte und habe mich recht ziellos durch verschiedene Angebote für meinen E-Reader geklickt. Irgendwann habe ich mich an die Autorin J. Lynn erinnert (das Pseudonym der renommierten "Young Adult"-Autorin Jennifer L. Armentrout), von der ich im Urlaub auf Fuerteventura einige mitreißende Bücher gelesen hatte. Damals bin ich bereits über "Frigid" gestolpert, habe mich aber gegen den Download entschieden, vermutlich da am Strand über einen Schneesturm zu lesen doch etwas seltsam angemutet hätte. 

Sydney und Kyler sind schon seit dem Sandkasten beste Freunde, frei nach dem Motto "Gegensätze ziehen sich an": auf der einen Seite Sydney, die pflichtbewusste Studentin, die seit dem unschönen Ende ihrer Highschool-Liebe keine Beziehung oder Affäre mehr gehabt hat. Auf der anderen Seite Kyler, der keine Party auslässt und einen unglaublichen Schlag bei den Frauen hat, weshalb er ständig wechselnde Mädels abschleppt. Ein Szenario, das Sydney jedes Mal einen Stich ins Herz versetzt, denn sie ist seit langem heimlich in ihren besten Freund verliebt, verliert aber langsam die Hoffnung, dass er jemals etwas anderes als seine beste, platonische Freundin in ihr sehen könnte. Kyler auf der anderen Seite würde es nie wagen, Sydney in die Schlange seiner ständig wechselnden Bekanntschaften einzureihen, denn er glaubt zu wissen, dass er nie gut genug für sie sein wird. All diese unter der Oberfläche brodelnden Gefühle kommen bei einem Kurztrip an die Oberfläche. Eigentlich war eine unbeschwerte Woche mit Collegefreunden geplant, aber wegen der widrigen Wetterbedingungen kommen nur Sydney und Kyler in der exklusiven Skihütte von Kylers Mutter an. Dort kämpfen die beiden nicht nur mit ihren Gefühlen für einander und gegen den Schneesturm, sondern bald auch mit einem unbekannten Gegner, der den beiden nach dem Leben zu trachten scheint. 

Wer mich kennt, weiß, dass ich per se alles liebe, was mit Schnee und den Bergen zu tun hat. Deshalb bin ich, was Bücher und sonstige Geschichten betrifft, schon seit langem ein großer Fan des "Eingeschneit in einer Hütte"-Szenarios. Finde ich besser als "im Aufzug stecken geblieben". Außerdem gibt es da eine Idee, die die Stichworte "Kamin", "Bärenfell" und "einen Norweger" umfasst, die ich Freunden gegenüber immer wieder gerne anbringe. Beste Voraussetzungen also, dass "Frigid" ein Lesevergnügen werden könnte. Und genauso war es. 

Ich mag den Schreibstil von J. Lynn, der vor allem bei Unterhaltungen zwischen den Hauptdarstellern für Witz und Tempo sorgt. Da verzeihe ich ihr sogar, dass sie im Laufe des Buches zwischen Syndeys und Kylers Sicht der Dinge hin und her springt. Daneben erfüllen Syndey und Kyler genau die Wünsche, die ich an ein potentielles Traumpaar in Büchern habe: sie haben die nötige Chemie, sind auf Augenhöhe und obwohl Sydney gewisse Unsicherheiten an den Tag legt, kommt sie nie wie ein verschrecktes Reh daher. Kyler verkörpert natürlich die typische, männliche "New Adult"-Hauptrolle, also wahnsinnig gut aussehend, wahnsinnig durchtrainiert, wahnsinnig gut gebaut (überall...). Trotzdem habe ich mich kein Sekunde gelangweilt, denn es war spannend zu verfolgen, wie Syndey und Kyler endlich beginnen, sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Daneben gibt es die an einen Thriller erinnernde Nebenhandlung, in der die beiden gegen einen Widersacher kämpfen, der sie um jeden Preis in Angst und Schrecken versetzen möchte. Wem in der Vorweihnachtszeit der Sinn nicht nur nach märchenhaften Liebesgeschichten steht, dem lege ich "Frigid", das auch auf Deutsch erschienen ist, ans Herz. Und ich gehe jetzt mal gucken, wo ich am liebsten mit dem Aksel eingeschneit werden würde. Das Lammfell von IKEA liegt bereit...


"Frigid" von J. Lynn


Dienstag, 8. November 2016

|Leseliebe| Mein (nicht wirklich vorhandener) SUB (=Stapel ungelesener Bücher)

Seit ich hier selbst über Bücher schreibe, beschäftige ich mich auch mit den Bücherblogs von anderen Bloggern und dabei fallen mir immer wieder Posts und Challenges zum Thema "Stapel ungelesener Bücher" (SUB) auf. Es gibt tatsächlich Leser, die Bücher in dreistelliger Zahl daheim liegen haben, die sie irgendwann lesen möchten. An dieser Stelle geht es mir keinesfalls darum, jemanden zu verurteilen, weil er einen hohen SUB angesammelt hat. Jeder so, wie er möchte, mich selbst würde es jedoch wahnsinnig machen, wenn ich wüsste, dass ich so viele ungelesene Bücher in der Hinterhand habe. Ich weiß auch nicht warum, wahrscheinlich ist es mein super durchorganisiertes "Ich", das mit so etwas nicht umgehen kann. (An der Stelle sei mein Ex-Kollege erwähnt, der mich einmal als "der organisierteste Mensch, den er kennt" bezeichnet hat). So ein SUB würde mich echt nervös machen.

Trotzdem habe ich mir überlegt, woran es liegt, dass bei mir nie die Gefahr bestand, dass ich einen SUB aufbaue. Die Antwort ist simpel: ich habe einfach noch nie mehr Bücher angeschafft, als ich innerhalb der nächsten ein, zwei Monate lesen könnte. Natürlich gehe ich manchmal in einen Buchladen und kaufe mehr als ein Buch oder gebe online eine größere Bestellung auf, aber nie so viel, als dass ich den Stapel nicht innerhalb weniger Wochen abbauen könnte. 

Wie genau sieht nun mein Stapel aus? Dazu muss ich als erstes anmerken, dass es eigentlich zwei Stapel sind. Ein Bücherturm, der auf meinem Nachttisch neben meinem Bett steht. Und eine "digitale" Ansammlung, die sich auf meinem E-Book-Reader befindet.




Die "echten" Bücher setzen sich wie folgt zusammen (von oben nach unten): eine Biografie, die ich mir erste vor kurzem gekauft habe. Zwei Jugendbücher, die ich von einer Freundin geliehen bekommen habe, die mich aktuell von der Thematik her nicht ganz so reizen. Ein norwegisches Buch, das ich aufgrund des positiven Effekts auf meine norwegischen Sprachkenntnisse gerne lesen würde, über das ich aber schon ein paar negative Dinge gehört habe, weshalb ich mich bislang nicht zum Lesen durchringen konnte. Ein älterer Reiseführer über Norwegen und Island, den ich mir bei Gelegenheit ansehen werde. Ein autobiographischer Roman von Ulla Hahn, der schon ewig auf meinem SUB liegt. Den ersten Teil "Das verborgene Wort" habe ich vor vielen Jahren gelesen, aber zum zweiten Teil konnte ich mich bislang nicht durchringen, was vor allem daran liegt, dass ich bereits weiß, dass es das Schicksal nicht immer gut mit der Hauptperson meinen wird.




Die ersten beiden Titel auf meinem E-Reader (von links nach rechts und von oben nach unten) habe ich zwischenzeitlich "abgearbeitet". "Of Triton" ist Teil einer Reihe und dümpelt schon lange auf meinem E-Reader herum. Den ersten Teil habe ich vor langer Zeit gelesen und mir gleich die beiden Folgebände heruntergeladen - die ich noch immer nicht gelesen habe. "Bella Germania" war als Urlaubslektüre geplant, da habe ich mich aber kurzfristig umentschieden. Von "My Salinger Year" habe ich bereits 1/4 oder so gelesen. Dann habe ich die Lust verloren. Ich denke, ich werde es trotzdem irgendwann beenden.

Und das war's an ungelesenen Büchern! Ich habe noch nie ungelesene Bücher in mein Bücherregal gestellt. Da kommen nur beendete Bücher rein. Bei mir besteht also nicht die Gefahr, dass ich ein "Angeber-Bücherregal" (darüber habe ich erst heute einen Online-Artikel gelesen; das bedeutet, dass man ungelesene Bücher in seinem Bücherregal stehen hat, die denn Anschein erwecken, dass man z.B. viele Klassiker gelesen hat) zusammensammle. Auch auf dem E-Reader kann ich ganz einfach trennen, denn so bald ich ein E-Book beendet habe, wandert es in einen Ordner zum entsprechenden Genre. Somit sind auf der obersten Ebene nur ungelesene Bücher zu sehen.

Anhand dieses Posts wollte ich zeigen, dass es auch Buch-Blogger mit einem mini-kleinen SUB gibt. Falls da draußen außer mir noch andere sind, bitte melden...


Sonntag, 6. November 2016

|Leseliebe| "Küss mich bei Tiffany" von Eva Völler

"Küss mich bei Tiffany" 

Eva Völler
Kiss & Crime #2
Young Adult
Deutsch
Kindle
2,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Oh, ich hatte mich so auf dieses Buch gefreut, denn "Zeugenkussprogramm", der erste Teil dieser Serie, gehörte im letzten Jahr zu meinen Favoriten. Das Buch war witzig, unterhaltsam und die beiden Haupcharaktere Emily und Pascal passten wunderbar zusammen. Außerdem empfand ich die Mischung aus Jugendbuch und Krimi als etwas Besonderes. Es ist also keine Übertreibung, wenn ich schreibe, dass dieses Buch zu den Neuerscheinungen 2016 gehört hat, auf die ich am meisten hin gefiebert habe. Vielleicht hätte ich gewarnt sein müssen, als ich das Buch auf meinen E-Book-Reader geladen und dabei gesehen habe, dass es nur relativ magere 3,5 Sterne als Bewertung hatte. Nun ja, es waren zu dem Zeitpunkt nur sehr wenige Bewertungen online, so dass ich den Durchschnittswert auf eine einzelne grottige Bewertung schob, die sich vielleicht getäuscht hatte. Und so sehr kann ein Nachfolgeband im Vergleich zum Vorgänger doch gar nicht abfallen, oder? Nun ja... 

Eins vorneweg, die Stammbesetzung des zweiten Teils ist identisch mit der des ersten Bands: Emily, die das Abitur in der Tasche hat, ihr Freund Pascal, der noch immer beim "Zeugenschutzprogramm" arbeitet, Emilys Omi, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters als Autorin von Schundromanen schwer beschäftigt ist, und Sarah, die attraktive Kollegin von Pascal. Diese vier fliegen gemeinsam nach New York, wo Sarah und Pascal ein Seminar zur Verbrechensbekämpfung besuchen werden, während Emily und ihre Omi sich als Touristen in das pulsierende Leben in New York stürzen möchten. 

Man sollte also meinen, bei diesen Voraussetzungen kann man nicht viel falsch machen. Aber weit gefehlt. Man füge einfach eine Reihe nerviger neuer Charaktere hinzu und überlege sich einen hanebüchenen Plot, der die Mafia, einen Filmproduzenten, ein Ex-P*ornosternchen und einen geschenkten Aufenthalt in einem Luxushotel sowie diverse vertauschte Taschen beinhaltet und schon ist die Buchkatastrophe perfekt. 

Ich würde das Buch als überzeichnete Krimi-Komödie beschreiben, die mich häufig an diese Theater-Boulevard-Komödien aus den 70er Jahren erinnert hat. Kennt die noch jemand?! Die wurden früher im TV übertragen und u.a. kam es regelmäßig zu Szenen, bei denen ein potentielles Liebespaar durch Klingeln oder Anklopfen an der Tür an einer Annäherung gehindert wurde. Genauso war es auch hier, denn jedes Mal, wenn Pascal Emily auf das King-Size-Bett zerren wollte, klingelte es an der Tür ihrer Hotelsuite, und die Zweisamkeit war Geschichte. Ich hatte an diesen Stellen immer Didi Hallervordens "Palimpalim" im Ohr... 

Außerdem fand ich den paranoiden angeblichen Drehbuchautor Dickie, dem Emily und Pascal das King-Size-Bett und auch die Verwicklung in eine Mafiageschichte zu verdanken haben, einfach nur nervig. Das gilt auch für die Auszüge aus seinen Drehbüchern, die manche Kapitel ergänzt haben. Ein zentraler Punkt der Geschichte ist die Verwechslung diverser Notebooktaschen, die mich wiederum an einen Film aus den 70er Jahren erinnert hat, der am Wörther See spielt und in dem mehrere Personen auf der Jagd nach einem Kissen, in dem Wertgegenstände versteckt sind, rund um den See rasen. Ist eine dieser typischen, seichten deutschsprachigen Komödien dieser Zeit, in der üblicherweise an den unpassendsten Stellen gesungen wird. Das muss man dem Buch jedoch zu Gute halten: gesungen wird nicht... Dafür ist die Verwechslungssache so vorhersehbar, dass ich bereits Mitte des Buches wusste, was wirklich dahinter steckt.

Trotzdem ist nicht alles schlecht, denn der Schreibstil von Eva Völler ist noch immer genauso angenehm locker und flüssig wie im ersten Teil. Außerdem war New York als Spielort der Geschichte für mich eine schöne Gelegenheit, um noch einmal gedanklich in diese aufregende Stadt zu reisen. "Top of the Rock", Central Station, "Saks" (der "Breuni" von New York), Ground Zero und Staten Island - das alles kenne ich von meinem eigenen Aufenthalt in New York im Mai 2015. Und die schriftstellernde Omi finde ich als Charakter noch immer genauso grandios wie im ersten Teil, wohingegen Emily und Pascal als Paar leider ein bisschen an Charme verloren haben. Vor allem da es für die gerade volljährig gewordene Emiliy nichts wichtigeres zu geben scheint als eine baldige Heirat. 

Zusammenfassend kann ich es leider nicht anders sagen: für mich eine der größten Enttäuschungen des Lesejahres 2016.

Mittwoch, 2. November 2016

|Leseliebe| "The Trouble with Mistletoe" von Jill Shalvis

"The Trouble with Mistletoe" 

Jill Shalvis
Heartbreaker Bay #2
Chick Lit
Englisch
Kindle
3 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Wer meine Rezensionen der letzten Monate anschaut, wird feststellen, dass ich schon länger nichts mehr aus dem Genre "Chick Lit" (also leichte Frauenliteratur) oder auf Englisch gelesen habe. Das lag zum einen daran, dass ich seit Mitte September einige Krimis verschlungen habe, zum anderen war ich in den vergangenen beiden Monaten insgesamt sehr breit aufgestellt und habe z.B. Biografien oder ein Sachbuch gelesen. Nach dem neuen "Klufti" hatte ich an diesem langen Allerheiligen-Wochenende Lust auf eine Romanze und habe mir den neuesten Roman von Jill Shalvis auf meinen E-Book-Reader geladen. Jill Shalvis ist eine typische, amerikanische "Chick Lit"-Autorin, die nicht ins Deutsche übersetzt wird. Ich mag ihren Schreibstil, der vor allem bei Dialogen à la "Screwball Comedy" super zur Geltung kommt, und auch einige ihrer Charaktere oder die Settings ihrer Geschichten (ein amerikanischer Wintersportort mit ehemaligen Skiweltcup-Fahrern? Ganz meins!) konnten mich überzeugen. 

Ihr neues Werk "The Trouble with Mistletoe" ist Teil 2 einer Serie namens "Heartbreaker Bay". Teil 1 dieser Reihe habe ich im Sommer gelesen und mit 4 Sternen bewertet. Der Ort des Geschehens ist dieses Mal ein Apartment-Komplex in San Francisco, den ich ganz nett aber nicht so überzeugend wie den oben genannten Skiort finde. Außerdem geht es um eine enge Clique von "Twenty-Somethings" (an der Stelle sei erwähnt, dass ich Anglizismen mag, denn sie drücken häufig so viel besser und vor allem kürzer aus, was gemeint ist, als es die deutsche Sprache vermag. Oder findet jemand "eine Gruppe von Menschen in den Zwanzigern" besser?!), die in diesem Apartment-Komplex lebt und sich immer wieder gegenseitig aus der Patsche hilft. So ein bisschen "Stars Hollow" von "Gilmore Girls" trifft auf "Friends". 

Im aktuellen Buch spielen Willa, die zur oben genannten Clique gehört und einen "Pet Shop" (also ein Mischung aus Hundesalon, Laden für Tierbedarf und Kleintierpension) betreibt, und Bauunternehmer Keane die Hauptrolle. Die beiden treffen aufeinander, als Keane verzweifelt einen Babysitter für die höllische Katze seiner erkrankten Tante sucht. Er ahnt nicht, dass er eine gemeinsame Vergangenheit mit Willa hat. Sie hingegen erinnert sich umso besser an ein negatives Erlebnis mit Keane zu Highschool-Zeiten und setzt deshalb alles daran, dem wahnsinnig attraktiven Kerl nicht erneut auf den Leim zu gehen. Dabei übersieht sie zu Beginn, dass er - obwohl er im Vergleich zu ihr in gutsituierten Verhältnissen aufgewachsen ist - ähnlich viele Wunden der Vergangenheit mit sich herumträgt. 

Am Anfang fand ich das Buch gar nicht schlecht. Die zwei gehören zwar nicht zu meinen absoluten Buch-Traumpaaren, denn dazu ist Willa als Charakter zu niedlich und süß geraten. So in Richtung der Welpen, die sie in ihrem Laden betreut. Trotzdem mochte ich die Phase ihrer Annäherung - wie in den meisten Büchern dieses Genres. Blöderweise sind Willa & Keane in "The Trouble with Mistletoe" relativ schnell zusammengekommen (so im 1/5 des Buches). Im Anschluss fiel die Spannungskurve wie befürchtet für mich deutlich ab, denn ich wusste einfach genau, wie es weitergehen würde:

  • Ups, wir haben eine Nacht zusammen verbracht... 
  • Aber ich und auch mein Gegenpart sind doch beziehungsunfähig... 
  • Andererseits, die Nacht war einfach großartig!
  • So ein Feuerwerk habe ich wirklich noch nie erlebt!
  • Also lass' es uns als "Freunde mit gewissen Vorzügen" (= "Friends with benefits") versuchen... 
  • Überraschung, das funktioniert nicht, denn ich beginne mich zu verlieben... 
  • Panik! Renn' so schnell du kannst! 
  • Mist, jetzt fühle ich mich noch schlechter. 
  • BAM! Die große Versöhnung. 
  • Epilog: lass' uns heiraten. (Und wenn es ganz schlimm kitschig kommt: das erste Baby ist auch schon da). 

Mich nervt diese Phase des "hin und her" nur noch. Ja, ich weiß, die einfache Lösung wäre es, keine Bücher dieses Genre mehr zu lesen. Manchmal habe ich aber Lust auf ein bisschen Romanze und gehe das Risiko ein, wieder an ein nach Schema F aufgebautes Buch zu geraten. Auch wenn ich die von mir gelesenen Autorinnen sorgfältig auswähle, ist man davor nie gefeit. Manchmal würde ich am liebsten selbst zur Feder greifen und ein eignes Buch dieses Genres verfassen. Den Titel "Wilde Kaisernächte" finde ich persönlich noch immer grandios... 

Was mich beim Lesen des vorliegenden Buches außerdem gestört hat: dass die Clique und die Umgebung, in der das ganze spielt, eine Spur zu märchenhaft geraten sind. Klar, ich erwarte bei einem solchen Roman keine knallharten Realitätsschilderungen, aber ein bisschen weniger Zuckerguss - auch wenn das Buch zur Weihnachtszeit spielt - hätte nicht geschadet. 

So seltsam es klingen mag, vermutlich werde ich dem im Februar 2017 erscheinenden nächsten Band der Reihe trotzdem eine Chance geben, was aber allein an den beiden Charakteren liegt, die die Hauptrolle spielen werden und die man bereits aus den Vorgängergeschichten kennt: Elle & Archer. Die beiden sind einfach zu gut in dem Spiel aus Anziehung und Ablehnung, so dass ihre Geschichte ein gewisses Potential verspricht - das hoffentlich nicht verschenkt wird.