Mittwoch, 3. August 2016

|Stefka reads| "Best of Kreuthner & Wallner" von Andreas Föhr sowie eine allgemeine Empfehlung der Reihe


"Best of Kreuthner & Wallner"

Krimi
Deutsch 
Hörbuch
4 Sterne

Diese CD war ein spontaner "Mitkauf". Ich habe mir zwei Hörbücher bestellt und bei Durchsuchen des Onlineshops (ich bestelle Hörbücher immer online, da ich die Auswahl in Buchläden bescheiden finde und auch preislich online das eine oder andere Schnäppchen zu finden ist) bin ich auf diese Doppel-CD gestoßen. Eigentlich kein besonders sinnvoller Kauf, denn ich kenne bereits alle Hörbücher der Reihe um Clemens Wallner und Leonhard Kreuthner. Uneigentlich hat es mich interessiert, wie der Autor liest und was für Stellen er auswählt.

Bei dieser Doppel-CD handelt es sich nicht um ein klassisches Hörbuch sondern um Mitschnitte einer Lesung des Autors Andreas Föhr. Er hat aus allen bislang erschienenen Büchern Passagen ausgesucht, die sich hauptsächlich um den chaotischen, eigenwilligen, sehr bayrischen, beinahe anarchistischen Streifenpolizisten Leonhard Kreuthner drehen. Kenner der Serie werden es ahnen, es sind vor allem lustige Szenen, denn Leos Spürnase für das Auffinden von Leichen, sein Hang zu zwielichtigen Kumpels und seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden sorgen in den Büchern für die entsprechenden Lacher. Nur die Auszüge aus "Totensonntag" haben einen ernsten Charakter. Wer auf Szenen mit Opa Manfred wartet, wird enttäuscht. Der spielt keine Rolle. Auch Clemens Wallner kommt nur in wenigen Ausschnitten vor. Im großen und ganzen ist es ein "Best of Kreuthner".

Ich habe Überlegungen angestellt, wem ich diese Doppel-CD empfehlen kann. Schwierig. Für Neulinge sind die einzelnen Szenen zu zusammenhanglos, als dass man sich wirklich ein Bild von den Krimis machen könnte. Auch als Test für die Hörbücher eignet sich diese Lesung nur bedingt, denn hier liest der Autor selbst, während die Hörbücher vom fantastischen Michael Schwarzmeier gelesen werden. Kennern der Serie bieten Auszüge aus bereits erschienenen Büchern natürlich nichts neues. Mir hat diese Lesung trotzdem Spaß gemacht, denn zum einen fand ich es interessant, einmal den Autor selbst zu hören und zum anderen wurde ich an vergessene Szenen erinnert.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, um die Bücher dieser Reihe im Detail vorzustellen:

"Der Prinzessinenmörder" 

Leonhard Kreuthner hält es im angetrunkenen Zustand für eine gute Idee, mitten in der Nacht auf dem zugefrorenen Spitzingsee Eisstockschießen zu betreiben. Hierbei findet er eine Mädchenleiche in einem goldenen Brokatkleid. Noch nicht einmal der Autor selbst ahnte es, aber in diesem Moment wird "Leichen-Leo" geboren. Im Anschluss befinden sich er und Clemens Wallner auf der Jagd nach einem Serienmörder, dessen Geschichte auf mehreren Zeitebenen erzählt wird.

"Schafskopf" 

Aufgrund einer im besoffenen Zustand akzeptierten Wette joggt Kreuthner morgens auf den Riederstein. Dort trifft er seinen äußert zwielichtigen Saufkumpanen Kummeder und wird Zeuge (bzw. Nicht-Zeuge, da er just in dem Moment unpässlich ist...), wie dieser erschossen wird. Andreas Föhr spielt erneut mit den Zeitebenen, denn dieser Fall begann bereits zwei Jahre zuvor mit einer Partie Schafkopf. In diesem Roman lernt man die legendäre "Mangfallmühle" (eine Spelunke übelster Sorte) im verlassenen Mangfalltal kennen.

"Karwoche" 

Dieses Mal ist ein illegales Autorennen von Kreuthner auf dem Achenpass der auslösende Moment für das Auffinden einer Leiche. Diese Leiche führt Clemens Kreuthner zu der versnobten, überkandidelten und durch und durch bösen Schauspielerfamilie Milruth.

Die Milruths sind mir besonders im Gedächtnis geblieben, denn ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob es so einen schrägen Clan wirklich gibt und ob der Autor eventuell sogar ein echtes Vorbild hatte. 

"Schwarze Piste"

Es ist Winter in Miesbach und Leonhard Kreuthner ist in spezieller Mission unterwegs: er möchte die Asche seines verstorbenen Onkels Simmerl auf dem Wallberg verstreuen. Natürlich illegal. Bei dieser Gelegenheit stolpert er über eine Leiche. Die Ermittlungen rund um diese Leiche führen Kommissar Wallner in die Zeit der RAF zurück.

"Totensonntag" 

Der ungewöhnlichste Krimi der Reihe, denn es ist Clemens Wallners erster Fall. Das Buch spielt im Jahr 1992 und beginnt mit einem Gelage auf einer Berghütte (quasi die frühe Form des Flat-Rate-Saufens), bei dem sowohl Kreuthner als auch der nüchterne Wallner anwesend sind. Die in diesem Zusammenhang auftauchende Leiche führt zu einer zweiten Erzählebene, die am Ende des zweiten Weltkriegs spielt.

Diesen Band der Reihe muss ich besonders loben, denn ich finde ihn großartig. Die Ereignisse im Mai 1945 werden ausgesprochen packend und düster geschildert. Das Jahr 1992 finde ich genauso spannend, denn Ermittlungen ohne Handy, hallo, geht das überhaupt?! Meine absolute Lieblingsstelle ist die, als geklärt wird, warum Clemens Wallner in all den später spielenden Büchern seine schützende Hand über Kreuthner hält. Wallner wird von seinem damaligen Vorgesetzten quasi dazu verpflichtet: "Passen Sie auf Kreuthner auf. ... - mit Typen wie Kreuthner funktioniert keine Diktatur auf der Welt." In Zusammenhang mit den im Buch geschilderten Ereignissen des Jahres 1945 fand ich das einen großartigen Satz, der mich zum Nachdenken angeregt hat.

"Wolfsschlucht" 

Dieser Band führt den Leser zurück ins berühmt-berüchtigte Mangfalltal, denn in der Mangfall wird ein mit Kreuthner gut bekannter Bestattungsunternehmer in seinem Leichenwagen tot aufgefunden. Dieses Mal tut sich Leichen-Leo nicht nur als Finder der Leiche hervor, denn er ist nicht ganz unschuldig daran, dass der Leichenwagen ausgerechnet in der Mangfall steht. Für Wallner wird dieser Fall besonders verzwickt, weil auch sein Opa Manfred tatkräftig mitmischt. Außerdem schafft es Kreuthner, für weitere Aufregung zu sorgen, da er den unglaublichsten Maibaumklau in der Geschichte Bayerns inszeniert. Allein wegen dieser Szene rege ich eine Verfilmung der Krimis an... 

Wenn ich mich für meinen Lieblingsregionalkrimi entscheiden müsste, würde meine Wahl auf diese Reihe fallen (noch vor Klufti und Kommissar Jennerwein). Einfach weil ich alle Charaktere überaus großartig finde. Ich habe eine kleine Schwäche für den immer frierenden, überkorrekten Clemens Wallner (wahrscheinlich weil er mir ähnlicher ist, als mir lieb sein kann...). Ich sehe mehr hinter Kreuthner als nur den Dorfpolizisten, der von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt (denn eigentlich hat er ganz schön viel Grips). Ich kann mich köstlich über den "Weiberer" Opa Manfred amüsieren, der seinen Enkel durch seine Eskapaden immer wieder zum Schwitzen bringt. Außerdem sind alle Kriminalfälle wahnsinnig gut durchdacht, haben eine komplexe Handlung und Andreas Föhr versteht es meisterlich, mit den verschiedenen Zeitebenen zu spielen. Deshalb hoffe ich sehr, dass es einen neuen Band geben wird. Für mich sind die Geschichten noch lange nicht auserzählt. Z.B. würde mich brennend interessieren, ob jemals etwas aus Clemens und der Staatsanwältin aus dem Band "Totensonntag" geworden ist.

Aktuell höre ich das neueste Buch von Andreas Föhr namens "Eisenberg". Ich muss gestehen, so skeptisch ich am Anfang war, so gut hat mir der Anfang bislang gefallen. Man merkt, dass hier ein Autor schreibt, der sich in der Juristenszene auskennt (und der nicht irgendwelchen Tagträumen nachhängt, siehe meine letzte Rezension auf diesem Blog...).

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