Montag, 31. Oktober 2016

|Leseliebe| "Himmelhorn" von Volker Klüpfel & Michael Kobr

"Himmelhorn" 

Volker Klüpfel & Michael Kobr
Kommissar Kluftinger #9
Krimi
Deutsch
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)


Signatur von der Frankfurter Buchmesse

Nach meinem Aufeinandertreffen mit Klüpfel & Kobr auf der Frankfurter Buchmesse letzte Woche hatte ich richtig Lust, das neueste Buch der beiden endlich zu lesen. Also habe ich das Buch, das ich eigentlich Anfang dieser Woche begonnen hatte und das mich nicht fesseln konnte, abgebrochen und bin mit Klufti zumindest gedanklich aufs "Himmelhorn"gestiegen. An der Stelle sei erwähnt, dass das "Himmelhorn" ein relativ unbekannter, aber dafür umso gefährlicherer Berg in den Allgäuer Alpen ist. 

Ausgerechnet auf diesen sagenumwobenen Gipfel führt Klufti gemeinsam mit seinem "Nicht-Freund" (auf diesen Beziehungsstatus legt Klufti großen Wert) Dr. Langhammer seine erste E-Bike-Tour. Dramatisch wird es, als sie eine abgestürzte Seilschaft bestehend aus einem bekannten Allgäuer Bergfilmer und zwei einheimischen Bergführern in historischen Kostümen auffinden. Außer Klufti glauben alle an einen Unfall mit tödlichem Ausgang, weshalb er einen großen Teil des Buches damit verbringt, das Gegenteil zu beweisen und sein Team zur Mitarbeit zu motivieren. 

Als der Fall richtig in Gang kommt, kristallisieren sich zwei Ermittlungsrichtungen heraus: auf der einen Seite der verunglückte Bergfilmer Andi Bischof, der sich durch sein geschäftliches Gebaren einige Feinde gemacht hat. Auf der anderen Seite das ebenfalls getötete Bergführer-Brüderpaar, das in eine Jahrzehnte alte Nachbarschaftsfehde verstrickt ist, die Klufti in die schweigsame Welt der Bergbauern führt.

Daneben muss Klufti auch privat einige Turbulenzen überstehen: Sohn Markus und seine hochschwangere Yumiko sind bei Klufti daheim eingezogen, was zu Spannungen bei Klufti und seiner Frau führt, denn während er Yumiko betüdelt, schlägt sich Erika auf die Seite ihres Sohnes, der ihres Erachtens durch Studium und Vaterschaft in jungen Jahren (also mit um die 30...) viel zu schwer belastet ist. Außerdem entdeckt Klufti seine Leidenschaft für eine adlige Vorabendserie, er wird von seiner Frau genötigt, sich in die Ehe der Langhammers einzumischen, Kollege Strobl verleitet ihn zu Aktienspekulationen, er belebt seine alte Freundschaft zu einem früheren Bergkameraden (was dem Leser eine Ahnung verschafft, wie der ungeliebte Vorname von Klufti lauten könnte), kommuniziert  online mit seinem "Gegenschwieger" und latscht in bekannter Manier von einem Fettnäpfchen ins nächste.

Ganz schön viel los in diesem neuesten Band, kein Wunder, dass es der bislang längste der Reihe ist. Leider kommt durch die ganzen Nebenkriegsschauplätze aus Kluftis Privatleben der eigentliche Krimi etwas zu kurz. Das sieht man schon allein daran, dass es fast 3/4 des Buches dauert, bis der Fall richtig in Fahrt kommt. Anschließend schwankt Klufti etwas unkoordiniert zwischen den oben erwähnten zwei Ermittlungsrichtungen hin und her, wobei mir relativ schnell klar war, wer der Täter sein musste. 

Ja, ich weiß durchaus, dass bei einem Klufti-Krimi die diversen Ausflüge ins Privatleben des Kommissars Standard sind. Aber dieses Mal hat der Privatbereich für meinen Geschmack überhand genommen. Man könnte fast meinen, die Autoren hätten die eine oder andere Szene nur aufgenommen, weil sich diese bei ihrer Lesetour besonders gut machen wird. In dieser Hinsicht hoffe ich, dass die beiden im nächsten Band nach dem Prinzip "weniger ist mehr" vorgehen und stattdessen der eigentliche Krimi in den Fokus rückt. Hier kann ich mir die Anmerkung, dass die Krimihandlung des neuesten Klufti mit "Die Stille der Lärchen" von Lenz Koppelstätter oder "Eisenberg" von Andreas Föhr nicht mithalten kann, nicht verkneifen. Diese Fälle sind wesentlich komplexer konstruiert und schaffen es, eine viel mystischere respektive bedrohlichere Atmosphäre zu schaffen. Ist ein bisschen wie beim "Tatort". Klufti ist die Münsteraner Version, während Koppelstätter und Föhr eher den Münchner oder Wiener Tatort repräsentieren. 

Trotzdem habe ich noch immer eine Schwäche für den Klufti und die Ideen seiner Autoren. Manche ihrer Seitenhiebe sind einfach großartig, wie etwa wenn Klufti unfreiwillig in eine Kinovorstellung von "50 Shades of Grey" gerät, und er überzeugt ist, dass die männliche Hauptperson ein Audi-Händler sein muss, da er mit ständig wechselnden Modellen unterwegs ist. So viel zum Thema "Product Placement" in Filmen... Außerdem hat mich begeistert, dass dieses Mal die Umgebung meines geliebten Oberstdorfs eine tragende Rolle gespielt hat. Da möchte man sich am liebsten sofort ins Auto setzen, um zu überprüfen, ob es im Oytal wirklich so gottverlassene Höfe gibt.

Zusammenfassend also 4 Sterne von mir, verbunden mit der Hoffnung, dass der nächste (Jubiläums-) Band der Reihe wieder ein echtes Highlight sein wird.


Am Anfang jedes Kapitel steht ein Originalzitat aus einem Gipfelbuch.

Freitag, 28. Oktober 2016

|Küchenzauber| Kürbisrisotto

Heute möchte ich eines meiner liebsten Rezepte vorstellen, das noch dazu ganz wunderbar zum Herbst passt: ein Risotto mit Kürbis. Ich liebe Risotto über alles. Müsste ich die Top 5 meiner Lieblingsessen benennen, wäre Risotto dabei. Ich finde es auch nicht allzu schwierig oder aufwändig zuzubereiten. Gut, man sollte möglichst die ganze Zeit rühren, aber mir macht das Spaß.




Zutaten für 2 Personen

- 750 g Hokkaido (ich kaufe hier immer einen beliebigen Hokkaido und verarbeite diesen, ohne mich groß um das Gewicht zu kümmern)

- 200 g Risottoreis

- 200 ml Weißwein

- 800 ml Gemüsebrühe

- 1 EL Butter oder Margarine

- 50 g geriebenen Parmesan




Zur leichteren Verarbeitung packe ich den Kürbis im ganzen bei 200 Grad auf dem Backblech für ca. 30 Minuten in den Backofen. Im weichen Zustand lässt er sich wesentlich besser zerlegen. Nach der Backphase halbiere ich den Kürbis, entferne mit einem Löffel die Kerne und schneide den Kürbis anschließend in Spalten. Die Spalten schiebe ich erneut in den Backofen, während ich das Risotto zubereite.

Für das Risotto erhitze ich Öl in einem Topf und gebe den Reis hinein, um ihn für ca. 5 Minuten anzuschwitzen. Aber Achtung, das Öl nicht zu arg erhitzen, denn sonst wird der Reis zu schnell zu braun. Für Euch von mir getestet...

Anschließend lösche ich den Risottoreis mit Weißwein ab und lasse ihn unter Rühren einkochen. 

Zwischenzeitlich bereite ich eine Gemüsebrühe zu (ich nehme die von DM), die ich in einem kleinen Topf neben dem Risotto warmhalte. Nach und nach füge ich die Gemüsebrühe unter ständigem Rühren dem Risotto zu und lasse sie einkochen. 

Währenddessen nehme ich die Kürbisspalten aus dem Backofen, packe diese in eine Schüssel, gebe etwas Wasser dazu und püriere das ganze. Durch die Vorbereitung des Kürbisses im Backofen ist der so weich, dass man ihn von Hand zerdrücken kann - und nicht den Mixer oder Pürierstab "versauen" muss. 

Wenn das Risotto fertig ist (d.h. die Gemüsebrühe ist aufgebraucht und das Risotto ist durch), hebe ich das Kürbispüree unter. 

Anschließend füge ich Butter und den Parmesan hinzu und schmecke das ganze mit Salz und Pfeffer ab. Guten Appetit! 






Montag, 24. Oktober 2016

|Leseliebe| Frankfurter Buchmesse 2016

Einer meiner liebsten Dekorationsgegenstände auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse

Nach meinem sehr spontanen Debüt von 2015 auf der Frankfurter Buchmesse war es dieses Jahr geradezu von langer Hand geplant, denn ich habe bereits zu meinem Geburtstag im März ein Ticket geschenkt bekommen. Nach der eher umständlichen Erfahrung mit einer Busfahrt zur Frankfurter Buchmesse vom letzten Jahr, sind wir dieses Mal mit dem eigenen Auto angereist. Das hat gut funktioniert und war wesentlich entspannter, denn ich bin z.B. um 05:00 Uhr aufgestanden und nicht schon um 03:00 Uhr. Das Parken im Parkhaus auf dem Messegelände mit kostenlosem Shuttle zu den Messehallen hat 12 Euro gekostet und somit nicht mehr, als wenn man in Stuttgart acht Stunden in der Innenstadt parkt.


Anne Weiss, die Co-Autorin von "Wir Kassettenkinder"

Dieses Jahr hatte ich mir ein paar Tage vor der Buchmesse einen groben Ablaufplan mit den Interviews, Signierstunden und sonstigen Events erstellt, die ich interessant fand. Vor Ort habe ich entschieden, was ich tatsächlich besuche. Dazwischen bin ich die Stände in Halle 3 entlang geschlendert und z.B. spontan bei Lesungen stehen geblieben. Dieses Konzept hat sich im Vergleich zum planlosen Herumlaufen vom letzten Jahr bewährt. Trotzdem würde ich mir nie zu viel vornehmen oder mich stur an einen Plan halten.


Miffy

Mein erster "Termin" war die Signierstunde von Klüpfel & Kobr am Stand ihres Verlages Droemer. Dafür hatte ich extra meine Ausgabe von "Himmelhorn" mitgeschleppt. Ich habe mich ca. 20 Minuten vor dem offiziellen Beginn in die Schlange eingereiht und war ungefähr an 10. Stelle. Das Warten fand ich nicht schlimme, ich habe mich mit meinem Handy beschäftigt und Leute beobachtet.


Michael Kobr

Ich stand direkt an der Tür, durch die Kobr & Klüpfel zu ihrem Signiertisch gelaufen sind. Als Volker Klüpfel die Schlange gesehen hat, meinte er: "Müssen wir uns auch anstellen?" Das hat mir gezeigt, dass die zwei in echt genauso lustig und lieb sind, wie sie im Fernsehen oder auf der Bühne wirken. 


Volker Klüpfel

Ich bin fürchterlich "star-struck", weshalb es mich Überwindung gekostet hat, mich für eine Signatur anzustellen. Hat dann aber gar nicht weh getan... Allerdings werde ich wahrscheinlich nie der Typ sein, der nach einem Foto fragt oder ein Gespräch beginnt (und wenn's der Aksel wäre, würde ich vor Aufregung in Ohnmacht fallen).


Arne Dahl

Danach bin ich ein bisschen ziellos durch die Halle 3 geschlendert und habe - wie aus dem Foto oben und unten ersichtlich - ein paar interessante Autoren gesehen.


Claudia Roth - ich fand es lustig, dass sie so "authentisch" gekleidet war. 


Ein Blogger, der ein Backbuch vorgestellt hat: "Mann back"

Als nächstes wäre ich eigentlich gerne zu Nele Neuhaus zur "Open Stage" gegangen. Wegen eines Regenschauers habe ich zunächst etwas gegessen und bin erst, nachdem es wieder trocken war, aus der Halle 3 raus. Trotzdem habe ich einen großen Teil des Interviews, das die "Brigitte"-Chefredakteurin geführt hat, mitbekommen. Ich hatte schon vorher gelesen, dass Nele Neuhaus sehr gute Interviews gibt, und ich kann das definitiv bestätigen. Es war sehr spannend, ihr zuzuhören. Sie hat u.a. erzählt, dass es lange gedauert hat, bis ihr Fell dick genug war, um mit Kritik umzugehen. Mittlerweile nimmt sie sogar Aussagen, wie die eines Journalisten, der sie als "Rosamunde Pilcher mit Toten" bezeichnet hat, als Kompliment. Schließlich gibt es kaum einen Autor, der so viele Bücher verkauft hat wie Rosamunde Pilcher. Ein spannender Fakt für alle Fans: die Reihe um Bodenstein und Pia wird sie fortsetzen, jedoch wird sich die Zusammenarbeit der beiden ändern. Interessant fand ich auch, dass sie die Reihe ursprünglich an einem neutralen Ort spielen lassen wollte. Mitten in der Arbeit am ersten Band ist sie darauf gekommen, die Handlung in den Taunus zu verlegen, da sie sich so die Ortsnamen besser würde merken können. Im Nachhinein denkt sie, dass die realen Orte im Taunus der Schlüssel zu ihrem Erfolg waren. 

Als ich bei den "Kluftis" angestanden bin, lief Nele Neuhaus vorbei. Wenn sie ein anderer Wartender nicht erkannt hätte, wäre ich nie im Leben drauf gekommen, dass sie das war. Sie sah so normal, fast ein bisschen "hausmütterlich" aus. 


Eine weitere Zufallsbegegnung: Mario Fesler liest aus dem Kinder-/Jugendbuch "Lizzy Carbon und der Club der Verlierer"

Im Vorfeld hatte ich Bedenken, dass man zu Kobr & Klüpfel oder Nele Neuhaus nicht würde vordringen können. Das war unproblematisch. Ich denke, Probleme bekommt man nur, wenn man zu Autoren möchte, die bei Teenies/jungen Erwachsenen hoch im Kurs stehen. Da ist der Andrang immer riesig. So z.B. gesehen bei Teri Terry und ihrem "Book of Lies".


Teri Terry signiert.

Für nachmittags hatte ich u.a. die "Knödel-Kochshow" auf meinem Zettel notiert. Vom Autor (und eben Koch) des Buches "Die Knödel-Revolution", Michael Schlaipfer, hatte ich zwar vorher noch nie etwas gehört, aber ich fand, eine Kochshow klang spannend und hörte sich nach einer netten Abwechslung an. War dann tatsächlich auch wirklich klasse, was vor allem an Michael Schlaipfer lag, der zum einen mit seinem bayrischen Dialekt bezauberte und zum anderen wirklich schlagfertig und lustig war. Seine Knödel-Kreationen klangen super lecker - vor allem auch die süßen Varianten - aber leider war es unmöglich, an ein Probiertellerchen heranzukommen, da sich andere Zuschauer mehrfach bedient haben. Sehr unverschämt, wie manche auftreten. 


Michael Schlaipfer beim Kochen

Michael Schlaipfer beim Signieren.

Zum Abschluss stand das Interview mit Klüpfel & Kobr auf der "Open Stage" auf dem Programm. Da sich die Buchmesse langsam zu leeren begann, konnten wir Plätze ganz vorne ergattern. Der Auftritt der beiden war so witzig und charmant, wie sie auch im TV oder bei ihren Tourneen wirken. Allein wegen des Dialekts könnte ich den beiden stundenlang zusehen. Und natürlich wegen ihrer Kabbeleien. Ich fand es witzig, dass im Interview mit den beiden fast identische Fragen gestellt wurden wie bei Nele Neuhaus - obwohl die Fragesteller nichts miteinander zu tun hatten. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie oft man als Autor die gleichen Fragen beantworten muss. Spannend war, dass Klüpfel & Kobr teilweise ähnlich geantwortet haben wie Nele Neuhaus. Z.B. sind alle drei nicht gerade euphorisch, wenn es um ihre Buchverfilmungen geht. Völlig desillusioniert trifft es wahrscheinlich am besten. Auch hat keiner von ihnen jemals zu träumen gewagt, auch nur annähernd so erfolgreich zu sein, wie sie es jetzt tatsächlich sind. Michael Kobr hat bei der ersten Auflage gedacht, die Verwandtschaft würde einige Bücher abnehmen. Und den Rest würde seine Mama kaufen, damit es nicht peinlich wird. Auch Nele Neuhaus dachte bei den ersten Kunden vornehmlich an Freunde und Familie. Ein wirklich tolles Interview, das sehr viel Spaß gemacht hat (und die Erkenntnis gebracht hat, dass man Klufti nur mit dem E-Bike auf das Himmelhorn verfrachten konnte).


Klüpfel & Kobr auf der Bühne - man beachte Volkers Turnschuhe!

Nachdem sich meine Begleitung ebenfalls Unterschriften von Klüpfel & Kobr abgeholt hatte (was schneller ging als erwartet, da sie ein Buch dabei hatte und vorgehen durfte, weil die Verkaufsexemplare aus waren!), sind wir zum Abschluss noch einmal durch Halle 3 geschlendert. Das war super entspannt, denn die Mehrzahl der Besucher (ich tippe vor allem auf die, die per Bus angereist sind) waren weg. Wem es an den Besuchertagen zu voll ist in Halle 3, dem kann ich nur empfehlen, abends bis zum Schluß zu bleiben. Plötzlich hat man ohne Ende Platz zwischen den Ständen. Und allen, denen es an den Rolltreppen in der Halle zu viel Gedränge gab, kann ich die Außenrolltreppe, mit der man auch ohne "Umsteigen" von 3.0 zu 3.1 kommt, ans Herz legen. Ich fand es ingesamt zwar tagsüber voll, aber super unangenehm war es für mich nicht, was aber daran liegen könnte, dass ich zur Stoßzeit längere Zeit bei Nele Neuhaus auf dem Außengelände verbracht habe.


Buch-Inspiration

Mir hat es in diesem Jahr noch besser gefallen als 2015. Nächstes Jahr bin ich gerne wieder dabei - definitiv aber in 2018, denn da wird Norwegen Gastland sein.



Samstag, 22. Oktober 2016

|Leseliebe| "Die Stille der Lärchen" von Lenz Koppelstätter

"Die Stille der Lärchen" 

Lenz Koppelstätter
Commissario Grauner #2
Krimi
Deutsch
Das Buch wurde mir von vorablesen.de für das Verfassen einer Rezension zur Verfügung gestellt.
5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

In seinem zweiten Fall verschlägt es Kommissar und Nebenerwerbslandwirt Grauner in das abgelegene Ultental, wo die Bewohner selbst für Südtiroler Verhältnisse besonders wortkarg und katholisch sind. Entsprechend zäh verlaufen die Ermittlungen, als die Leiche der jungen Bauerntochter Marie bei den mystischen Urlärchen von St. Gertraud aufgefunden wird. Staatsanwalt Belli, der Vorgesetzte von Grauner, würde am liebsten komplett auf Ermittlungen jedweder Art verzichten, da der zugezogene Architekt Haller sofort ein Geständnis ablegt. Grauner hegt jedoch Zweifel an der Richtigkeit dieses Geständnisses und für die aufgebrachten Dorfbewohner steht sowieso fest, dass nicht der Architekt sondern dessen Sohn Michael, der mit dem Teufel im Bunde stehen soll, der Täter ist. Also stürzt sich Kommissar Grauner gemeinsam mit seinem Kollegen Saltapepe und dem Rest des Teams in die Ermittlungen. Sie treffen auf eine Mauer des Schweigens. Im Hintergrund scheinen einflussreiche Pfarrer und Großunternehmer die Fäden zu ziehen. Unter der Oberfläche brodeln Familiendramen, die Grauner bis ins Jahr 1908 zurückführen und auf den Spuren von Sisi und großen Schriftstellern wandeln lassen. 

Bereits der erste Band der Reihe, der letztes Jahr unter dem Titel "Der Tod am Gletscher" veröffentlicht wurde, hat mich begeistert. Da ich Südtirol mehrfach bereist habe, liegt mir der Ort des Geschehens natürlich besonders nahe. Ich finde, bei Lenz Koppelstätter merkt man, dass er von dort stammt und sich mit Land und Leuten auskennt. Er schildert sowohl die Landschaft als auch die Bewohner authentisch und hat mit Grauner einen urigen, leicht verschrobenen Kommissar geschaffen, der - anders als so mancher "Tatort"-Kommissar - trotzdem nicht an so vielen Macken leidet, dass man sich fragen müsste, wie er überhaupt noch im Polizeidienst sein kann. Mit dem Neapolitaner Saltapepe hat einen Counterpart aus dem "richtigen" Italien, so dass man anhand dieser zwei Männer die Unterschiede zwischen Südtirol und dem Rest Italiens gut erkennen kann. Quasi Knödel vs. Spaghetti. 

Als ich den Klappentext von "Die Stille der Lärchen" gelesen habe, war ich direkt begeistert, dass der Krimi dieses Mal im Ultental spielen wird, habe ich doch im Juli erst einen kurzen Abstecher in diesesursprüngliche Tal unternommen. Dieser Ausflug war eine spezielle Erfahrung, denn das Ultental ist wirklich ganz anders, als der Rest Südtirols: abgelegener, düsterer, weniger touristisch erschlossen. Genau diese Atmosphäre nützt Lenz Koppelstätter in seiner Geschichte, um ein Geflecht aus alten Fehden, einflussreicher Kirche und dominanten Unternehmern zu kreieren. Der Fall ist entsprechend komplex mit vielen Spuren und Verdächtigen angelegt. Aus diesem Grund bleibt der Krimi bis zur letzten Seite spannend, ohne zu verworren zu sein. 

Erneut hat mir besonders gut gefallen, wie es der Autor schafft, Risse in die Südtiroler Idylle zu bekommen. Als ich im Juli die atemberaubende Aussicht auf die Berge Südtirols genossen habe, konnte ich mir in dem Moment nicht vorstellen, dass andernorts Dinge wie der Anschlag von Nizza oder der Krieg in Syrien passieren. Dass es auf der einen Seite Menschen gibt, die Krieg erleiden müssen, während man in Südtirol in einer atemberaubenden Landschaft in Frieden lebt. In "Die Stille der Lärchen" wird aufgezeigt, dass auch die perfekteste Umgebung nicht davor schützt, dass Morde geschehen und sich die Bewohner missgünstig gegenüberstehen. Ländliche Idylle auf der einen Seite, Engstirnigkeit und Habgier auf der anderen Seite. 

Die "Stille der Lärchen" gehört zu meinen liebsten Krimis, die ich in 2017 gelesen habe und ist auch genreübergreifend ganz vorne dabei.

Freitag, 21. Oktober 2016

|Leseliebe| "Clown Under" von Andreas Schaible

"Clown Under" 

Andreas Schaible
Biografie
Deutsch
Das Buch wurde mir von lovelybooks.de für die Teilnahme an einer Leserunde und das Verfassen einer Rezension zur Verfügung gestellt.
4,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Der Autor Andreas Schaible lebt den Traum vieler Schulabgänger und fliegt nach dem Abitur für ein Jahr nach Australien. Allerdings entscheidet er sich für kein gewöhnliches "Work & Travel", bei dem man z.B. auf Farmen Äpfel pflückt, sondern schließt sich einem der größten Zirkusse Australiens an. Neben dem üblichen Heimweh fällt es ihm zunächst schwer, sich an die körperliche Schwerstarbeit und den rauen Umgangston zu gewöhnen. Doch er gibt nicht auf und seine positive, fröhliche Art kommen gut an, so dass er den Zirkusdirektor nachhaltig beeindruckt und sich über eine Assistenz beim Zauberer bis zu seiner Traumrolle als Clown in die Manege hocharbeitet.

Die einschlägigen Dokumentationen über Jugendliche, die für ein Austauschjahr, Work & Travel oder als Au pair ins Ausland gehen, fand ich schon immer spannend. In Kombination mit dem faszinierenden Kontinent Australien, den ich gerne einmal bereisen würde, hat mich das Buch direkt angesprochen. Trotzdem bin ich nicht mit überhöhten Erwartungen herangegangen, da ich mit von Quereinsteigern verfassten Erstlingswerken auch schon schlechte Erfahrungen bezüglich des Schreibstils, Rechtschreibfehlern und des Aufbaus einer Geschichte gemacht habe. In der Hinsicht kann ich bei "Clown Under" jedoch Entwarnung geben: das Buch liest sich super, ist logisch aufgebaut und hat ein kompetentes Lektorat durchlaufen.

Mir hat das Lesen dieses Buches viel Spaß bereitet, denn Andreas Schaible schildert sowohl die schönen als auch die tragischen Seiten des Zirkuslebens - so z.B. den Adrenalinschub, den man erlebt, wenn man in der Manege stehen darf, aber auch die Unfälle und Verletzungen, die damit einhergehen. Mich hat besonders beeindruckt, wie viel knallharte, körperliche Arbeit hinter der glitzernden Zirkusfassade steckt. Außerdem hat mir dieses Buch wieder einmal gezeigt, dass man seine Komfortzone verlassen muss, wenn man im Leben vorankommen und neue, spannende Dinge erleben möchte. Der Autor beschreibt sich selbst bis zu dem Australien-Abenteuer als sehr sicherheitsbedürftigen und eher zurückhaltenden Menschen, dem es viel Überwindung gekostet hat, das heimische Nest und die dörfliche Idylle zu verlassen. Aus diesem Grund war auch der Anfang in Australien nicht leicht, aber rückblickend war es genau der richtige Schritt, der ihn reifen ließ.




Das Ende des Buches und des Australien-Trips nach Verlassen des Zirkus kam für meinen Geschmack einen Tick zu schnell. Die enthaltenen QR-Codes hätte ich - im Gegensatz zu den Fotos - nicht unbedingt gebraucht. Wenn ich lese, möchte ich irgendwie nicht wirklich in die - ansonsten von mir geliebten - sozialen Medien eintauchen.

Das sind jedoch nur kleine Kritikpunkte, weshalb ich das Buch allen, die sich für Australien, Work & Travel oder die Zirkuswelt interessieren, ans Herz lege. Und auch all jenen, die daran zweifeln, ob es sich wirklich lohnt, seine Komfortzone zu verlassen. Klar, am Anfang mag man ab und zu denken, "warum habe ich mich dazu nur hinreißen lassen", aber am Ende hat jede neue Erfahrung ihren Mehrwert. In diesem Zusammenhang möchte ich den zentralen Satz des Buches erwähnen, der auf neue Abenteuer genauso zutrifft wie auf einen Schicksalsschlag, in dessen Verbindung er im Buch eigentlich steht: "Du wirst eine verbesserte Version deiner selbst werden. Hab nur Geduld."


Donnerstag, 20. Oktober 2016

|Leseliebe| E-Book vs. klassisches Buch (#leseparty)

Da ich immer wieder von Freunden und Bekannten gefragt werde, wie es denn sei, auf einem E-Reader zu lesen, oder von Buchpuristen darauf hingewiesen werde, dass sie sich nicht vorstellen können, auf einem E-Reader zu lesen, habe ich mir gedacht, dass die Woche der Buchmesse in Frankfurt der geeignete Rahmen ist, um einen Blogpost zum Thema Vor-und Nachteile von E-Books im Vergleich zum klassischen Buch zu schreiben.


Dieses Buch habe ich an dieser Stelle nicht nur ausgewählt, weil es als Bildband perfekt zum Thema passt. Ich habe mich auch wegen des Covers dafür entschieden. Dieses Wochenende findet das erste Weltcup-Rennen der Saison in Sölden statt und Aksel Lund Svindal wird nicht daran teilnehmen. Nach seinem schweren Sturz von Kitzbühel Anfang diesen Jahres (bei dem ich für einige Augenblicke überzeugt war, dass er nicht überlebt hat) steht nicht fest, ob sein Knie stabil genug ist für die Fortsetzung der Karriere. Sollte sich das bewahrheiten, wäre es einer der schlimmsten Momente meiner Sport-Fan-Laufbahn.

Ein echtes Buch hat den Vorteil, dass man etwas traditionelles, einen echten Gegenstand in der Hand hält. Ein besonders aufwändig gestaltetes Buch wird die digitale Ausgabe niemals schlagen können. Das fängt schon bei Biografien an, die häufig einen Bildteil enthalten, der in einer Printausgabe viel schöner aussieht als in schwarz-weiß auf dem E-Reader. Das gleiche gilt für illustrierte Bücher oder hochwertige Cover.


Ein E-Book, das ich lieber als "echtes" Buch besitzen würde: die Biografie von Aamodt und Kjus (norwegische Skifahrer). Allerdings war es mir nicht möglich, an eine Ausgabe heranzukommen, da es nur in Norwegen erschienen ist.

Gedruckte Bücher haben außerdem den Vorteil, dass man sie problemlos verleihen kann. Das ist bei E-Books gar nicht oder nur über Umwege möglich. Wenn ich jemanden eines meiner E-Books lesen lassen möchte, verleihe ich meinen E-Reader. Das bietet sich folglich nur für Personen an, die in unmittelbarer Nähe wohnen und die man regelmäßig trifft.

Dafür kann es einem nicht passieren, dass man E-Books in schlechtem Zustand zurückbekommt. Ich bin sehr penibel was meine Bücher betrifft, weshalb sie meist wie neu aussehen. Wenn ich Bücher an Freunde ausleihe, bekomme ich sie ab und zu mit schiefem Buchrücken oder Leserillen zurück. Insbesondere das mit dem schiefen Buchrücken verstehe ich nicht. Drückt man da das Buch beim Lesen extrem auseinander?!


Eines der schönsten Cover dieses Jahres, bei dem das E-Book keine Alternative für mich war.

Ich liebe an meinem E-Reader, dass ich immer und überall ein neues Buch kaufen kann. Im September saß ich auf Fuerteventura am Strand und wollte unbedingt und dringend und sofort ein weiteres Buch einer bestimmten Autorin lesen. Da mein E-Reader mit einem eigenen Internetzugang ausgestattet und somit nicht auf (das in Spanien nur sporadisch vorhandene) W-LAN angewiesen ist, war das überhaupt kein Problem, und ich konnte innerhalb weniger Minuten das gewünschte Buch herunterladen. Meine Begleitung in diesem Urlaub hatte normale Bücher dabei, allerdings nicht in ausreichender Anzahl. In dieser Situation ist man aufgeschmissen, während ich auf meinem E-Reader eine komplette Bibliothek dabei habe.

Diese mobile Bibliothek hat für mich zudem den Vorteil, dass ich mich nicht mit dem Eigentum an Gegenständen belaste. Ja, ich liebe mein Bücherregal, und es ist noch immer mein Traum, irgendwann eine Bibliothek mein Eigen zu nennen. Andererseits übt mittlerweile ein minimalistischer Lebensstil eine große Anziehung auf mich aus. Ich finde es nicht mehr erstrebenswert, möglichst viel Kram zu besitzen (außer vielleicht Schuhe...). Von daher bin ich für jedes Buch dankbar, das sich in digitaler Form auf meinem E-Book-Reader versteckt.

Beim Thema Bibliothek fällt mir auch direkt ein, dass mir nach vielen Jahren des Besitzens von Büchern aufgefallen ist, dass Taschenbücher im Laufe der Zeit leider einen nicht unerheblichen Qualitätsverlust erleiden. Sie vergilben und die Bindung löst sich auf, weshalb sich im schlimmsten Fall einzelne Seiten lösen. Da ich bekanntermaßen penibel bin, was meine Bücher betrifft, macht es mir keinen Spaß, diese in dem Zustand ein weiteres Mal zu lesen. Ein E-Book hingegen wird seinen Zustand unverändert beibehalten. Völlig ohne Sorgen kann man hier der Zukunft trotzdem nicht entgegenblicken, da man nie weiß, wie sich die Technik entwickelt. Vielleicht wird es in 10 Jahren nicht mehr möglich sein, die Formate "epub" oder "mobi" lesbar zu machen.


Einer meiner liebsten Romane aus dem Bereich Chick Lit, den ich trotzdem "nur" als E-Book besitze.

Beim Stichwort "mobi" möchte ich erwähnen, dass ich tatsächlich einen E-Reader vom bösen, großen "A"-Konzern besitze. Ja, ich heiße deren Steueroptimierung nicht gut, aber was will man machen, wenn die globale Steuergesetzgebung Dinge wie das "Double Irish Dutch Sandwich" ermöglicht? (Das gibt es wirklich, gebt es gerne einmal in eine Suchmaschine ein, wenn Ihr etwas völlig abgefahrenes lesen wollt). Ich habe mich für den "Kindle" entschieden, weil es zum Zeitpunkt des Kaufs der auf meine Bedürfnisse perfekt zugeschnittene E-Reader war. Den "Tolino" z.B. gab es damals noch nicht. Mein "Kindle" hat zwei technische Spielereien, auf die ich nicht verzichten möchte: eine interne Beleuchtung, die einem ermöglicht auch im Dunkeln (also z.B. abends ohne Nachttischlampe) zu lesen. Ein riesiger Vorteil, wenn man nicht alleine in einem Zimmer nächtigt und die andere, bereits schlafende Person nicht stören möchte. Den zweiten Vorteil habe ich bereits erwähnt: die integrierte Möglichkeit, immer und überall ohne Zusatzkosten und ohne W-LAN online zu gehen. Ansonsten bin ich von der Robustheit meines "Kindle" begeistert. Er übersteht den Transport in meiner Handtasche unbeschadet. Auch ein kleiner Absturz kann ihm nichts anhaben.

Ab und zu lässt sich ein Fehlkauf bei Büchern nicht vermeiden. Beim Buch in gedruckten Form fangen bei mir an der Stelle die Überlegungen an: auf "Rebuy" oder "Medimops" verkaufen? Dem "Roten Kreuz" für einen Bücherflohmarkt schenken? Beim E-Book verschiebe ich das Buch in den Ordner "Schrott" und die Sache ist erledigt. Später kann ich das E-Book sogar endgültig aus der Cloud löschen. In einem durchschnittlichen Lesejahr halten sich bei mir die englischen und deutschen Bücher die Waage (in diesem Jahr wird es anders aussehen, eine Analyse folgt am Jahresende).

Da es in den USA und England keine Buchpreisbindung gibt, kann man auf dem englischen Buchmarkt echte E-Book-Schnäppchen machen und hat nicht nur den unrentablen Unterschied von ein oder zwei Euro wie in Deutschland. Hinzu kommt, dass die englischen Taschenbücher erfahrungsgemäß noch schneller vergilben als die deutschen.

Als Fazit kann ich somit ziehen, dass ich mittlerweile Team "E-Book" bin. Ausnahmen mache ich bei Büchern, die ich zu meinen absoluten Favoriten zähle, weshalb feststeht, dass ich sie öfters lesen werde. Oder bei Büchern, von denen ich weiß, dass ich sie Familie und Freunden ausleihen werde (wie z.B. den neuen "Kluftinger"). Und bei Bücher, die wunderschön gestaltet sind oder Fotos enthalten.

Über Kommentare zum Thema "Team E-Book" oder "Team klassisches Buch" würde ich mich freuen.

Montag, 17. Oktober 2016

|Leseliebe| "Dreimal tote Tante" von Krischan Koch

"Dreimal tote Tante" 

Krischan Koch
Krimi
Hörbuch
3,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Die Krimis um den nordfriesischen Dorfpolizisten Thies Detlefsen gehören zu meinen Hörbuch-Lieblingen. Irgendwie eignen sich Hörbücher aus dem Bereich "Regionalkrimi" besonders gut für Autofahrten. Aktuell versuche ich mich an etwas schwererer Kost und bin mir noch nicht ganz sicher, ob das auf Autofahrten funktioniert. Besser als "Das Beste der 70er, 80er und 90er Jahre" (oder so ähnlich) ist es aber allemal. 

In Fredenbüll herrscht verschlafene Ruhe und Thies Detlefsen fürchtet erneut die Abschaffung seines Polizeipostens, denn außer den altbekannten Falschparkern am Deich und ein paar rasenden Hamburger Wochenendtouristen gibt es wenig für ihn zu tun. 

Das ändert sich schlagartig, als in der Jauchegrube des örtlichen Schweinemastbetriebs eine Leiche schwimmt. Damit nicht genug, wenig später werden eine weitere Leiche und ein Schweinekadaver aufgefunden. Außerdem ist Pensionswirtin Renate verschwunden, was nicht nur ihre nunmehr frühstückslosen Pensionsgäste, die "Bed AND Breakfast" gebucht hatten, empört, sondern auch die Landfrauen in helle Aufregung versetzt, da Renate mit ihrem rollenden "R" eine wichtige Stütze ihres neuerworbenen Nebenerwebszweigs (Stichwort "heiße Mädels vom Land") gewesen ist. 

Thies bekommt die gewohnte Unterstützung von Kommissarin Nicole, die aber leicht verändert scheint. Hat sie etwa zugenommen? Und warum isst sie plötzlich für zwei? Thies muss aufpassen, dass er über den Mordermittlungen nicht seine Frau Heike und die pubertären Zwillinge Tadje und Telje vergisst - auch wenn er der veganen Küche seiner Frau aktuell lieber aus dem Weg geht und sich in Antjes "Slow Food Imbiss" mit Putenschaschlik "Hawaii" und "Toter Tante" verköstigt. 

Dieses Hörbuch liefert die üblichen Zutaten der Küstenkrimis von Krischan Koch: skurrile Mordfälle und noch skurrilere Bewohner. Außerdem holt sich "Dreimal tote Tante" Anleihen bei den blutrünstigen Skandinavien-Krimis und versteht sich als eine Art Satire auf diese. Bei mir hat diese Mischung nicht perfekt funktioniert. Irgendwie hat mich dieser Nordfriesland-Krimi nicht so sehr gepackt wie seine Vorgänger. Das lag vermutlich nicht nur an der versuchten Satire sondern am Krimi insgesamt, der auf mich einen etwas "unrunden" Eindruck gemacht hat. 

An den neuen Sprecher Hinnerk Schönemann - als Nachfolger von Bjarne Mädel - hatte ich mich hingegen schnell gewöhnt. Beide passen gut zu der norddeutschen Atmosphäre, wobei die Dialektanklänge bei Bjarne Mädel einen Tick ausgeprägter waren. 

Für mich kein Highlight der Reihe, einen neuen Nordfrieslandkrimi würde ich mir trotzdem als Hörbuch zulegen.

Sonntag, 16. Oktober 2016

|Leseliebe| "Für Dich soll's tausend Tode regnen" von Anna Pfeffer

"Für Dich soll's tausend Tode regnen" 

Anna Pfeffer
Young Adult
Deutsch
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Emi ist frustriert: sie wird von ihrem alleinerziehend Vater von Heidelberg nach Hamburg "verpflanzt". Sie muss ihre beste Freundin in Heidelberg zurücklassen und sich an neue Mitschüler auf ihrem elitären Gymnasium und den nasskalten Herbst in Hamburg gewöhnen. Das einzige, was ihr hilft zu überleben: ihr schwarzes Buch, in dem sie die skurrilsten Todesarten aus aller Welt sammelt, und ihre Fantasie, in der sie den Menschen in ihrer Umgebung, die ihr auf die Nerven fallen, eine spezielle Todesart zuordnet. Neben ihrem immer gut gelaunten Bruder und der neuen Freundin ihrer Vaters entwickelt sich vor allem ihr geheimnisumwitterter Klassenkamerad Erik zum Feindbild von Emi. 

Ich hatte mal wieder Lust auf ein locker, leichtes Jugendbuch und als ich "Für Dich soll's tausend Tode regnen" bei anderen Bloggern entdeckt habe, stand für mich fest, dass ich dieses Buch gerne lesen möchte. Dabei hat mich u.a. das farbenfrohe, originelle Cover angesprochen, das auch in Natura wirklich toll aussieht. Außerdem hat das gesamte Buch einen schwarzen Rand. Ich würde mir wünschen, die Verlage würden sich immer so viel Mühe geben...

Der Inhalt hat mir genau das geliefert, was ich mir davon versprochen hatte: ein witziger Jugendroman für zwischendurch - im Stile der "Edelstein-Trilogie" von Kerstin Gier (minus des Zeitreise-Aspekts) oder dem "Zeugenkuss-Programm" von Eva Völler. Da ich letzte Woche beruflich auf einem Seminar war, hat diese Art von Buch perfekt gepasst, denn ich konnte immer nur kurze Abschnitte am Stück lesen.

Apropos mein Seminar, dort wurde von einem Teilnehmer die sogenannte "Game Theory" vorgestellt. Und genau diese wird auch an der folgenden Stelle in dem Buch beschrieben. Was für ein  Zufall...

"Es schüttelte mich, und mir war klar, dass ich aufpassen musste. Denn je schlimmer meine Challenges wurden, desto schlimmer würde auch Erik an die Sache rangehen. Daher musste ich klug agieren und ihn mit einer Challenge vernichten."

Die verschiedenen Tode, die sich Emi für die Menschen in ihrer Umgebung ausdenkt, fand ich ein bisschen makaber. Dieser Aspekt darf einem also nichts ausmachen, ansonsten wird man keine Freude an dem Buch haben. Manchmal nervt auch Emis pessimistische, pubertäre Art etwas, jedoch nie so sehr, als dass es mir die Freude an dem Buch genommen hätte.

Wer also ein bisschen kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch sucht, ist mit dieser amüsanten Geschichte bestens bedient. 









Samstag, 15. Oktober 2016

|Leseliebe| "Die Listensammlerin" von Lena Gorelik

"Die Listensammlerin" 

Lena Gorelik
Roman
Deutsch
4 Sterne (von 5 möglichen Sternen)

Ich habe bereits vor einigen Jahren die ersten drei Romane von Lena Gorelik gelesen. Diese haben mir hervorragend gefallen, denn zum einen hat Lena Gorelik eine ganz eigene Schreibweise, und zum anderen mag ich die russische Seele und fand es sehr interessant, einen Einblick in den russischen (bzw. deutsch-russischen) Alltag zu bekommen. 

In "Die Listensammlerin" erzählt Lena Gorelik zwei Geschichten, die miteinander verwoben sind. In der Gegenwart geht es um Sofia, die um das Leben ihrer kleinen Tochter Anna bangt. Anna wurde mit einem lebensbedrohlichen Herzfehler geboren. Sofia fällt es sehr schwer, mit dieser Situation umzugehen. Sie kann nicht über ihre Ängste reden, weshalb die einzige Möglichkeit für sie ist, die Krankheit ihrer Tochter zu verarbeiten, an ihren Listen zu schreiben. Listen führt sie schon seit Kindertagen. Darin hielt sie früher ihre Lieblingslehrer fest, heute listet sie gute und schlechte Ärzte oder Sätze, die man im Krankenhaus gesagt bekommt, auf. Mit Flox, dem Vater ihrer Tochter, hat sie bis zur Geburt ihrer Tochter eine glückliche, freie Beziehung mit vielen Reisen geführt. Mittlerweile driften die beiden auseinander, denn jeder geht anders mit dem Herzfehler der kleinen Anna um. Nicht nur aufgrund deren Erkrankung fällt es Sofia schwer, sich in ihre Mutterrolle einzufinden. Das mag daran liegen, dass auch Sofias Verhältnis zu ihrer Mutter, die gemeinsam mit Sofia und der mittlerweile an Demenz leidenden Oma aus der Sowjetunion geflohen ist, belastet ist. 

In der Vergangenheit steht Sofias Onkel (also der Bruder ihrer Mutter) Grischa im Mittelpunkt. Von diesem hat Sofia ihre Leidenschaft für Listen geerbt. Grischa ist schon als Kind aus der Masse herausgestochen, was in der Sowjetunion nicht gerade von Vorteil war. Er war immer ander als die anderen. Hat Fragen gestellt, die niemand sonst zu stellen wagte. War für jede "Clownerei" zu haben. Später ist er in die Dissidentenszene geraten. 

Ich habe dieses Buch als wahnsinnig packend und intensiv empfunden. Das liegt zum einen an der Thematik, denn weder schwerkranke Kinder noch Unterdrückung in einer Diktatur sind leichte Kost. Zum anderen auch am Schreibstil von Lena Gorelik. Sie schreibt in sehr langen, verschachtelten Sätzen, so dass man beim Lesen immer aufmerksam bleiben muss, denn sonst weiß man plötzlich nicht mehr, von wem oder was sie gerade spricht. Ich habe irgendwo gelesen, dass sie versucht, im Deutschen genauso "blumig" zu formulieren, wie man es im Russischen üblicherweise macht. Vielleicht liegt es daran. Mir hat diese Art des Schreibens sehr gut gefallen, denn sie trägt dazu bei, dass man durch dieses Buch besonders intensiv zum Denken angeregt wird. 

Die Beschreibung des Lebens in der Sowjetunion fand ich wahnsinnig interessant. Hier geht es nicht darum, eine alte Sowjet-Romantik aufleben zu lassen (ähnlich der hierzulande gelegentlich heraufbeschworenen Ostalgie), sondern das Leben in der Sowjetunion wird schonungslos mit all seinen Fehlern geschildert. Wie wenig man sich erlauben konnte, aus der Masse auszuscheren. Wie es war, mit wildfremden Menschen eine Wohnung zu teilen. Auch wenn hier in Deutschland nicht alles perfekt ist, man sollte sich wirklich darauf besinnen, seine Freiheiten zu schätzen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen. In der Hinsicht hat mich das Buch an den Film "Das Leben der anderen" erinnert. 

Im Gegenwartsteil war ich davon beeindruckt, wie es Lena Gorelik schafft, die Hilflosigkeit von Eltern eines lebensbedrohlich erkrankten Kindes zu schildern. Als Schwester eines Bruders, der seine ersten Lebensjahre mehr in Krankenhäusern als zu Hause verbracht hat, weiß ich, wovon sie schreibt. Ich kann mir bis heute wenig Schlimmeres vorstellen, als ein schwer krankes Kind zu haben. In diesem Zusammenhang finde ich es auch erwähnenswert, dass man durch das Buch einen guten Einblick in das Leben von sogenannten gut integrierten Einwanderern, die Deutschland sehr schätzen, sich aber trotzdem einige - in diesem Fall russische - Eigenheiten bewahrt haben, bekommt.  

Trotzdem vergebe ich keine 5 Sterne, denn manchmal hat mich Sofia genervt. Das ist vielleicht kein faires Urteil, denn erst durch diese Charakterzüge von Sofia ist das Buch stimmig geworden, trotzdem hätte ich sie beim Lesen manchmal am liebsten geschüttelt, weshalb dieses sowieso schon schwere Buch kein reines Lesevergnügen war. Trotzdem eine klare Leseempfehlung - auch für die anderen Bücher von Lena Gorelik. Wer etwas über die russische Seele erfahren möchte, ist bei ihr goldrichtig.

Montag, 10. Oktober 2016

|Stefka travels| Tübingen im Regen

Das Bild zu diesem Sonntag

Im September war ich an einem völlig verregneten Sonntag in Tübingen. Dort war ein Stadtlauf mit "Tag der offenen Tür" und einem Markt. 


Fachwerk 

Tübingen ist eine Universitätsstadt mit dem entsprechenden studentischen Flair (ähnlich wie Heidelberg). Außerdem gibt es viele Fachwerkhäuser, die mich an meine Heimatstadt Schwäbisch Hall erinnert haben. Tübingen liegt ca. 30 km südlich von Stuttgart und ist über die Autobahn und Bundesstraße gut zu erreichen. Dem Status Universitätsstadt hat Tübingen vermutlich den niedrigsten Altersdurchschnitt aller deutschen Städte zu verdanken. 


Schloss Hohentübingen

Wenn man bereit ist, einen kleinen Spaziergang bergan zu machen, kann man das recht zentral gelegene Schloss Hohentübingen besichtigen. Dort gibt es auch einige Museen.


Blick auf das verregnete Tübingen


Tübingen im Hintergrund

Politisch ist Tübingen für einen der ersten "grünen" Bürgermeister Deutschlands bekannt. Boris Palmer ist mir auch durch seinen Vater, den "Remstal-Rebell" Helmut Palmer ein Begriff. Der Querulant und Bürgermeisterdauerkandidat hat auch in meiner Heimat gewirkt... 


Rosenpracht

Wunderschöne Artischockenblüten auf dem Markt

Ich kann Tübingen als kleine, schnucklige Mittelalterstadt für einen Tagesausflug empfehlen. 


Neckar

Samstag, 8. Oktober 2016

|Küchenzauber| Dinkel-Vanille-Waffeln



Ich <3 Waffeln! Leider habe ich hier in meiner Wohnung nur ein nicht ganz so leistungsstarkes Waffeleisen für Herzchenwaffeln. Deshalb sind die Waffeln auf meinen Bildern auch etwas hell. Dem Waffeleisen fehlt einfach der "Wumms". Ich hätte zu gerne eines dieser großen Waffeleisen für eckige, belgische Waffeln. Aber irgendwie war ich bislang zu knausrig, mir ein solches anzuschaffen. Außerdem stellt sich die Frage, wo man denn das nun wieder unterbringen soll...

Dass diese Waffeln mit Dinkelmehl gebacken werden, finde ich nach einer auf dem Weg nach Oberstdorf geführten Diskussion ("Wenn ein Bäckereiprodukt hip sein soll, muss es mittlerweile mit Dinkelmehl gebacken werden. Denn das hört sich so schön gesund an.") ein bisschen witzig.




Lecker schmecken meine etwas hellen, im simplen Waffeleisen gebackenen Waffeln auf alle Fälle.. 

Als Zutaten werden benötigt:

- 2 Eier

- 50g - 60g Zucker

- 1 Päckchen Vanillezucker

- 100 ml Rapsöl

- 250g Dinkelmehl

- 250 ml Milch (die ich durch kohlensäurehaltiges Wasser ersetze)

- 1/2 TL Backpulver


Eier, Zucker, Vanillezucker und Rapsöl mit dem Rührgerät schaumig rühren.

Mehl, Backpulver und Milch bzw. Wasser mit Sprudel hinzufügen und zu einem Tag vermengen. 

Waffeln backen und auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.





Donnerstag, 6. Oktober 2016

|Leseliebe| "Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot" von Florian Herb


"Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot" 

Florian Herb
Roman
Deutsch
3,5 Sterne (von 5 möglichen Sternen)
von einer Freundin geliehen bekommen

Das Buch stammt - perfekt zum Inhalt passend -  aus Oberstdorf. Dort wurde es prominent auf einem Tisch mit Literatur zum Thema Allgäu präsentiert. 

Ried ist ein beschaulicher Ort im Allgäu, der aus seiner Bierruhe (kleiner Kalauer am Rande...) gerissen wird, als der Ministerpräsident des Freistaats auf die Idee kommt, das 700-jährige Dorfjubiläum für eine Wahlkampfveranstaltung zu nutzen. Als Gegenleistung bekommt Ried eine Umgehungsstraße. Dem Bürgermeister ist sofort klar, was oberste Priorität hat: ein gescheites Festbier muss her. Blöd nur, wenn der ortsansässige Brauer Alois Gschwend gerade selbst sein bester Kunde ist und in einer Art Sinnkrise steckt. Also setzen der Bürgermeister und die Landfrauen alle Hebel in Bewegung, um die vor über zwanzig Jahren nach Hamburg geflüchtete Brauereitochter Maria zurückzuholen. Passenderweise ist die gerade unglücklich in ihrer Ehe mit einem Hamburger Geschäftsmann. Da auch die Kinder aus dem Haus sind, gibt es nichts mehr, was Maria im hohen Norden hält, und sie lässt sich von den Landfrauen zurück ins heimatliche Allgäu begleiten.

Ein Buch wie ein Chiemgauer Volkstheater. Viel Lokalkolorit und viele sehr bayrische/allgäuerische Momente. Trotzdem hatte ich das Gefühl, man hätte aus der Geschichte mehr herausholen können. Zum Beispiel gibt es eine Fülle von Charakteren, die vom Umfang her beinahe gleichberechtigt agieren. Der Klappentext, der sich sehr auf die Brauereitochter Maria konzentriert, ist in der Hinsicht irreführend. Ihr Vater und der Bürgermeister mit seiner Frau sind genauso wichtig. Dazu kommen diverse sehr präsente Nebendarsteller wie die Landfrauen, der Tourismusbeauftragte oder die Brauereigehilfen. Durch diese große Anzahl an wichtigen Charakteren hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Geschichten der einzelnen Personen nicht wirklich auserzählt werden. So wird z.B. ein gewisses Interesse vom Tourismusbeauftragten an Maria angedeutet, aber in keiner Weise weiterverfolgt.

Was mir hingegen gut gefallen hat, sind die hintersinnigen, manchmal ins satirisch gehende politischen Kommentare. Wie etwa die zwei störrischen Brauereirösser namens "Edmund" und "Horst". Auch der aktuelle, politische Bezug mit Flüchtlingen in der Turnhalle hat gut gepasst.

Das folgende Zitat möchte ich mir gerne merken:

"... und wünschte sich für wenigstens einen kurzen Moment die gute alte Zeit zurück. Wann auch immer die gewesen war."

So viel zum Thema Nostalgie.

Aufgrund meines beruflichen Hintergrunds kann ich mir die folgenden zwei Anmerkungen nicht verkneifen:

"Zwar hatte der Heiler Korbinian die Fässer nicht bezahlt, jedoch beim Finanzamt bereits als Betriebsausgabe geltend gemacht - zumindest drei Viertel davon, das andere Viertel hatte er so unter der Hand verkauft."

Das "schwarz" verkaufte Bier ist natürlich steuerrechtlich nicht in Ordnung. Aber dass der Heiler Korbinian das Bier trotz noch nicht erfolgter Bezahlung als Aufwand in seiner Buchhaltung ansetzt, ist korrekt, fall er bilanziert. Nur im Falle einer Einnahme-Überschussrechnung wäre das nicht okay. 

"Eilig klappte Maria den Rechner auf, öffnete die selbst programmierten Excel-Tabellen, mit denen sie die Buchhaltung ihres Mannes pflegte, löschte unwiederbringlich die Datensätze der vergangenen vier Buchungsjahre und begann stattdessen, die Daten ihres Vaters einzugeben."

Eine Excell-Tabelle würde ich Maria nicht als Buchhaltungsprogramm empfehlen. Da man in Excel Dokumente jederzeit verändern kann, erfüllen sie nicht die Voraussetzungen einer ordnungsgemäßen Buchführung.

Alles in allem kein perfektes Buch, aber auch kein Reinfall.

Dienstag, 4. Oktober 2016

|Wanderlust| Oberstdorf Tipps

Zum Abschluss meiner Reihe aus Oberstdorf habe ich ein paar allgemeine Tipps für den Aufenthalt in Deutschlands südlichstem Dorf, das mir über die Jahre wirklich ans Herz gewachsen ist. Und nicht nur mir, auch vielen Eiskunstläufern aus aller Welt. Es heißt schon etwas, wenn Liz Manley, die 1988 bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille gewonnen hat, nach all den Jahren noch immer von Oberstdorf schwärmt.


Blick vom Balkon unserer Ferienwohnung

Ich verbringe seit mittlerweile beinahe 15 Jahren regelmäßig jährlich ein verlängertes Wochenende in Oberstdorf. Bis auf drei Jahre haben wir in einer Ferienwohnung von Blattners (eine große Agentur, die Ferienwohnungen in Oberstdorf vermittelt) gewohnt. Das hat immer super geklappt. In diesem Jahr hatten wir von der Lage her eine besonders schöne Ferienwohnung im Hammerspitzweg, am Rande von Oberstdorf. Der Blick vom Balkon war wirklich gigantisch. Wobei ich natürlich immer gerne an unsere allererste Ferienwohnung in Oberstdorf zurückdenke. Das fing schon damit an, dass uns der Besitzer am Bahnhof "Frau Maier, Frau Maier!" rufend hinterher rannte. Anschließend ist er mit uns (also Frau Maier und mir) zur Ferienwohnung gefahren, wobei wir im Verlauf gefühlt einmal ganz Oberstdorf umrundet haben. Dabei hat er uns lang und breit die Verkehrssituation von Oberstdorf erklärt. In der Wohnung angekommen, hat er entsetzt festgestellt, dass er seine Kamera vergessen hat. Also ist er noch einmal weggefahren, um diese zu holen. Ich bin vor lachen fast umgefallen, als ich ihm bei seiner Rückkehr die Tür geöffnet habe, denn er trug eine volle Fahrradmontur inklusive Helm. Wer sich jetzt fragt, warum die Kamera unbedingt von Nöten war: es wurden von uns Gästen Bilder für die Homepage der Ferienwohnung gemacht. Auf dieser Homepage (so eine selbst zusammengeklöppelte mit Musik und Schnickschnack, also in etwa "Myspace"-Niveau) waren wir noch Jahre später verewigt. Peinlicherweise trugen wir fast die identischen Outifts (roter Pulli, blaue Jeans), was für mich wahnsinnig vorteilhaft war, da ich damals ein paar Kilos mehr auf den Rippen hatte und im Vergleich zu "Frau Maier" aussah wie eine Tonne! 


Kaiserschmarren in der "Traube"

Wir sind in der Vergangenheit schon unzählige Male am "Traube Hotel Oberstdorf" vorbei gelaufen, drin waren wir jedoch nie. Aufgefallen ist uns besonders der große, beheizte Biergarten mit Musikuntermalung. Dieses Jahre hatten wir uns vorgenommen, das Essen dort zu testen. Als wir Freitag abends davor standen, trauten wir unseren Augen nicht: eine riesige Menschenmenge sogar schon vor dem Biergarten und dazu "Après Ski"-Musik. Ein sehr ungewöhnlicher Anblick im beschaulichen Oberstdorf. Wir haben später herausgefunden, dass ein Jubiläum gefeiert wurde. Überraschenderweise war im Restaurant ein Tisch frei, und ich habe einen leckeren Kaiserschmarren gegessen. Falls man "gutbürgerlich" Essen gehen möchte, kann ich die "Traube" empfehlen. Das Restaurant ist auch sehr schön eingerichtet und nicht so dunkel wie gutbürgerliche Gaststätten gerne einmal sind.


Traditioneller Blumenschmuck in Oberstdorf

Dahlien in einem Vorgarten

Es gibt nichts schöneres als Blumenfotografie. Sooo viel einfacher als sich schnell bewegende Eiskunstläufer in einer düsteren Halle.

Oberstdorf lädt immer zu einem kleinen Spaziergang oder Bummel durch die Läden ein. Klar, man darf keine großstädtische Shoppingmeile erwarten, aber es gibt einige nette, kleine Geschäfte wie z.B. den "Bücher Edele", und wer etwas aus dem Bereich "Sport & Outdoor" sucht, wird definitiv fündig werden. Außerdem ist der gesamte Dorfkern Fußgängerzone, was sehr angenehm ist.

Wir waren dieses Jahr recht experimentierfreudig und haben ein weiteres Restaurant getestet: das "Essenza". Von Außen sieht es sehr unspektakulär aus, weshalb ich ehrlich zugeben muss, dass man es ohne Insider-Tipp nicht zwingend auswählt. Was aber ein großer Fehler wäre, denn das Essen dort schmeckt ganz hervorragend. Wir hatten alle Pizza und für mich war er es definitiv die beste Pizza, die ich in diesem Jahr bislang gegessen habe. Der Boden war extrem lecker und knusprig. Wir haben bei anderen Gästen die Pasta gesehen, und die sah ebenfalls super aus.  


Der leckerste Kuchen überhaupt: Kirsch-Streusel wie von Oma

In diesem Jahr hat es zum Glück zeitlich gereicht, einen Kuchen im Oberstdorfer Käsladen zu essen. Dort gibt es den besten Kuchen, den ich jemals irgendwo auswärts gegessen habe. Kuchen wie bei Oma.


Die Schattenbergschanze, mittlerweile "Erdinger Arena" genannt.

Ich habe die "Erdinger Arena" - bekannt von der Vier-Schanzen-Tournee - bereits zwei Mal besichtigt. Wegen der Aussicht und des allgemein spektakulären Erlebnisses kann ich auch Nicht-Sportinteressierten eine Besichtigung der Anlage empfehlen. Heiraten kann man da oben übrigens auch...


Mein Eintrag ins Gästebuch