Donnerstag, 20. April 2017

|Stefka reads| Vorfreude ist die schönste Freude - Neuerscheinungen (April 2017)

Eigentlich bin ich niemand, der sich in Verlagsprogramme vertieft und lange Listen mit Wunschbüchern schreibt. Ich bin da eher spontan und lasse mich von verschiedenen Quellen inspirieren (Besuche in Buchhandlungen, andere Blogger etc.). Trotzdem gibt es bestimmte Autoren oder Reihen, bei denen ich die Neuerscheinungstermine auf dem Schirm habe. Genau über diese Bücher, auf die ich mich schon Monate im voraus freue, möchte ich heute schreiben.


Julie James


"The Thing About Love" von Julie James | Erscheinungsdatum 18.04.2017

Es ist kein Geheimnis, dass ich großer Fan der Bücher von Julie James bin. Jedoch darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, dass mich die letzten Bücher der Autorin eher enttäuscht haben. Sie schreibt immer nach dem gleichen Schema. Dieses Schema beherrscht sie zwar so virtuos wie keine andere, aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass sie ihre Komfortzone verlässt und den Lesern etwas neues präsentiert. 

"The Thing About Love" bewegt sich zwar ebenfalls in Julie James' bewährtem Kosmos, denn es treffen zwei FBI-Agenten mit gemeinsamer Vergangenheit aufeinander, jedoch verspricht das Setting in einem romantischen Strandressort, in dem die beiden verdeckt ermitteln müssen, eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack. 

"Schwarzwasser" von Andreas Föhr | Erscheinungsdatum 01.06.2017

Ich mag gut gemachte Regionalkrimis und Andreas Föhr ist in diesem Genre mein absoluter Lieblingsautor. Die Reihe um den Streifenpolizisten Leo Kreuthner, Kommissar Wallner und Opa Manfred vereint für mich auf perfekte Art und Weise eine spannende Krimihandlung mit Witz und Lokalkolorit - ohne in Albernheiten abzurutschen oder sich in Nebenhandlungen zu verlieren. Da kann sich so manch anderer Autor aus dem Bereich Regionalkrimi eine Scheibe von abschneiden. Den von der Kreuthner-und-Wallner-Reihe unabhängigen Krimi "Eisenberg" kann ich übrigens ebenfalls wärmstens empfehlen.

In "Schwarzwasser" schlägt Leichen-Leo wieder zu und findet die Leiche einer Person, die es nie gegeben hat. Kommissar Wallner steht vor einem Rätsel: wer ist der Tote?


Shelfie

"Im Grab schaust du nach oben" von Jörg Maurer | Erscheinungsdatum 27.04.2017

Mein zweitliebster Regionalkrimi-Autor ist Jörg Maurer. Ich liebe seine Geschichten aus der großen Kurstadt / der Bindestrich-Stadt (= Garmisch-Partenkirchen) rundum den zurückhaltenden Kommissar Jennerwein und sein urbayrisches Team sowie die ganzen lokalen Größen wie das Bestatterehepaar Grasegger, die sich an so illustren Treffpunkten wie der Bäckerei "Krusti" (bester Name EVER) treffen. 

Im neuesten Band scheint besagtes Ehepaar Grasegger wieder eine Hauptrolle zu spielen, denn der Kriminalfall spielt auf dem Friedhof und vor der Kulisse des G7-Gipfels.

"When It's Real" von Erin Watt | Erscheinungsdatum 30.05.2017

Ich stehe dazu: "Paper Princess" ist mit Abstand das fesselndste Buch, das ich in den letzten Monaten gelesen habe. It's a guilty pleasure. Von der neuen Reihe verspreche ich mir, dass sie genauso mitreißend wird wie die Geschichte rundum die Royals. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich ein bisschen skeptisch bin, denn die Storyline "Popstar meets normal girl" erinnert frappierend an "Johnny Be Good" von Paige Toon. 


Shelfie


"Fallen Heir" - The Royals Book 4 von Erin Watt | Erscheinungsdatum 28.08.2017

Wenn dieses Buch erscheint, ist der Sommer fast vorbei (und die Muswiese naht...). Dabei kann ich es kaum erwarten, mehr über Easton Royal - meinen Lieblingscharakter aus "Paper Princess", "Paper Prince" und "Twisted Palace" - zu erfahren. Sofern es möglich ist, sich in einen Buchcharakter zu verlieben, habe ich es hier definitiv getan. Schade nur, dass das Autorenteam Easton Royal kein eigenes Buch sondern lediglich eine Novelle widmen wird. Easton hätte ein komplettes eigenes Buch definitiv verdient!

"Save the Date" von Morgan Matson | Erscheinungsdatum 05.06.2018

Ausgerechnet auf das nächste Buch einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen heißt es noch ewig warten. Dafür hört sich der Plot ganz wunderbar an: Charlie kehrt für die Hochzeit ihrer Schwester nach Hause zurück und trifft zum ersten Mal seit längerer Zeit auf ihre vier älteren Geschwister. Dabei bewegt sie vor allem ein Gedanke: dass alles so perfekt werden möge, wie es früher (vermeintlich) immer war. Aber dann kommt alles anders als gedacht, und das Hochzeitswochenende droht ein einziges Desaster zu werden... Der einzige Lichtblick: der süße Neffe des Wedding Planners. 

Nachdem ich die Beschreibung des Buches gelesen habe, kann ich mir die Atmosphäre, die Morgan Matson kreieren wird, bildlich vorstellen. Sie schreibt einfach die schönsten Bücher mit Sommer-Feeling. 


Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass es wenig schöneres gibt, als nach langer Wartezeit das neueste Buch eines Lieblingsautoren in Händen zu halten.




Montag, 17. April 2017

|Stefka reads| "Geheimzutat Liebe" und "Küsse zum Nachtisch" von Poppy J. Anderson

Ich habe vor ungefähr drei, vier Jahren zum ersten Mal ein Buch von Poppy J. Anderson gelesen. Es war einer dieser typischen "mega heißer, bindungsunwilliger Footballspieler trifft auf Mädchen von nebenan und BOOM! es ist um ihn geschehen"-Romane. Ich fand die Geschichte nicht schlecht, hatte aber auch nicht das Gefühl, unbedingt mehr von der Autoin lesen zu müssen. Hinzu kommt, dass sie es geschafft hat, mich vollkommen zu verwirren, denn sie war die erste Vertreterin eines Phänomens, von dem ich mittlerweile weiß, dass es unter deutschen Autorinnen recht weit verbreitet ist: obwohl sie Deutsche ist, schreibt sie unter englischem Pseudonym und auch die Schauplätze all ihrer Geschichten liegen in den USA. Kannte ich bis dato nicht und entsprechend habe ich damals nach der englischen Originalversion ihrer Bücher gesucht.

Vor einigen Wochen ist mir Poppy J. Anderson im TV wiederbegegnet. Sie war zu Gast in einer Talkshow und hat ihre erste Reihe vorgestellt, die auch in gedruckter Form und nicht nur als E-Book erschienen ist. In dieser Talkshow fand ich Poppy J. Anderson so sympathisch, dass ich mich entschlossen habe, dem ersten Band dieser Reihe eine Chance zu geben. Hinzu kommt, dass die Geschichte rundum ein Restraurant in Boston perfekt als leichte Lektüre für meine Reise nach Helsinki geeignet war.


"Geheimzutat Liebe" von Poppy J. Anderson

"Geheimzutat Liebe" 

Poppy J. Anderson 
Taste of Love #1 
Chick Lit Deutsch 
E-Book 
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen) 

Eigentlich müsste Andrew Knight vollkommen zufrieden mit seinem Leben sein. Das Restaurant, das er in Boston aus dem Boden gestampft hat, floriert, und es sind nicht wenige, die ihn auf dem Weg zum ersten Stern sehen. Seine Gefühlswelt sieht jedoch komplett anders aus, denn er fühlt sich ausgebrannt und leer. Er zieht die Notbremse und entschließt sich zu einem spontanen Kurzurlaub in Maine. Dort kommt es zu einem folgenschweren (und buchstäblichen) Zusammenstoß mit Brooke Day. Diese versucht gerade mit allen Mitteln das marode, aber kulinarisch durchaus liebenswerte Restaurant ihrer Eltern über Wasser zu halten. Andrew entschließt sich spontan, ihr unter die Arme zu greifen, ohne jedoch seine wahre Idendität offen zu legen. In der bodenständigen, ländlichen Umgebung erwacht seine Leidenschaft für das Kochen wieder zum Leben. Und auch die widerspenstige Brooke lässt sein Herz höher schlagen... 

Diese Geschichte hat einfach Spaß gemacht. Das lag zum einen an der Chemie zwischen Brooke und Drew. Zwischen den beiden hat es von Anfang an geknistert und erfreulicherweise war die Phase zwischen Kennenlernen und tatsächlichem Zusammenfinden als Paar wunderbar lang. Ich mag es einfach, wenn die Protagonisten sich langsam annähern. Am allerliebsten ist es mir, wenn das ganze - wie hier geschehen - durch Rededuelle untermalt wird.

Zum anderen hat mir der Hintergrund der Geschichte wirklich gut gefallen. Ich mag die Ostküste der USA sehr gerne, so dass ich es super fand, mit diesem Buch nach Boston reisen zu dürfen. Auch die Idee, ein bzw. mehrere Restaurants als Spielplatz zu wählen, fand ich klasse. Eine super Abwechslung zu den üblichen Anwälten, Spitzensportlern oder Popsängern. Außerdem passt dieses Setting ganz wunderbar zur Autorin, die selbst eine begnadete Köchin ist und schon an diversen Kochshows teilgenommen hat.


"Küsse zum Nachtisch" von Poppy J. Anderson

"Küsse zum Nachtisch" 

Poppy J. Anderson 
Taste of Love #2 
Chick Lit 
Deutsch 
E-Book 
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen) 

Nick O'Reilly ist nicht nur Koch im "Knight's", dem Restaurant von Andrew Knight aus dem ersten Band, sondern auch dessen bester Kumpel. Im Gegensatz zu seinem Freund, der einer reichen Bostoner Juristenfamilie entstammt, ist Nick in einfachen Verhältnissen bei seiner Oma aufgewachsen. Gerade deswegen arbeitet er um so härter an seinem Traum, ein preisgekrönter Koch zu werden. Entsprechend hart trifft in ein Verriss in einer Lokalzeitung. Wutentbrannt schlägt er dort in der Redaktion auf. Als er sieht, was für eine junge, hübsche Dame die Kritik verfasst hat, nimmt ihm das komplett den Wind aus den Segeln. Er ist hin und weg von Claire Parker-Wickham und möchte unbedingt ihr Herz erobern. Und welch bessere Möglichkeit hätte ein Koch bei einer Feinschmeckerin, als dies auf kulinarischem Wege zu versuchen? Er bietet Claire eine Wette an und hat nun sechs Wochen Zeit, sie von seinem Essen und seinen sonstigen Qualitäten zu überzeugen. 

Nick O'Reilly fand ich als männliche Hauptperson fast noch ein bisschen spannender als Drew aus dem ersten Band. Ich glaube, ich bin seinem raubeinigen Charme etwas verfallen... Außerdem hat Poppy J. Anderson ihm ein spannendes "Defizit" (ich möchte an der Stelle nicht näher ins Detail gehen, da ich einen Spoiler vermeiden möchte) angedichtet. Das hat mir gut gefallen, denn das war für eine Geschichte aus dem Bereich "Chick Lit" ein ernsthaftes Thema, bei dem ich zudem das Gefühl hatte, dass die Autorin den Hintergrund gut recherchiert hat.

Claire Parker-Wickham blieb im Vergleich zu Nick etwas blaß. Sie war mir nicht unsympathisch, hat es aber auch nicht geschafft, mich für sich einzunehmen.

Insgesamt wurde ich durch den zweiten Band ganz wunderbar unterhalten. Vor allem die Mischung aus Ostküstenatmosphäre und Küchengeschichten fand ich wieder überaus faszinierend. "Zart verführt", den dritten Band der Reihe, der am 26.10.2017 erscheinen wird, plane ich deshalb ebenfalls zu kaufen.

Freitag, 14. April 2017

|Stefka reads| "Liebe mich nicht" von Marah Woolf

 "Liebe mich nicht" von Marah Woolf


"Liebe mich nicht" 

Marah Woolf
GötterFunke 1
Young Adult
Deutsch
Hörbuch
3,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Wie bereits berichtet, habe ich mir nach langem hin und her endlich ein Hörbuch-Abo gegönnt. Mein erster Download war "Liebe mich nicht" von Marah Woolf. Marah Woolf ist ein deutsches Internetphänomen, also eine jener Autorinnen, die durch Selbstverlag und das Internet bekannt wurden. Sie heißt in echt Ina Körner, ist gelernte Bankkauffrau und Mutter von drei Kindern. "Liebe mich nicht" aus ihrer neuen Trilogie "GötterFunke" ist das erste Buch von ihr, das ich gelesen oder gehört habe. 

Als Jess gemeinsam mit ihrer Freundin Robyn auf dem Weg ins Ferienlager in den Rocky Mountains einen Autounfall baut, ist nichts mehr, wie es einmal war, denn Jess hat plötzlich das Gefühl, dass in ihrer Umgebung übernatürliche Dinge geschehen. Im Feriencamp lernt Jess den überirdisch schönen, manchmal aber auch überirdisch arroganten Cayden sowie seine Cousine Athene, seinen Cousin Apoll und deren Eltern kennen. Jess fühlt sich sofort zu Cayden hingezogen, wird aus dessen heiß-kaltem Verhalten jedoch nicht schlau. Das Gefühlskarussell dreht sich immer schneller, vor allem als Cayden auch noch mit Jess' eigentlich vergebener besten Freundin Robyn zu flirten beginnt... 

Nebenbei versucht Jess den seltsamen Vorkommnissen im Camp auf den Grund zu gehen. Langsam keimt in ihr der Verdacht, dass die Eltern von Apoll und Athene nicht nur eine Vorliebe für Namen aus der griechischen Mythologie hatten... 

Die Anleihen aus der griechischen Mythologie haben mir super gefallen. Nicht erst seit der "Starcrossed"-Serie von Josephine Angelini weiß ich, dass sich die alten Götter ganz wunderbar als Vorlage für ein Jugendbuch aus dem Bereich Fantasy eignen, ging es dort doch wilder und intriganter zu als in "Dallas", "Beverly Hills 90210" und "Gossip Girl" zusammen.

Auch der Schauplatz der Geschichte in einem in den Rocky Mountains (die ich 2015 live und in Farbe gesehen habe) gelegenen Feriencamp (wollen wir spätestens seit "American Pie" nicht alle unbedingt ein typisch, amerikanisches Ferienlager besuchen?) ist ganz nach meinem Geschmack. 

Weniger gefallen hat mir, dass Jess sich ständig von Cayden um den Finger wickeln lässt und keine klare Linie fährt. Das hat zur Folge, dass sich die immer gleiche Situation immer wieder abspielt (Jess und Cayden kommen sich näher - er weist sie ab - sie steht trotzdem wieder auf der Matte alternativ wird er eifersüchtig - und das Spiel beginnt wieder von vorne...), was mich als Leser/Zuhörer ermüdet und viel von der eigentlichen Spannung genommen hat. In diesen Momenten habe ich mich tatsächlich zu alt für dieses Buch gefühlt. 

Auch die anderen Charaktere sind mir zu klischeebeladen angelegt. Alle (nicht nur Cayden, Apoll und Athene) sehen wahnsinnig gut aus, die Mädchen haben keinen anderen Lebensinhalt, als einen Jungen zu finden, der zumindest für die Zeit des Camps mit ihnen "geht" und die Jungs sind sich der Situation nur allzu bewusst und spielen mit ihren Bewunderinnen. Auch hier fällt mir sofort das Stichwort "ermüdend" ein. 

Dass ich trotzdem Spaß an "Liebe mich nicht" hatte, lag vor allem an der zugrundeliegenden griechischen Mythologie und der Tatsache, dass ich das Buch gehört und nicht gelesen habe. Da man erfahrungsgemäß nicht ganz so aufmerksam hört, wie man liest, machen einem auch wiederholende Schilderungen nicht ganz so viel aus.

Eigentlich wollte ich deshalb dem noch nicht erschienenen Teil 2 eine Chance geben. Doch dann kam das Ende. Wobei "Ende" die Übertreibung des Jahrhunderts ist, denn das letzte Kapitel ist völlig offen und enthält so überhaupt keine Abrundung der Geschichte. Das finde ich dermaßen nervig, dass ich mir nicht vorstellen kann, Band 2 zu kaufen. Ich komme mir veralbert vor.

Mittwoch, 12. April 2017

|Stefka reads| "Wir Kassettenkinder - eine Liebeserklärung an die Achtziger" von Stefan Bonner und Anne Weiss

 "Wir Kassettenkinder - eine Liebeserklärung an die Achtziger"  von Stefan Bonner und Anne Weiss

"Wir Kassettenkinder - eine Liebeserklärung an die Achtziger" 

Stefan Bonner, Anne Weiss
Sachbuch
Deutsch
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Dieses Buch und ich haben eine witzige, gemeinsame Vergangenheit. Als ich mich letztes Jahr vor der Frankfurter Buchmesse durch die Lesungen und sonstigen Veranstaltungen gearbeitet habe, ist mir auch die Lesung mit diesen beiden Autoren ins Auge gefallen und auf meine Liste gewandert. Ohne, dass ich vorher jemals etwas über das Buch gehört hatte. Tatsächlich habe ich nur das Ende des Auftritts von Stefan Bonner und Anne Weiss gesehen und konnte mir somit kein richtiges Bild machen. Deshalb ist das Buch bei mir auch in Vergessenheit geraden. 

Als ich die Geburtstagsgeschenke von meinen Eltern ausgepackt habe, war da u.a. "Wir Kassettenkinder" dabei, und ich habe mich sehr gefreut. Meine Mutter hat die beiden Autoren im TV gesehen und - völlig unabhängig von meiner Begegnung mit Stefan Bonner und Anne Weiss auf der Frankfurter Buchmesse - gedacht, dass dieses Buch perfekt zu mir passt. 

Sie sollte recht behalten, denn ich habe dieses Buch an zwei Tagen verschlungen. Es hat einfach so viel Spaß gemacht, in meine Kindheit zurückzureisen... 

Die beiden Autoren berichten in dem Buch aus ihrer eigenen Kinder- und Jugendzeit in den 80er Jahren. Sie gliedern ihre Erinnerungen in verschiedene Teilbereiche wie Fernsehen und Medien, politische Entwicklungen etc.


 "Wir Kassettenkinder - eine Liebeserklärung an die Achtziger"  von Stefan Bonner und Anne Weiss


Das Buch kam zu seinem Titel, weil wir Kinder der 80er mit Kassettenrekordern aufgewachsen sind. Jeder von uns war im Besitz von Hörspielkassetten wie "Benjamin Blümchen", "Bibi Blocksberg" (= Bibi ohne Tina und Pferde) und "TKKG" oder hat erste Moderationsversuche auf leeren Kassetten mit der Aufnahmetaste gestartet. Die Autoren hatten auch Kassetten mit den Liedern ihrer Lieblingsbands. Da macht sich mein Altersunterschied zu den beiden bemerkbar, denn ich habe hier bereits CDs und keine Kassetten mehr gekauft. Ähnlich ergeht es mir, wenn von Atari und Commodore berichtet wird. Damals war ich noch zu jung für einen Computer. Ich kann mich erinnern, dass meine Freunde mit Technik affinen Eltern bereits mit Windows 3.X und nicht mehr auf DOS-Basis gearbeitet haben. (Leider fiel insbesondere mein Vater nie in diese Kategorie, weshalb wir weder einen Computer noch einen Videorekorder und erst ab 1993 eine Satellitenschüssel hatten. Aktuell kämpft meine Mutter für einen Internetzugang und hofft darauf, dass die Telekom die analogen Anschlüsse abschafft und mein Vater so zwangsweise auf digital umsteigen muss). 

Dass bereits wenige Jahre Altersunterschied in dem Zusammenhang eine große Auswirkung haben, geben die Autoren selbst zu. Auch erwähnen sie, dass sie nicht die Kompetenz besitzen, um über die 80er in der DDR zu schreiben.

Mir hat es trotzdem super viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen und in Erinnerungen zu schwelgen. Vor allem in den Momenten, in denen die Autoren an Dinge erinnern, bei denen ich eigentlich der festen Überzeugung war, dass sie außer mir kein Mensch mehr kennt. Wie z.B. den Mehrteiler "Wilder Westen inclusive", der Ende der 80er an Weihnachten in der ARD lief. Darin begibt sich eine deutsche Familie auf eine abenteuerliche Reise in die USA. Das eine oder andere Fettnäpchfen inklusive. Könnte die ARD ruhig bei Gelegenheit auf "One" wiederholen... 

Besonders gerne erinnere ich mich außerdem an die Werbung der 80er Jahre. Das waren noch Zeiten, als man mit der "Allianz" unbesorgt in einen italienischen Tomatenstapel fahren konnte... 

Daneben wird aufgezeigt, dass unsere Kindheit und Jugend einerseits wunderbar idyllisch und geborgen war, andererseits auch in den 80ern Katastrophen und Skandale an der Tagesordnung waren: kalter Krieg, gehäckselte Küken in Nudeln, hochgiftige Stoffe im Rhein, Tschernobyl und das Waldsterben - um nur einige zu nennen. Den größten Aha-Moment hatte ich hier beim Lesen, als die Autoren aufgezeigt haben, wie dämlich und unverschämt sich die CSU (inklusive des exklusiv zitierten Seehofers) bereits damals beim Thema AIDS verhalten hat. Die Themen sind andere geworden, der menschenverachtende Ton ist geblieben. 

Die Welt stand also auch bereits in den 80ern am Abgrund. Es wäre nun interessant zu wissen, ob das trotzdem vorherrschende Gefühl der Geborgenheit von unserem damals jugendlichen Alter herrührt, oder ob wir mit dem zeitlichen Abstand vieles verklärt haben.

Ich kann das Buch allen, die ungefähr zwischen 1973 und 1985 geboren sind, ans Herz legen. Ich finde, "Wir Kassettenkinder" eignet sich auch ganz wunderbar als Geschenk für Geburtstagskinder dieser Jahrgänge. Insbesondere für die, die einen runden Geburtstag feiern...